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Italien : Wie die Mafia von der Corona-Krise profitiert

Carabinieri in Rom (Symbolbild) Bild: Picture-Alliance

Der Polizei in Süditalien ist ein Schlag gegen drei Clans gelungen. Doch die Zeichen mehren sich, dass die organisierte Kriminalität von der Corona-Pandemie profitiert.

          2 Min.

          Im Rahmen der Operation „Piazza Pulita“ (Sauberer Platz) haben am frühen Mittwochmorgen in Süditalien mehr als 250 Carabinieri und Beamte der Finanzpolizei Razzien gegen drei Clans unternommen. Dabei wurden in den Regionen Molise, Kampanien, Apulien und Kalabrien 39 Verdächtige verhaftet oder unter Hausarrest gestellt. Bei München nahm ein Sondereinsatzkommando der bayerischen Polizei einen 33 Jahre alten Italiener fest, gegen den die Ermittler in Campobasso in Molise tags zuvor einen europäischen Haftbefehl erwirkt hatten. Der Mann sei im Keller eines Hotels widerstandslos festgesetzt worden, teilten die Behörden mit.

          Matthias Rüb

          Politischer Korrespondent für Italien, den Vatikan, Albanien und Malta mit Sitz in Rom.

          Nach Angaben italienischer Medien verdienten die ins Fadenkreuz genommenen Clans ihr Geld vor allem mit Rauschgifthandel in Kampanien und in Molise. Das Geld wurde anschließend durch Investitionen in legale Geschäftsaktivitäten gewaschen. Bei dem Zugriff wurden mehr als 60 Wohnungen und Geschäfte durchsucht und dabei zahlreiche Unterlagen beschlagnahmt.

          Derweil mehren sich die Anzeichen, dass das organisierte Verbrechen aus den Folgen der Corona-Pandemie systematisch Profit schlägt. Wie das Innenministerium in Rom mitteilte, ist die Zahl der Strafanzeigen wegen Wucherzins in den ersten drei Monaten des Jahres um fast zehn Prozent gestiegen. In diese Statistik haben die Monate April und Mai, in denen die Ausgangssperre und der „Shutdown“ fast der gesamten Wirtschaft ihre verheerende Wirkung auf die Lebensverhältnisse zumal im Süden des Landes erst voll entfaltet haben, noch keinen Eingang gefunden.

          Seit dem Beginn der Corona-Krise Anfang März hatten Politiker, Publizisten und Kirchenvertreter immer wieder vor der Gefahr gewarnt, dass die Mafia mit ihren gewaltigen Geldreserven notleidenden Familien und Unternehmern rasch mit Krediten aushelfen werde, um die Gläubiger damit gefügig und abhängig zu machen. Innenministerin Luciana Lamorgese hatte in mehreren Rundschreiben an die Polizeikommandeure und die Präfekten in den Regionen und Provinzen des Landes zu besonderer Wachsamkeit aufgerufen. Außerdem hatte sie die rasche Auszahlung der vom Staat versprochenen Finanzhilfen gefordert.

          Dennoch gibt es verbreitet Klagen, dass die zugesagten Zuschüsse und Kredite noch immer auf sich warten ließen. Der aus Neapel stammende Publizist und Schriftsteller Roberto Saviano schrieb in seiner Kolumne für die Zeitung „La Repubblica“, die Pandemie-Krise und das Versagen der Regierung, dieser angemessen zu begegnen, könnten zu einer wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Krise führen, deren Ausmaß noch niemand begreifen könne.

          Aus Palermo teilte die Finanzpolizei am Donnerstag mit, dass der Beauftragte der Region Sizilien für das Krisenmanagement in der Corona-Pandemie wegen des Verdachts der Bestechlichkeit unter Hausarrest gestellt wurde. Insgesamt erwirkten die Ermittler zwölf Haftbefehle gegen Beamte und Geschäftsleute im Zusammenhang mit der Vergabe von öffentlichen Aufträgen im öffentlichen Gesundheitswesen seit 2016. Die Ermittlungen bezogen sich auf die vergangenen vier Jahre, nicht konkret auf die jetzige Pandemie-Krise.

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