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Kriminalstatistik : Mehr Polizeipräsenz schreckt Einbrecher ab

Eine aussterbende Art? Zumindest werden sie weniger – die Einbrecher. Bild: dpa

Die Zahl der Wohnungseinbrüche geht zurück – nachdem sie jahrelang stetig gewachsen war. Eine erfreuliche Entwicklung. Die Polizei nennt mehrere Ursachen.

          Niemand hat gerne die Polizei im Haus. Doch wenn sie einen Besuch schon mal freiwillig anbietet, wie die Beratung über „technische Präventionen“, um Einbrüche zu vermeiden, sollte man das wahrnehmen. Mit viel Zeit kommen eigens geschulte Polizisten ins Haus, begutachten kostenfrei Haustürschlösser, Balkontüren und Fensterverriegelungen. Sie empfehlen Sicherheitsschlösser oder Querriegel, geben Tipps zu Zeitschaltern für Innen- und Außenbeleuchtung und informieren über zertifizierte Schlosserei-Betriebe. Denn professionelle Einbrecher erkennen sofort, ob ein Türschloss in Sekunden herauszudrehen ist oder ob man mehr Zeit und spezielles Werkzeug zum Aufbrechen braucht – was oft abschreckend wirkt.

          Karin Truscheit

          Redakteurin im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          Die zunehmende technische Aufrüstung von Wohnungen und Häusern, die zum Teil von der Kreditanstalt für Wiederaufbau bezuschusst wird, ist ein Faktor von vielen, warum die Zahl der Wohnungseinbrüche in Deutschland nach Jahren erstmals zurückgeht: Um 9,5 Prozent hat die Zahl der Einbrüche 2016 im Vergleich zum Vorjahr abgenommen. 151.265 Fälle waren es 2016. Im Jahr 2015 waren es noch 167.136 Fälle gewesen.

          24.157 Personen und Fahrzeuge kontrolliert, 49 Personen festgenommen

          In Bayern, wo nach Angaben von Innenminister Joachim Herrmann (CSU) das Einbruchsrisiko „deutschlandweit gesehen am niedrigsten ist“, konnte schon 2015 ein Rückgang der Einbruchszahlen um knapp neun Prozent auf 7480 Delikte verzeichnet werden. Die Zahl der Einbrüche hat nun 2016 in Bayern zwar kaum weiter abgenommen. Als Erfolg will Herrmann das aber trotzdem verstanden wissen. Man habe das Niveau von 2015 auch 2016 mit insgesamt 7470 Wohnungseinbrüchen „stabilisieren“ können. Die Häufigkeitszahl lag demnach bei rund 58 Einbrüchen pro 100.000 Einwohnern. In Nordrhein-Westfalen liege das Risiko rund fünfmal höher.

          Die positive Entwicklung in Deutschland führt die Polizei auf ein Bündel von Aktionen zurück. Neben den technischen Vorkehrungen gehört vor allem auch die verstärkte Strafverfolgung dazu. In Bayern werden besonders die starke Polizeipräsenz und länderübergreifende Schwerpunktkontrollen gegen Einbrecherbanden hervorgehoben. Bei diesen Aktionen arbeiten mehrere Bundesländer zusammen und kontrollieren Autobahnen und Ausweichrouten. Im März haben bayerische Fahnder dabei zusammen mit Kräften aus Baden-Württemberg, Hessen und Rheinland-Pfalz insgesamt 24.157 Personen und Fahrzeuge kontrolliert, 49 Personen wurden festgenommen. Zwar nahm die Polizei nicht unbedingt nur Einbrecher fest, doch der Fahndungsdruck wird auf diese Weise verstärkt.

          Spezielle Prognosesoftware „Precobs“

          Einen ähnlichen Effekt soll die Polizeipräsenz in den Straßen haben, auf die Großstädte wie München setzen, auch wenn die Polizei dort für 2016 wieder einen Anstieg der Einbruchszahlen verzeichnet: Mit 1540 Fällen ist das eine Zunahme um neun Prozent gegenüber der Zahl der Wohnungseinbrüche von 2015. Einbrüche bleiben somit auch für die Polizei in München weiterhin „Tagesthema“, doch es wird hervorgehoben, dass die Zahl immer noch weit unter der Rekordzahl von 1827 Fällen im Jahr 2014 liegt.

          Mit der Sichtbarkeit von Streifenwagen und uniformierten Polizisten, aber auch durch den flexiblen Einsatz von zivilen Kräften will man im besten Falle Täter auf frischer Tat fassen und generell die Banden verunsichern. Die spezielle Prognosesoftware „Precobs“ soll den Ermittlern zudem dabei helfen, in bestimmten Stadtgebieten Einbrüche nach unterschiedlichen Kriterien zu kategorisieren. Dazu gehört zum Beispiel, ob die Balkontür aufgehebelt oder aufgebrochen wurde und welche Beute gemacht wurde. So kann auf statistischer Grundlage eingeschätzt werden, wo Brennpunkte entstehen, wo wahrscheinlich als Nächstes eingebrochen wird – und wo die Polizei präsent sein sollte.

          Die wichtigste kriminologische Grundlage von Precobs ist dabei die Theorie des „near repeat“, die auf kriminologischer Forschung und Vernehmungen professioneller Einbrecher fußt: Wo es einmal geglückt ist, wird der Täter es vermutlich wieder versuchen.

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