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Prozess wegen Zuhälterei : Im Zweifel für Strauss-Kahn

Dominique Strauss-Kahn verlässt am Dienstagmorgen sein Hotel in Lille. Bild: AP

Der einstige IWF-Chef steht wegen organisierter Zuhälterei vor Gericht. Strauss-Kahn hat in dem Verfahren stets seine Unschuld beteuert. Die Staatsanwaltschaft sieht keinen Grund, daran zu zweifeln.

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          Im Zuhälter-Prozess gegen den ehemaligen Generaldirektor des Internationalen Währungsfonds Dominique Strauss-Kahn hat die Staatsanwaltschaft den Freispruch des Angeklagten gefordert. Strauss-Kahn wird in dem seit einer Woche im nordfranzösischen Lille laufenden Verfahren „schwere Zuhälterei“ vorgeworfen, weil er verschiedene Sexpartys mitorganisiert haben soll, an denen er auch teilgenommen hatte. Doch dieser Nachweis sei nicht gelungen, sagte der Staatsanwalt Frédéric Fèvre. Strauss-Kahn hat ausgesagt, er habe nicht einmal gewusst, dass die anwesenden Frauen Prostituierte gewesen seien. Diese Aussage ist nicht widerlegt worden.

          Christian Schubert

          Wirtschaftskorrespondent in Paris.

          Der Staatsanwalt hatte schon vor seinem gestrigen Plädoyer während des Prozesses wissen lassen, dass es sich bei den insgesamt 14 Angeklagten nicht um ein „mafiöses Netzwerk“ gehandelt habe. Schon im Juni 2013 hatte er sich gegen eine Prozesseröffnung ausgesprochen. Doch die mit dem Fall befassten Untersuchungsrichter plädierten für ein Verfahren. Das Urteil des Gerichts wird in Kürze erwartet.

          Als die wahren Organisatoren haben sich dagegen einige der mitangeklagten Bekannten von Strauss-Kahn bekannt. Zwei Geschäftsleute aus Nordfrankreich ließen etwa Flugreisen und Hotelzimmer reservieren und bezahlten die Prostituierten. Sie sagten aus, dass sie gegenüber Strauss-Kahn die Bezahlung der Frauen immer verschwiegen hätten. Der ehemalige IWF-Chef hat offenbar auch nie selbst Geld ausgegeben. In elektronischen Kurznachrichten hatte er gegenüber seinen „Freunden“ lediglich mehrfach um „Material“ nachgefragt; damit meinte er zum Sex bereite Frauen.

          Prostituierte berichten von brutalem Sex

          Zwei vor Gericht aussagende Prostituierte konnten die Position der Verteidigung auch nicht erschüttern. Sie berichteten von „brutalen“ Sexpraktiken Strauss-Kahns, sagten aber auch, dass sie eingewilligt hätten, mit ihm Sex zu haben. Sie hätten ihm auch nicht erzählt, dass sie Prostituierte seien.

          Ein großer Teil der 13 weiteren Angeklagten (darunter zwei Frauen) muss anders als Strauss-Kahn dagegen mit Strafen rechnen. Für einen Zuhälter aus Belgien („Dodo, die Salzlake“) hat die Staatsanwaltschaft zwei Jahre Gefängnis, davon eines auf Bewährung, sowie eine Geldstrafe von 10000 Euro gefordert.

          Im Fall einer Verurteilung würde Strauss-Kahn eine Höchststrafe von zehn Jahren Haft und bis zu 1,5 Millionen Euro Bußgeld gedroht. In Frankreich ist der Straftatbestand der Zuhälterei nicht nur erfüllt, wenn jemand finanzielle Vorteile aus dem käuflichen Sex zieht, sondern auch, wenn er das Geschäft mit Prostituierten fördert.

          In den Ermittlungen ging es um vier Sexpartys in drei Jahren, die in Lille, Washington und Brüssel stattfanden. Am Montag hatten schon zwei Anwälte von Prostituierten, die als Nebenkläger aufgetreten waren, ihre Anklage fallengelassen, weil sie nicht mehr mit einer Verurteilung rechneten.

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