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Er wettete auf den Tod : Wer ist der verhaftete BVB-Verdächtige Sergej W.?

Sergej W. am vergangenen Freitag nach seiner Verhaftung beim Abtransport im Polizeiauto Bild: EPA

Eine Wahnsinnstat, wie es sie in Deutschland noch nicht gab: Hinter dem Anschlag auf den Bus von Borussia Dortmund steckt offenbar ein Mann, der zuvor nicht weiter auffällig geworden war.

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          Als Sergej W. im Sommer 2015 seine Gesellenprüfung bestanden hatte, gab es für ihn und die anderen 87 Berufsschüler in der Heinrich-Schickhardt-Schule in Freudenstadt im Schwarzwald eine schöne Abschiedsfeier. Die stellvertretende Schulleiterin hielt eine kurze Rede, sie beglückwünschte die Absolventen zu ihren Leistungen und betonte, dass im Leben „jeder seinen eigenen Weg finden müsse“. Es sei unwichtig, so die Pädagogin, ob ein Schüler sein Ziel über die Autobahn oder über einen Trampelpfad erreiche, ob direkt oder auf verschlungenen Pfaden. Nur eines sei wichtig: Die Richtung müsse stimmen.

          Reiner Burger

          Politischer Korrespondent in Nordrhein-Westfalen.

          Rüdiger Soldt

          Politischer Korrespondent in Baden-Württemberg.

          Bei W., der als frischgebackener „Elektroniker Betriebstechnik“ mit 26 Jahren einen Schulpreis für seine guten Prüfungsleistungen bekam, schien die Richtung jedenfalls zu stimmen: W. bekam gleich eine Stelle, im vergangenen Jahr wechselte er dann als Elektrotechniker ins hochmoderne Biomasse-Blockheizkraftwerk der Universität Tübingen. W. schien auf dem soliden Pfad des bürgerlichen Erfolgs zu sein. „Unfassbar“ und „unerklärlich“ sind dann auch die am häufigsten benutzten Wörter, mit denen die Bürger in Freudenstadt die Festnahme von Sergej W. am Freitagmorgen durch ein Einsatzkommando der GSG 9 sowie seine Enttarnung als mutmaßlicher Attentäter kommentieren.

          Er sei, so Erkenntnisse der Bundesanwaltschaft, ein Mann, der aus reiner Gier möglichst viele Spieler und Betreuer des Fußballklubs Borussia Dortmund habe töten wollen, als diese am Abend des 11. April, von ihrem Mannschaftshotel „L’Arrivée“ im Dortmunder Stadtteil Höchsten zum Champions-League-Heimspiel gegen den AS Monaco im einige Kilometer entfernten BVB-Stadion aufbrachen. Durch einen möglichst blutigen Anschlag habe W. einen hohen Gewinn durch Börsenspekulationen erzielen wollen – kurz zuvor habe er auf einen fallenden Kurs des Papiers des einzigen am Aktienmarkt notierten Bundesligavereins gewettet.

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          Angaben zu den Tatvorwürfen macht Sergej W. nicht

          Die Bundesanwaltschaft wirft dem Verdächtigen versuchten Mord in zwanzig Fällen, die Herbeiführung einer gefährlichen Sprengstoffexplosion sowie gefährliche Körperverletzung vor. Am Freitagmittag wurde W. in einem Gefangenentransporter mit mehreren Begleitfahrzeugen in die Justizvollzugsanstalt Stuttgart-Stammheim gebracht. Angaben zu den Tatvorwürfen macht Sergej W., der einen deutschen und einen russischen Pass besitzt, derzeit nicht. Seine Facebook-Seite verschwand erstaunlich schnell aus dem Netz. Aber in Freudenstadt und Tübingen kursierten schon wenige Stunden nach der spektakulären Festnahme zahlreiche Porträts in verschiedenen Whatsapp-Gruppen: W., die blonden Haare zum Scheitel gekämmt, leichter Kinnbart, ordentlich gebügeltes Hemd, ein selbstbewusster, beinahe überheblicher Blick.

          Sergej W. kam am 7. April 1989 in Tscheljabinsk, einer Großstadt im Südural, auf die Welt. Mit seiner Familie kam er 2003 nach Deutschland – als er 14 war. Er hat noch eine Schwester, ein Onkel lebt in Baiersbronn. Sergej machte nach schulischen Anlaufschwierigkeiten schließlich eine duale Schulausbildung, eben in Freudenstadt, wo seine Eltern in einer Dreizimmerwohnung leben, in einem modernen Wohn- und Geschäftshaus in der Nähe des S-Bahnhofs.

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