https://www.faz.net/-gum-6jxml

Zeuge im Mordprozess : Niemand half Dominik Brunner

  • Aktualisiert am

Der Angeklagte Sebastian L. mit seinen Verteidigern Bild: ddp

Als die beiden jugendlichen Täter auf den Manager Dominik Brunner einschlugen, hat nach Aussagen eines Schülers niemand geholfen. Im Gerichtssaal kämpft der 16 Jahre alte Zeuge immer wieder mit den Tränen.

          Bei der tödlichen Attacke zweier Jugendlicher auf den Manager Dominik Brunner hat nach Aussage eines Zeugen niemand dem Opfer geholfen. Er habe am Münchner S-Bahnhof Solln Passanten angeschrien, dass sie helfen sollten, berichtete der 16-jährige Schüler Marcel L. am Donnerstag vor dem Landgericht München I. „Sie haben nichts gemacht, nur gesagt, dass sie aufhören sollen“, beschrieb der Zeuge die Reaktion der Umstehenden. Der 16-Jährige gehörte zu den vier Schülern, die Brunner vor den beiden Angeklagten - Sebastian L. (18) und Markus S. (19) - schützen wollte. Die beiden müssen sich wegen Mordes vor einer Jugendkammer verantworten.

          Andere Passanten seien wortlos einfach weitergegangen, sagte der Schüler. Auch der S-Bahnfahrer habe nicht auf die Schlägerei reagiert. „Er hat alles gesehen, aber er ist einfach weitergefahren“, sagte der 16-Jährige mit Tränen in den Augen und stockender Stimme. „Wenn der vielleicht was gemacht hätte, wäre es vielleicht anders gelaufen.“

          Brunner bot seine Hilfe an und alarmierte die Polizei

          Die Schüler waren von den beiden Angeklagten im September des vergangenen Jahres bedroht worden und Brunner hatte sich schützend vor sie gestellt. Der Manager war dann von den beiden Angeklagten mit Tritten und Schlägen tödlich verletzt worden. Sie selbst haben den Angriff zugegeben, aber jede Tötungsabsicht bestritten.

          Auch zehn Monate nach dem schrecklichen Vorfall nimmt das Geschehen den 16-jährigen Marcel L. noch schwer mit. Immer wieder hat er Tränen in den Augen, die Stimme versagt ihm. Richter Reinhold Baier unterbricht die Vernehmung. „Sie sind schon wieder an einem Punkt, wo sie zittern, mit den Tränen kämpfen“, sagt Baier später noch einmal fürsorglich. Doch Marcel L. will keine weitere Pause. „Es geht schon“, sagt er.
          Er und seine Freunde seien am S-Bahnhof Donnersberger Brücke von den Angeklagten und einem weiteren Jugendlichen bedroht worden, schildert er den Beginn der Streiterei. Sie hätten Geld verlangt und ihn und seinen Freund Richard M. (15) geschlagen. „Der Ton wurde immer aggressiver.“ Als ihnen die beiden Angeklagten in die S-Bahn folgten, habe Brunner seine Hilfe angeboten und die Polizei alarmiert.

          Die Täter gingen gemeinsam auf Brunner los

          Nach dem Aussteigen am S-Bahnhof Solln seien die Täter ihnen gefolgt. „Ihr wollts nicht anders“, habe Brunner gesagt und sei den beiden entgegengegangen. „Ich habe schon gedacht, dass er irgendwas tut, weil er ihnen entgegengegangen ist“, sagte der Schüler. Dann habe Brunner Markus S. ins Gesicht geschlagen, der daraufhin „total ausgeflippt“ sei.

          Markus S. und Sebastian L. seien dann zusammen auf den Manager losgegangen und hätten auch noch auf Brunner eingeschlagen, als dieser auf dem Boden lag.

          Zeugenaussagen widersprechen sich

          Richard M., ein anderer der Schüler, hatte am Mittwoch dagegen ausgesagt, Brunner habe seiner Auffassung nach zugeschlagen, um sich zu wehren. Die Angeklagten hätten Schläge angekündigt und seien auf den 50-Jährigen zugegangen, während dieser gestanden habe. Es sei klar gewesen, dass gleich etwas passieren werde.

          Die von Richard M. erzählte Version, dass Brunner zugeschlagen habe, um einen Angriff abzuwehren, entspricht der Auffassung der Staatsanwaltschaft. Die Angeklagten schoben den Ausgang des Kampfes am ersten Prozesstag dagegen Brunner zu und beteuerten, sie hätten ihn eigentlich ursprünglich nicht angreifen wollen, die Situation sei dann erst nach dem ersten Schlag eskaliert.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Klopp beim FC Liverpool : Kurz vor der Königsweihe

          Jürgen Klopp hat mit Liverpool die Champions League gewonnen, die Fans aber sehnen seit beinahe dreißig Jahren die Meisterschaft herbei. Sie wollen nicht mehr warten.
          Oktober 2018: Polizisten drängen mehrere Demonstranten gegen den Landesparteitag der AfD Niedersachsen in Oldenburg ab (Symbolbild)

          Opferbefragung : Studie: Deutlich mehr Fälle von Polizeigewalt

          Bei Demonstrationen und Fußballspielen kommt es offenbar besonders oft zu Eskalationen: Eine Studie der Universität Bochum legt nahe, dass Polizisten deutlich häufiger als bisher gedacht ungerechtfertigte Gewalt anwenden.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.