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Wut auf Weinsteins Äußerungen : „Er hat sich alles genommen und nichts verdient“

  • Aktualisiert am

Rose McGowan gehört zu Weinsteins Anklägerinnen – jetzt reagierte sie mit 22 weiteren Frauen auf seine Behauptung, ein „Pionier“ der Frauenförderung zu sein. Bild: AP

Der mutmaßliche Sexualstraftäter Harvey Weinstein behauptet in einem Interview, er sei ein „Pionier“ der Frauenförderung. Die Reaktionen lassen nicht lange auf sich warten.

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          Der wegen Sexualverbrechen angeklagte Harvey Weinstein hat mit der Aussage, er sei Vorreiter bei der Frauenförderung in Hollywood gewesen, wütende Reaktionen provoziert. In einem Interview mit der „New York Post“ sagte der ehemalige Filmproduzent wenige Wochen vor seinem Prozess, er habe mehr Filme von Frauen und über Frauen produziert als jeder andere Produzent vor ihm.

          Dies habe er nicht erst getan, als Frauenförderung „in Mode“ gekommen sei, sondern schon vor 30 Jahren, sagte Weinstein dem Boulevardblatt. „Ich war der Erste. Ich war der Pionier.“ Er habe den Eindruck, dass seine Arbeit „vergessen“ worden sei. „Ich will, dass diese Stadt anerkennt, wer ich gewesen bin und nicht, zu wem ich geworden bin.“

          Die Antwort auf die Äußerungen des einstigen Hollywood-Moguls ließ nicht lange auf sich warten. 23 Frauen, die Weinstein sexuellen Missbrauch vorwerfen, verurteilten Weinsteins Behauptungen am Montag als einen Versuch, die öffentliche Meinung zu manipulieren. Der 67 Jahre alte Weinstein werde mit Sicherheit nicht vergessen, sondern als reueloser Sexualstraftäter in Erinnerung bleiben, „der sich alles genommen hat und der nichts verdient“, schrieben die Frauen, unter ihnen die Schauspielerinnen Rosanna Arquette, Ashley Judd und Rose McGowan. „Wir werden nicht zulassen, dass dieser Straftäter sein Vermächtnis des Missbrauchs umschreibt.“ Das Statement der 23 Frauen veröffentlichte die Organisation „Time's Up“ am Montag auf ihrem Twitter-Account.

          Der Rechtsanwalt Douglas Wigdor, der mutmaßliche Weinstein-Opfer vertritt, erklärte, die Interview-Aussagen würden zeigen, dass die Taten des einstigen Filmproduzenten weiter von der Justiz aufgearbeitet werden müssten.

          Weinstein wird von dutzenden Frauen sexueller Missbrauch vorgeworfen. In New York soll im Januar ein Prozess gegen ihn beginnen. In dem Hauptverfahren werden ihm eine Vergewaltigung im Jahr 2013 und erzwungener Oralverkehr im Jahr 2006 zur Last gelegt. Bei einer Verurteilung droht Weinstein lebenslange Haft.

          In anderen Fällen schloss Weinstein vergangene Woche eine Grundsatzvereinbarung über Entschädigungszahlungen an mehr als 30 Frauen, die ihm sexuelle Gewalttaten vorwerfen. Für die 25 Millionen Dollar (rund 22,5 Millionen Euro) soll Weinstein einem Medienbericht zufolge aber nicht selbst aufkommen, sondern die Versicherung seiner inzwischen bankrotten Produktionsfirma The Weinstein Company.

          Weinstein selbst hat die Vorwürfe gegen sich stets zurückgewiesen. Er spricht von einvernehmlichen sexuellen Kontakten. Die Vorwürfe gegen Weinstein hatten zur weltweiten #MeToo-Kampagne gegen sexuelle Übergriffe und gegen Gewalt an Frauen geführt.

          Zu den konkreten Vorwürfen wollte sich Weinstein in seinem Interview gegenüber der New York Post dann allerdings nicht äußern. In dem Artikel ist die Rede davon, dass er mehrfach damit gedroht habe, das Gespräch abzubrechen, sollten ihm Fragen dazu gestellt werden. Geführt wurde das Interview in einem Krankenhaus, nachdem sich Weinstein vergangene Woche einer Operation am Rücken unterzogen hatte.

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