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Umstrittenes Internetforum : Wie brutal geht es auf „4Chan“ zu?

„Willst später 4chan reife Bilder?“ Das soll Marcel H. vor der Tat geschrieben haben.
„Willst später 4chan reife Bilder?“ Das soll Marcel H. vor der Tat geschrieben haben. : Bild: Screenshot

Weil völlig unklar ist, ob diese Stellungnahme echt ist oder nicht, ist der Inhalt irrelevant. Interessanter ist die Frage: Was ist das eigentlich für ein Forum? Und wieso wird so viel über das „Darknet“ gesprochen, obwohl „4Chan“ mit ganz normalen Browsern zu erreichen ist?

„4Chan“ wird in den Medien zwar selten erwähnt, ist aber eine der meist genutzten Seiten im Internet. Nach Angaben der Betreiber besuchen mehr als 27 Millionen Nutzer die Seite jeden Monat, bis zu eine Million Beiträge werden jeden Tag veröffentlicht. In die Schlagzeilen geriet das Forum bereits ein paar Mal: Gestohlene Nacktbilder von Jennifer Lawrence und anderen Prominenten wurden dort 2014 veröffentlicht, Emma Watson wurde später mit ebensolchen Veröffentlichungen gedroht. Auch „Anonymous“, eine internationale Bewegung, die sich mit Regierungen, Ermittlungsbehörden, Drogenkartellen und Großkonzernen anlegt, ist auf „4Chan“ groß geworden. Gegründet hatte die Plattform in den Sommerferien 2003 ein 15 Jahre alter amerikanischen Schüler. Nach seiner Enttarnung wurde Christopher Poole 2009 vom „Time“-Magazin als einflussreichste Person der Welt geehrt – allerdings nur, weil er die Wahl manipuliert hatte. 2015 verkaufte Poole „4Chan“ an einen japanischen Betreiber.

Die Seite ist legal

Auf der Seite müssen Inhalte eigentlich gelöscht werden, sobald sie gegen amerikanische Gesetze verstoßen, sie ist nicht illegal. Bei der Flut an Beiträgen ist Echtzeitkontrolle aber nahezu unmöglich, dafür werden alle anstößigen Beiträge relativ schnell gelöscht, es gibt kein Archiv. Auf den ersten Blick sieht das Forum harmlos aus, die Unterkategorien heißen: „Pokémon“, „Fitness“, oder „Fashion“. Das berüchtigte Herzstück der Seite ist die Kategorie „random“, beziehungsweise /b/. Dort finden sich die brutalen Bilder, für die das Netzwerk berüchtigt ist, direkt auf der Startseite wird am Donnerstagmittag auch dazu aufgerufen, „alle Nigger zu vergasen“ und das Opfer von Herne verhöhnt: „Und der kleine Junge .... naja, wäre der mal lieber schön zu Hause geblieben.“

Auch vermeintlich neue Fotos von Marcel H. tauchen in diesem Unterforum immer wieder auf. Das war Marcel H. offenbar bewusst, in dem Whatsapp-Chat mit einem Bekannten, den er kurz vor und nach dem Mord in Herne geführt haben soll, fragte er: „Willst später 4chan reife Bilder?“ Kurz darauf schickte er seinem Bekannten das Foto, auf dem er blutverschmiert neben der Leiche des Neunjährigen posiert. Auf „4Chan“ ist es immer noch zu finden. Als der Bekannte das Bild dann auf „4Chan“ postete, zeigten sich viele Nutzer elektrisiert: „Oh mein Gott, ist das real? Mein erster Mord auf 4chan. Fuck Yeah!“

Nach Mord an Neunjährigem : Polizei fahndet mit Hochdruck

Wer solche Beiträge verfasst, ist nicht nachzuvollziehen, es gibt keine Benutzernamen, alle Nutzer heißen „Anonymous“. Deswegen weiß man auch nie, ob man sich in längeren Konversationen mit derselben Person unterhält, oder einfach plötzlich jemand ganz anderes im Namen des Gesprächspartners schreibt. Mit dem sogenannten „Darknet“ hat „4Chan“ allerdings nichts zu tun: Dort können Websites nur verschlüsselt aufgerufen und von Suchmaschinen wie Google oder Bing nicht gefunden werden. Zu „4Chan“ führt eine Google-Suche sofort.

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