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Studie zu Klimawandel und Gewalt : Ein Grad heißer und sechs Prozent mehr Morde

  • -Aktualisiert am

Werden Menschen aggressiver, wenn die Temperaturen steigen? (Archivbild) Bild: Getty

Werden die Menschen bei großer Hitze aggressiver und gewalttätiger? Eine neue Studie hat das untersucht.

          2 Min.

          Wenn es besonders warm ist, werden manche Menschen schneller aggressiv. Was steckt dahinter? Dieser Frage sind amerikanische Forscher nachgegangen, die für eine Studie den Zusammenhang zwischen Klimawandel und steigender Gewaltbereitschaft untersucht haben. Craig Anderson, Psychologieprofessor und Gewaltforscher der Iowa State University, wertet seit vielen Jahren die Kriminalitätsstatistiken aus und setzt sie in Verbindung zu den Temperaturmessungen.

          Ein Aufsatz, den Anderson unlängst gemeinsam mit dem Psychologen Andreas Miles-Novelo verfasste, kommt zu dem Ergebnis, dass sich Menschen bei höheren Temperaturen reizbarer und aggressiver zeigen, was zu Gewalt führen kann. Mit jedem Grad, um das sich die Temperatur aufgrund der Klimaerwärmung erhöhe, könnten selbst die Mordraten um sechs Prozent zunehmen.  In der Auswertung für die Vereinigten Staaten prognostiziert die Studie, dass mit einer Temperaturzunahme von nur einem Grad Celsius gut 25.000 mehr Fälle von schweren bis hin zu tödlichen Angriffen auftreten. Die Psychologen ziehen des Weiteren Rückschlüsse zwischen den Auswirkungen einer Klimaerwärmung auf die Nahrungsmittelproduktion und damit verbundener Arbeitslosigkeit und neuer Migrationsströme.

          Gewalt muss nicht sein

          Sind Gewalttaten während Hitzewellen programmiert? „Ich halte nichts von diesen Prognosen zu mehr Morden durch Hitze“, sagt Ralph Schliewenz vom Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen. In Experimenten hätten Probanden oft allein durch den Aufbau der Studie keine andere Option, als auf die höheren Temperaturen gewalttätig zu reagieren. Die Realität sei da komplexer. Es gebe immer Möglichkeiten, damit umzugehen, sagt Schliewenz.

          Doch was macht uns überhaupt aggressiv? Wenn wir unsere Gefühle nicht regulieren, dann erzeugt das Aggressivität. Das sei bei allen Menschen gleich, unabhängig von der Temperatur. „Wenn mich das Wetter nervt, dann habe ich ein emotionales Problem und muss dafür eine Lösung finden“, erklärt Schliewenz. Doch um diesen Zustand zu regulieren, gibt es nicht nur die Möglichkeit, Gewalt anzuwenden. Schliewenz sieht vor allem den Aufbau solcher Studien kritisch: „Wenn man den Menschen nur die Möglichkeit von Gewalt als Regulation bietet, dann wird mit gesteigerter Temperatur auch mehr Gewalt angewendet.“ Das sei jedoch kein Nachweis dafür, dass Hitze gewalttätig macht.

          Wissenschaftlern ist bewusst, dass Gewalt während Hitzephasen auch damit zusammenhängt, dass Menschen im Sommer mehr draußen sind – und in Gesellschaft Alkohol fließt. Schon dadurch entstehen mehr Streitgelegenheiten. Wenn die Hemmschwelle sinke, dann sei man nicht mehr so kontrolliert. Doch auch bei dem Thema Alkohol und Gewalt müsse man vorsichtig sein. Es gebe bei vielen Themen Zusammenhänge, aber deshalb kann man sie nicht unbedingt damit begründen.

          Schliewenz macht sich keine Sorgen, dass es aufgrund des Klimawandels in Zukunft deutlich mehr Morde gebe. Menschen seien in der Lage, Probleme zu lösen und sich an die Situation anzupassen. Wenn wir uns aggressiv fühlen, dann sollen wir nachdenken und uns dem Problem stellen, appelliert er. Gewalt sei jedoch keine Lösung.

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