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Umstrittenes Internetforum : Wie brutal geht es auf „4Chan“ zu?

Das von der Polizei Bochum zur Verfügung gestellte Fahndungsfoto zeigt den dringend tatverdächtigen 19-jährigen Mann aus Herne. Bild: Polizei Bochum/dpa

Auf „4Chan.org“ herrscht Aufregung, seit dort immer wieder Informationen über den mutmaßlichen Mörder Marcel H. auftauchen. Die Seite ist für brutale Fotos bekannt. Was ist das für eine Plattform?

          Es gibt nicht viel, was man über die Nutzer des Forums „4Chan.org“ mit Sicherheit sagen kann, aber eines steht fest: Viele von ihnen haben momentan ihren Spaß. Unter einem Beitrag, den angeblich der flüchtige Marcel H. am Mittwochabend geschrieben hat, veröffentlichte ein User das Foto einer kleinen Katze und schrieb an „Mr. Policeman“:  „Hier ein Kätzchen. Die sind den ganzen Tag schon hier und müssen unsere ironischen Shitposts lesen.“ Auch andere Nutzer erheitert die Vorstellung an Polizisten, die jetzt „jeden Mist“ durchlesen und protokollieren müssten. Und natürlich bekommen auch die „überforderten Journalisten“ ihr Fett weg, „die Whatsapp für das Darknet halten“. „HALLO SPIEGEL, HALLO BILD, HALLO STERN“, schreibt ein Nutzer.

          Sebastian Eder

          Redakteur im Ressort Gesellschaft bei FAZ.NET.

          Die Plattform „4Chan.org“ hat in den vergangenen Tagen eine riesige Aufmerksamkeit bekommen, seitdem dort Screenshots von Chats des mutmaßlichen Kindermörders von Herne aufgetaucht sind, welche die Polizei als authentisch einstufte. Viele Informationen, die von Beamten auf der Suche nach Marcel H. veröffentlicht worden sind, standen vorher schon in dem Forum. Bilder, die den Verdächtigen an einem Bahnhof, mit Messer neben einem Plakat oder neben einem weiteren Opfer zeigen sollen, sind dort bis jetzt zu finden. „Der Polizei liegen insgesamt mehrere Fotos vor, auf denen angeblich der Tatverdächtige zu sehen sein soll“, sagte die Sprecherin der Polizei am Donnerstag.

          Aktuell wird geprüft, ob eine Audiobotschaft von H. stammt, die im Internet kursiert. „Ich will nicht arbeiten, das ist eigentlich der einzige Grund, ich müsste bald Bewerbungen schreiben“, sagt darin ein Mann, der Marcel H. sein soll, über sein Mordmotiv. Danach beschreibt er Details der Tat. Es ist unklar, ob es dieselben Aufnahmen sind, von denen die Polizei annimmt, dass sie tatsächlich vom Täter stammen. Ein Kommentar der Polizei passt aber gut: Auffallend sei die Gefühlskälte.

          In den vergangenen Tagen zitierten die Beamten teilweise wörtlich aus den Foren. In einer Mitteilung von Dienstagmorgen hieß es: „Eine Person, die sich als der flüchtige Mörder des neunjährigen Jungen aus Herne ausgibt, veröffentlichte heute um 15.47 Uhr folgenden Text in einem Chat: ,Ich habe mich in die Hand geschnitten, als ich das 120 kg Biest bekämpfte. Sie leistete mehr Widerstand als das Kind. Ich folterte aus ihr die Daten für Bank, PC und Telefon heraus, deshalb kann ich den Namen nicht veröffentlichen'.“

          Es bleibt unklar, ob sich Menschen nur einen zynischen Spaß erlauben

          Die Polizei ergänzte, dass sich der Tatort dieses zweiten Verbrechens im Umkreis von 80 km um Herne befinde, „wenn man dem Täter glaubt.“ Auch diese Information stammte von „4Chan“, der angebliche Täter hatte auf Fragen nach seiner Flucht geantwortet: „80km mit Zug um 1 uhr morgens, einfach schwarz gefahren“. Am Mittwochabend um 21.24 Uhr schrieb ein Nutzer dann noch mal: „Ich habe mir in die Hand geschnitten.“ Die Polizei fragte am Donnerstagmorgen: „Wer kann Angaben zu einem Mann machen, der sich am Abend des 06.03.2017 oder an den darauffolgenden Tagen in einem Krankenhaus, Apotheke oder bei einem Arzt wegen einer Verletzung an der rechten Hand hat behandeln lassen?“

          Es bleibt unklar, ob sich da Menschen einen zynischen Spaß erlauben und ihre Beiträge den Informationen anpassen, die bereits bekannt sind. Zuletzt gab sich in dem Forum am Mittwochabend ein Nutzer als Marcel H. aus, veröffentlichte ein Foto, das ihn in Tarnkleidung  und Messer in einer Wohnung zeigen soll schrieb dazu: „Könnte bald erwischt werden. Hier ein Statement.“ Ein Link führte zu einem Beitrag auf der Seite „Pastebin“, in dem die angebliche Stellungnahme des Täters zu finden ist.

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