https://www.faz.net/-gum-9nf4i

88 Tage Gefangenschaft : Lebenslange Haft für den Entführer von Jayme Closs

  • -Aktualisiert am

Der Sheriff von Barron County, Chris Fitzgerald, spricht nach dem Urteil zu den Medien. Bild: AP

Im vergangenen Oktober tötete er ihre Eltern und entführte die Dreizehnjährige. Nach drei Monaten gelang Jayme die Flucht – der Täter wurde nun wegen Doppelmords und Entführung verurteilt.

          2 Min.

          Was Jayme Closs fast drei Monate lang in der Hütte in einem Waldstück bei Gordon im amerikanischen Bundesstaat Wisconsin durchmachte, bleibt wohl für immer ein Geheimnis. Ihr Entführer Jake Patterson, der die Eltern der Dreizehnjährigen vor deren Augen erschossen hatte, wurde jetzt zu lebenslanger Haft verurteilt.

          Schon als die Polizei den Zweiundzwanzigjährigen im Januar auf der Straße anhielt, gab er den Doppelmord an James und Denise Closs sowie die Entführung ihrer Tochter ungefragt zu. Minuten zuvor hatte sich Jayme aus der Waldhütte befreit, die 88 Tage lang ihr Gefängnis war. Patterson hatte das Mädchen unter das Bett gezwungen, bevor er das Haus verließ. Wie gewohnt umstellte er es mit Gewichten und Möbeln, um Jaymes Flucht zu verhindern.

          Doch es gelang ihr, die Gewichte beiseitezuschieben. In den Schuhen ihres Entführers lief sie durch den Schnee, bis sie eine Spaziergängerin traf: „Ich bin Jayme, ich brauche Hilfe.“ Die Spaziergängerin erkannte das Mädchen mit den dunkelblonden langen Haaren sofort.

          Eine Nacht des Grauens

          Nachdem Patterson die Familie Closs am 15. Oktober 2018 im etwa 100 Kilometer entfernten Ort Barron überfallen hatte, zeigten amerikanische Nachrichtensender wochenlang Jaymes Foto. Doch die Suche nach dem Mädchen in den Wäldern der ländlichen Region war trotz Hunderter Hinweise vergebens geblieben.

          Pattersons Motiv gibt den Beamten Rätsel auf. Der schüchterne Absolvent einer Highschool in Minong sagte bei der Polizei aus, Jayme zufällig ausgewählt zu haben. Er hatte sie beim Aussteigen aus dem Schulbus beobachtet und beschloss, sie zu entführen. Mit Flinte und schwarzer Skimaske fuhr er nachts zweimal zum Haus der Familie. Als er vor der Garage mehrere Autos sah, drehte er um.

          Erst beim dritten Versuch stieg er aus. Während Patterson Jaymes Vater an der Haustür erschoss, versteckten sich Jayme und ihre Mutter in der Badewanne. Bevor der Täter Denise Closs vor den Augen ihrer Tochter tötete, setzte sie einen Notruf ab. Als Patterson mit der gefesselten Jayme im Kofferraum flüchtete, kamen ihm Streifenwagen entgegen. Dennoch gelang es ihm, Jayme unbemerkt in seine Hütte nach Gordon zu bringen.

          Closs gibt sich tapfer

          Wie Patterson einem Journalisten aus der Haft schrieb, habe er sich mit der Dreizehnjährigen 88 Tage lang bei Brettspielen und gemeinsamem Kochen unterhalten. Zu dem Verdacht des sexuellen Missbrauchs schwiegen er und auch die Staatsanwälte. Bei der Strafmaßverkündung ließ Jayme Closs jetzt einen Brief verlesen: „Jake Patterson hat mir vieles genommen, das ich geliebt habe. Es gibt aber einiges, das er mir nie nehmen kann. Er dachte, er könne mich besitzen. Aber er hat sich geirrt.“

          Weitere Themen

          Gold oder Leben

          Volk der Yanomami bedroht : Gold oder Leben

          In Brasilien bedrohen Goldgräber und Rauschgiftbanden das Volk der Yanomami. Laut eines Bundesgerichts müsste der Staat die Eindringlinge entfernen – doch bisher ignorierte die Regierung das Urteil.

          Topmeldungen

          Die Zahl der Internet-Attacken nimmt zu.

          Cyber-Kriminalität : Im Netz der kaltblütigen Erpresser

          Hacker dringen mit ihren Angriffen in immer sensiblere Bereiche vor. Sie nehmen Daten als Geisel und Tote in Kauf. Treffen kann es jeden.
          Ministerpräsident Netanjahu am Donnerstag mit israelischen Grenzpolizisten in Lod

          Profiteur der Gaza-Eskalation : Netanjahus politische Rückkehr

          Netanjahu war wegen des Korruptionsprozesses und mehrfach gescheiterter Koalitionsbildungen politisch in Bedrängnis. Dass der Gaza-Konflikt jetzt wieder eskaliert ist, kommt dem israelischen Ministerpräsidenten zugute.

          Aufflammender Antisemitismus : Wer jetzt schweigt

          Gerade bezeugen wir wieder, dass viele „Israel-Kritiker“ den Nahostkonflikt nicht verstehen. Sie wollen nicht sehen, was die Hamas anrichtet. Und auf der Straße zeigt der Antisemitismus sein Gesicht.
          Impflinge haben nach ihrer Impfung gegen Corona ein Pflaster auf dem Oberarm.

          Inzidenz und Impfrekord : Ist das der Anfang vom Ende der Pandemie?

          Die Inzidenz sinkt bundesweit unter 100, die Zahl der Impfungen erreicht einen Rekordwert. Das stimmt selbst den Gesundheitsminister optimistisch. Doch Fachleute blicken schon auf eine weitere Variante des Virus.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.