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Der neue Freund : Wie die Polizei einen Mörder nach zwölf Jahren fand

Bild: dpa

Nach zwölf Jahren hat ein verdeckter Ermittler den Durchbruch im Fall der verschwundenen Georgine Krüger in Berlin geschafft. Wie hat er das gemacht?

          Der mutmaßliche Mörder wohnte in unmittelbarer Nachbarschaft seines Opfers, keine hundert Meter entfernt. Doch die Polizei konnte ihn zwölf Jahre lang nicht finden. Erst ein verdeckter Ermittler brachte den Durchbruch in dem Fall der verschwundenen Georgine Krüger in Berlin. Am Dienstag wurde der 43 Jahre alte Deutschtürke Ali K. wegen Mordverdachts verhaftet. Er wird dringend verdächtigt, das damals 14 Jahre alte Mädchen im September 2006 in seinen Keller gelockt und dort getötet zu haben. Die Polizei hatte ihn nach der Tat als Zeugen befragt, er hatte ausgesagt, dass er das Mädchen nicht kenne.

          Markus Wehner

          Politischer Korrespondent in Berlin.

          Fast 300 Hinweise zu dem Fall hatte die Mordkommission bearbeitet, noch Jahre nach dem Verschwinden wurden spezielle Spürhunde eingesetzt, um Georgine zu finden. Irgendwann galt der Fall der Schülerin, die auf einem nur 200 Meter langen Nachhauseweg von einer Bushaltestelle verschwunden war, als „cold case“, als kalter Fall, in dem es keine Spur mehr gibt. Doch die Ermittler der Mordkommission gaben nicht auf. Als sie eine Sexualtäterdatei durchgingen, fiel ihnen ein Fall aus dem Jahr 2011 auf. Ali K. hatte damals ein 15 Jahre altes Mädchen in seinen Keller gelockt, indem er an dessen Hilfsbereitschaft appellierte, wie es von der Staatsanwaltschaft heißt. Dort hatte er sie begrapscht und geküsst, doch das Mädchen wehrte sich und konnte entkommen. Die Fünfzehnjährige zeigte den Mann an, er wurde 2012 zu einem Jahr und acht Monaten Haft verurteilt. Die Strafe wurde zur Bewährung ausgesetzt, weil Ali K. vermeintlich erstmals straffällig geworden war. Was das Gericht nicht wusste: Es war mutmaßlich eine Wiederholungstat. Denn genau so soll der Mann Georgine in den gleichen Keller gelockt haben.

          Die Ermittler waren nach der Entdeckung dieser Tat alarmiert. Funkzellendaten sprachen dafür, dass Ali K. der Täter sein könnte. Doch er musste noch überführt werden. Vor sechs Monaten tauchte ein Türke in der Nachbarschaft von Ali K. auf, er nannte sich Hakan D., war angeblich gerade aus Frankfurt am Main zugereist und mit einer deutschen Polizistin verheiratet. Er freundete sich mit Ali K. an, spielte regelmäßig mit ihm und seinen Freunden Karten in einem kleinen Café in der Nähe. Er ging auch bei Ali K. zu Hause ein und aus. Irgendwann vertraute Ali K. seinem neuen Freund die Tat an, schilderte sie in allen Details. Hakan D., der verdeckte Ermittler, konnte das Geständnis elektronisch aufzeichnen. Anfang der Woche verabschiedete er sich von seinen Kumpels im Café, er wolle wieder nach Westdeutschland ziehen. Am nächsten Tag nahm die Polizei Ali K. fest.

          Die Leiche des Mädchens aber bleibt verschwunden. Im März hatte ein anonymer Anrufer der Polizei einen angeblichen Ort genannt, an dem sie vergraben sei. Ein großes Waldstück in Brandenburg wurde daraufhin umgegraben, Spürhunde und eine Drohne eingesetzt, doch die Leiche nicht gefunden. Es gebe bisher keine Hinweise, dass Ali K. der anonyme Anrufer gewesen sei, heißt es von der Staatsanwaltschaft. Doch nach dem, was Ali K. dem verdeckten Ermittler gesagt haben soll, kann sie möglicherweise nie gefunden werden.

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