https://www.faz.net/-gum-9o597

Zoll entdeckt 670 Kilo Heroin : Als türkische Süßigkeiten getarnt

  • Aktualisiert am

Vom Zoll sichergestellte Pakete: „Dieser Aufgriff ragt aus allem heraus.“ Bild: dpa

Hunderte Kilogramm Rauschgift: Die Zollfahndung entdeckt an der deutsch-polnischen Grenze eine Rekordmenge an geschmuggeltem Heroin – im Wert von zig Millionen Euro und verpackt als Süßigkeit.

          An der deutsch-polnischen Grenze ist eine Rekordmenge geschmuggelten Heroins entdeckt worden. Die Zollfahndung stieß am 31. Mai auf 670 Kilogramm des gefährlichen Rauschgifts, die in einem Lkw aus Kirgistan versteckt waren. Es handele sich um die größte Menge Heroin, die jemals auf einen Schlag in Deutschland entdeckt wurde, sagte ein Sprecher der Zollfahndung Berlin-Brandenburg am Dienstag.

          Der Verkaufswert auf der Straße dürfte bei 40 bis 50 Millionen Euro liegen. Das Rauschgift war in kleinen Schachteln, als türkische Süßigkeiten getarnt, abgepackt. Es kam vermutlich aus der Region Afghanistan und sollte nach Belgien gebracht werden.

          Der Leiter der Zollfahndung Berlin-Brandenburg, Oliver Pampel-Jabrane, betonte: „Dieser Aufgriff ragt aus allem heraus. Etwas Vergleichbares haben wir bisher nicht feststellen können.“ Er berichtete, dass die deutschen Behörden einen Hinweis von Ermittlern aus den Niederlanden zu einer niederländisch-türkischen Bande erhalten hatten. Dabei wurde auch der Lkw bekannt, der daraufhin zur Fahndung ausgeschrieben wurde.

          Als der Lastwagen am Morgen des 31. Mai an der Grenze bei Frankfurt (Oder) ankam, untersuchte der Zoll ihn. „Erste Unregelmäßigkeiten wurden beim Röntgen der Ladung entdeckt“, sagte Pampel-Jabrane. Allerdings sei der Laster mit einer Zollplombe von der Einreise in die EU an der Grenze zu Litauen verschlossen gewesen. „Die Kollegen entschieden sich, den Lkw intensiv zu kontrollieren.“

          Der Frachtraum wurde geöffnet, drinnen waren viele Dutzend Pappkartons gestapelt, die jeweils sechs kleinere Kartons und Behälter enthielten, die mit „Turkish Delights“ (englisch etwa: türkisches Vergnügen, auch der Name einer Süßigkeit) oder „Helva“ (türkischer Name für Halva, eine Süßwarenspezialität) beschriftet waren. Der Zollfahndungs-Chef sprach von „türkischem Honig“.

          Er erklärte: „Es stellte sich heraus, dass unter den Kartons 532 Kartons nicht mit Helva, sondern Heroin gefüllt waren. Jeweils 1 bis 1,3 Kilogramm Heroin.“ Die Untersuchungen des Lkws und der Fracht dauerten den ganzen Tag bis zum Abend.

          Paletten voller Kartons mit türkischen Honig, in dem sich das versteckte Heroin befand.

          Laut den Papieren sei der Lkw mit einem georgischen Kennzeichen aus Kirgistan über Kasachstan, Russland, Weißrussland, Litauen und Polen nach Deutschland gefahren. Die Zollexperten sprachen von der „Nordroute“ im Gegensatz zu der früher meist üblichen Strecke der Drogenschmuggler über die Balkanländer.

          Der Zielort sei eine Firmenadresse in Belgien, die sich als Tarnadresse herausstellte, sagte Pampel-Jabrane. Der Fahrer sei ein 63 Jahre alter Türke gewesen. Er sitzt mittlerweile in Untersuchungshaft wegen des Verdachts der Einfuhr von Drogen in größerer Menge.

          Der Leitende Zollfahnder Henner Grote sagte, das BKA habe das Heroin untersucht und einen Reinheitsgehalt von 53 Prozent festgestellt. Bis zum Verkauf auf der Straße werde das Rauschgift üblicherweise weiter gestreckt und hätte dann einen Reinheitsgehalt von 12 bis 20 Prozent. Die 670 Kilogramm hätten 2 Millionen sogenannte Konsumeinheiten ergeben.„Der Straßenverkaufspreis liegt so bei etwa 40 bis 50 Millionen Euro.“ Das Heroin war vermutlich für den Verkauf in verschiedenen Ländern innerhalb der EU gedacht.

          Nun stünden intensive Ermittlungen an, um die weiteren Hintergründe zu klären, sagte Grote. Dazu sei Kontakt in die Niederlande aufgenommen worden. Auch deswegen sei der Fund erst jetzt bekanntgegeben worden. Zu den Hinterleuten aus der organisierten Kriminalität „können wir derzeit noch keine weiteren Informationen geben“. Mit diesem Rekordfund sei „dem Markt eine große Menge entzogen worden“, betonten die Zollfahnder. Wie sich das auswirke, stehe aber noch nicht fest.

          2014 war Ermittlern in Nordrhein-Westfalen ein Heroinfund von 330 Kilogramm geglückt. Noch größere Mengen werden oft von Kokain gefunden, weil diese Droge aus Südamerika mit Schiffen in Containern versteckt in Europa ankommt.

          Weitere Themen

          Es wird wieder heiß in Deutschland

          Bis zu 37 Grad : Es wird wieder heiß in Deutschland

          Der Deutsche Wetterdienst rechnet in der kommenden Woche mit einer mehrtägigen Hitzeperiode. Es kann bis zu 37 Grad heiß werden – auch „Tropennächte“ sind wahrscheinlich.

          „Das ist ein falsches Signal“

          Kritik an Lügde-Urteil : „Das ist ein falsches Signal“

          Die Bewährungsstrafe für einen Mittäter beim Kindesmissbrauch von Lügde stößt auf Widerspruch. Die Staatsanwaltschaft stellt einen Antrag auf Revision. Der nordrhein-westfälische Familienminister sieht eine Lücke im Strafrecht.

          Topmeldungen

          Boris Johnson am Mittwoch in London

          Parlament gegen Johnson : Aufstand gegen den No-Deal-Brexit

          Noch ist Boris Johnson nicht Premierminister. Aber er spielt schon öffentlich mit dem Gedanken an einen Austritt ohne Abkommen. Jetzt reagiert das Parlament – und macht ihm eine solche Lösung durch einen Trick schwerer.
          Erntete zuletzt mehrfach Kritik für seine Äußerungen auf Twitter: Uwe Junge

          Äußerungen von Uwe Junge : Kein Interesse an Mäßigung

          Für gemäßigte Aussagen ist Uwe Junge definitiv nicht bekannt. Im Gegenteil: Er nutzt die Sozialen Netzwerke regelmäßig, um unter seinen Anhängern Stimmung zu machen – mit Erfolg.
          Außenminister Heiko Mass (links) und sein russischer Amtskollege Sergej Lawrow unterhalten sich vor Beginn des Petersburger Dialogs in Königswinter.

          „Petersburger Dialog“ : Maas nähert sich an – Lawrow teilt aus

          Laut Außenminister Maas könnten die dringenden Fragen der Weltpolitik nur mit Russland angegangen werden. Sein russischer Amtskollege wirft Deutschland hingegen vor, sich an „einer aggressiven antirussischen Politik“ zu beteiligen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.