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Mordprozess gegen Robert Durst : Der Unglücksbringer

  • -Aktualisiert am

Vor Gericht: Robert Durst bei den Eröffnungsplädoyers am Mittwoch Bild: Reuters

In Los Angeles hat der aufsehenerregende Mordprozess gegen Robert Durst begonnen. Sein Anwalt zieht auch im zweiten Mordprozess gegen den Immobilienerben alle Register.

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          Ohne den Anruf bei Filmemacher Andrew Jarecki wäre Robert Durst die Anklagebank wohl erspart geblieben. Der Sechsundsiebzigjährige, Sohn des New Yorker Immobilienmoguls Seymour Durst, griff 2010 zum Telefonhörer, als er Jareckis Filmdrama „All Good Things“ mit Ryan Gosling und Kirsten Dunst gesehen hatte. „Ich habe dreimal dabei geweint. Ich möchte reden“, ließ Durst den Regisseur damals wissen.

          Jarecki und der Produzent Marc Smerling hatten für ihr Drehbuch die Lebensgeschichte des Immobilienerben aufbereitet: Wie Durst, im Film David Marks genannt, als Sohn wohlhabender Eltern an der Ostküste aufwuchs, sich in eine junge Frau aus einfachen Verhältnissen verliebte und mit ihr in einer Kleinstadt einen Lebensmittelladen eröffnete, bevor sie unter rätselhaften Umständen verschwand und er verdächtigt wurde, sie ermordet zu haben. Jarecki sagte später in einem Interview, Dursts Anwalt Dick DeGuerin habe damals davon abgeraten, sich mit dem Filmemacher zu treffen. Trotz der Warnungen sprach der Immobilienerbe aber in den nächsten Jahren mehrmals mit Jarecki über das Verschwinden seiner Ehefrau Kathleen im Januar 1982, den mysteriösen Mord an seiner Bekannten Susan Berman Ende 2000 und den Tod eines Nachbarn in Texas einige Monate später.

          „Was zum Teufel ich getan habe? Sie alle umgebracht natürlich“

          Jarecki nahm diese Gespräche für eine Fernsehdokumentation mit dem Titel „The Jinx – Der Unglücksbringer“ auf. Ein Mikrofon, das dabei noch eingeschaltet war, ohne dass Durst dies offenbar bewusst war, führte im Jahr 2015 schließlich zu einer Mordanklage im Fall Berman. „Was zum Teufel ich getan habe? Sie alle umgebracht natürlich“, soll Durst geflüstert haben, als er während der Dreharbeiten zur Toilette ging und das Mikrofon unbemerkt weiterlief.

          Der Mitschnitt des angeblichen Geständnisses gehörte am Mittwoch zu den Aufnahmen, die der stellvertretende Bezirksstaatsanwalt John Lewin im Mordprozess gegen Durst den Geschworenen in Los Angeles vorspielte. Durst, so die Anklage am ersten Tag der Eröffnungsplädoyers, soll seine frühere Studienfreundin Berman in ihrem Haus in Beverly Hills mit einem Kopfschuss getötet haben. Angeblich hatte die Tochter des Gangsters David „Davie the Jew“ Berman ihm geholfen, das Verschwinden seiner Ehefrau Kathleen McCormack zu vertuschen. McCormacks Leichnam wurde nie gefunden. Kurz vor ihrem Tod soll Berman der Staatsanwaltschaft aber signalisiert haben, doch gegen Durst auszusagen. „Die Beweise werden zeigen, dass Susan ihren Mörder kannte. Sie ließ diesen Menschen in ihr Haus und drehte ihm den Rücken zu“, sagte Staatsanwalt Lewin.

          Robert Durst war im Frühjahr 2015, einen Tag vor der letzten Folge von „The Jinx“, verhaftet worden. „Durch Untersuchungen und zusätzliche Beweise, die in den vergangenen Monaten ans Licht gekommen sind, haben die Ermittler Robert Durst als die Person identifiziert, die für Frau Bermans Tod verantwortlich ist“, spielte das Los Angeles Police Department damals auf Jareckis Serie an.

          Eine Lüge zugegeben

          Dursts Verteidiger setzen derweil darauf, dass es keine Beweise wie DNA, Fingerabdrücke oder Tatwaffe gibt. „Unsere Strategie ist erstens, dass er es nicht war, und zweitens, dass die Staatsanwaltschaft nicht ohne begründeten Zweifel beweisen kann, dass er es war“, kündigte Verteidiger David Chesnoff vor einigen Monaten an. Chesnoff, der in der Vergangenheit schon schwierige Fälle wie den ehemaligen Boxweltmeister Mike Tyson, den Rapper Suge Knight und die Hells Angels vertrat, unterstützt in dem auf fünf Monate angelegten Strafprozess Dursts Hausanwalt DeGuerin. Der Jurist mit Faible für Cowboyhüte hatte dem New Yorker schon im Jahr 2003 zu einem spektakulären Freispruch verholfen. Durst, der nach Bermans Tod getarnt als taubstumme Frau in Texas lebte, wurde damals beschuldigt, seinen Nachbarn Morris Black ermordet und zerstückelt zu haben. DeGuerin gelang es trotz Schilderungen von abgetrennten Körperteilen und einem Blutbad, die Geschworenen von einer Notwehrtat seines Mandanten zu überzeugen.

          Dass DeGuerin auch im zweiten Mordprozess gegen Durst alle Register zieht, bewies er schon während des Eröffnungsplädoyers der Staatsanwaltschaft. Als Ankläger Lewin der Jury Szenen aus Jareckis „All Good Things“ zeigte, ging er in die Offensive. „Das ist unanständig. Alles, was Sie auf dem Bildschirm sehen, ist frei erfunden“, mahnte der Verteidiger. Falls die Geschworenen den Angeklagten dennoch schuldig sprechen, erwartet ihn lebenslange Haft.

          Einige Wochen vor dem lang erwarteten Prozess hatte Durst eine Lüge zugegeben. Nachdem er jahrelang geleugnet hatte, eine Notiz mit Bermans Adresse und dem Wort „Kadaver“ geschrieben zu haben, musste er eingestehen, der Verfasser des Vermerks zu sein. Nur der Täter, so die Anklage, habe gewusst, dass in dem unscheinbaren Haus in Beverly Hills Benedict Canyon ein Leichnam lag.

          Obwohl Durst vor dem Superior Court in Los Angeles lediglich wegen des Mordes an Berman angeklagt ist, wurde er am Mittwoch auch vom Verschwinden seiner Ehefrau McCormack eingeholt. Wie Staatsanwalt Lewin sagte, gebe es Hinweise, dass der Immobilienerbe den Leichnam der Medizinstudentin Anfang 1982 in dem Waldgebiet Pine Barrens bei New York vergraben habe. „Die Pine Barrens bestehen aus Sand. Sie gefrieren nicht. Wenn man mitten im Winter jemanden umbringt, braucht man sandigen Boden, um ihn zu vergraben“, stimmte der Ankläger die Geschworenen auf unerwartete Enthüllungen ein. „Bei der Mafia ist das Gebiet als idealer Friedhof bekannt.“

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