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Aufkleber auf Blattgold : Vandalismus auf der Zugspitze

Im April: Wartungsarbeiten Bild: dpa

Auf der Zugspitze wird das Gipfelkreuz verschandelt: Touristen kleben mitgebrachte Sticker auf das Wahrzeichen. Auch eine Überwachungskamera hält sie nicht davon ab.

          2 Min.

          Heftige Sturmböen haben im März dem goldenen Kreuz auf der Zugspitze arg zugesetzt. Der untere rechte von vier Dreizacken wurde einfach weggeblasen. Er fand sich im Schnee des Gipfels. Seit Mitte April glänzt der Kranz hoch oben auf 2962 Metern wieder in voller Pracht. Aber das am stärksten exponierte deutsche Wahrzeichen muss nicht nur das Wetter fürchten.

          Rüdiger Köhn
          Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in München.

          Vor eineinhalb Jahren war das fünf Meter hohe Gipfelsymbol ganz abmontiert und per Hubschrauber ins Tal geflogen worden, nachdem ein Baukran es beschädigt hatte. Rechtzeitig zur Inbetriebnahme der neuen Seilbahn und der neuen Bergstation erstrahlte das Kreuz im Dezember 2017 wieder an seinem Standort auf Deutschlands höchstem Punkt – restauriert und mit Blattgold veredelt.

          „Es ist ein Teufelskreis“

          Ist der Schnee geschmolzen und der Weg an die Bergspitze frei, muss das Gipfelkreuz aber Bergsteiger und Touristen hinnehmen. Sie meinen, sich mit eigens mitgebrachten Aufklebern verewigen zu müssen – wenn den Kletterern der mühselige Anstieg über die Höllentalklamm oder über die Alpspitze bis zum Gipfelgrat gelungen ist oder wenn die Schaulustigen den kurzen steilen Weg von der Bergstation hinauf gekraxelt sind.

          Der Schaft des Kreuzes ist voll von Aufklebern. In geradezu halsbrecherischen Übungen werden die letzten noch freien Flecken besetzt, um möglichst nah an die goldene Kugel heranzukommen, auch wenn sie dort oben kaum noch zu lesen sind. Denn weiter unten ist mittlerweile kein Platz mehr für runde, quadratische oder rechteckige Embleme. Überklebt werden natürlich die anderen Aufkleber nicht – so viel Rücksicht muss immerhin sein.

          Auch wenn eine Webcam auf das Gipfelkreuz gerichtet ist – die Täter lassen sich nicht abschrecken. Rein rechtlich gesehen handelt es sich um die Beschädigung fremden Eigentums. Die Bayerische Zugspitzbahn Bergbahn AG als Betreiber muss hilflos zusehen, wie ein historisches Symbol verschandelt wird.

          1993 ersetzte ein neues Kreuz das erste, das 1851 aufgestellt worden war. Schon bei der Restaurierung 2017 war die Kunstschmiede Franz Würzinger aus Eschenlohe damit beschäftigt, die Hinterlassenschaften zu entfernen. Vom Gold war schon damals nicht mehr viel zu sehen.

          Ohne weiteres lassen sich die Aufkleber nicht beseitigen. Würden sie nämlich abgezogen, würde das mit empfindlichem Blattgold versehene Kreuz in Mitleidenschaft gezogen. Nur mit hohen Kosten und großem logistischen Aufwand ließe sich der Schaden beseitigen. Es gebe auch keine technischen Lösungen, um derlei Angriffe abzuwehren. „Ehrlich gesagt haben wir resigniert und müssen zuschauen, wie respektlos mit dem Gipfelkreuz umgegangen wird“, sagt eine BZB-Sprecherin. „Denn innerhalb kürzester Zeit würde es nach der Reparatur wieder vollgeklebt sein; es ist ein Teufelskreis.“

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