https://www.faz.net/-gum-9n8mu

Polizist gegen Gaffer : „Ich führe Sie zu einem toten Menschen“

  • Aktualisiert am

Bayerns Innenminister Joachim Herrmann lobte den Verkehrspolizisten: „Das Verhalten vieler Gaffer ist unverschämt und unverantwortlich.“ (Archivbild) Bild: dpa

Bei einem Unfall auf der Autobahn A 6 ist am Dienstag ein 47 Jahre alter Mann gestorben. Danach nahm ein Polizist Gaffer ins Gebet – und bot ihnen an, mit ihm näher an die Unfallstelle zu kommen, um die Leiche zu sehen.

          Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) hat einen Verkehrspolizisten für sein couragiertes Eingreifen gegen Schaulustige gelobt. „Das Verhalten vieler Gaffer ist unverschämt und unverantwortlich. Ich freue mich, dass der Polizeikollege das einigen Gaffern auch mal emotional nahegebracht hat“, schrieb Herrmann am Mittwoch auf seinem Facebook-Account.

          Nach einem tödlichen Lkw-Unfall auf der Autobahn A 6 war dem Leiter der Verkehrspolizei Feucht, Stefan Pfeiffer, der Kragen geplatzt. Er nahm Gaffer ins Gebet, die den Unfall mit dem Handy filmten, und bot ihnen an, mit ihm näher an die Unfallstelle zu kommen, um die Leiche zu sehen. Zu ihnen sagte er: „Sie wollen einen toten Menschen sehen? Ich führe Sie zu einem toten Menschen.“

          Einige Fahrer hätten beim Filmen der Unfallszene keine Hand mehr am Steuer gehabt, kritisierte der Beamte. Auf der Gegenfahrbahn habe sich deshalb ein acht Kilometer langer Stau gebildet. Pfeiffer filmte dann seinerseits die Schaulustigen, um möglicherweise gegen sie vorzugehen. Bei dem Unfall war am Dienstag ein 47-jähriger Mann gestorben, der mit seinem Sattelzug auf einen vorausfahrenden Lastwagen auffuhr.

          „Es ist erschreckend, wie wenig Empfinden die Leute haben“, sagte Pfeiffer dem Bayerischen Rundfunk. Einige der Gaffer verwarnte der Beamte zu 128,50 Euro Bußgeld und einem Punkt im Verkehrszentralregister. Einprägsamer für einige dürfte aber die unmittelbare Konfrontation mit dem Tod und ihrem Handeln gewesen sein, meinte der Beamte. „Erst das schockiert sie und macht ihnen klar, dass das kein Spiel ist, sondern bittere Realität. Sie müssen merken, was sie tun.“

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Klimapaket der Regierung : Worauf sich die Koalition geeinigt hat

          Die Spitzen der Koalition haben sich auf eine Klimastrategie geeinigt. Künftig müssen für CO2-Ausstoß Zertifikate gekauft werden, der Plan einer CO2-Steuer ist dafür vom Tisch. Für Bürger sollen im Gegenzug einige Entlastungen kommen.

          Verfassungsschutz bei Youtube : Humor gegen Dschihadismus

          Nordrhein-Westfalens Verfassungsschutz will den Salafismus dort bekämpfen, wo er bisher freie Hand hatte: in der Youtube-Welt der Jugend. Ein Satire- und ein Informationsformat klären über das Thema auf.
          Millionen Zuschauer wollen die Fußball-Nationalmannschaft spielen sehen. Doch auf welchem Sender können sie das künftig?

          Telekom kauft alle Live-Rechte : Fußball-EM 2024 erstmals ohne ARD und ZDF

          Die Telekom hat sich die Live-Rechte an allen 51 Spielen der Fußball-Europameisterschaft in Deutschland im Jahr 2024 gesichert. Das hat die F.A.Z. exklusiv erfahren. Damit gehen die Öffentlich-Rechtlichen Sender ARD und ZDF erstmals leer aus.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.