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Notruf mit Todesfolge : Wenn Anrufer die Polizei auf Unschuldige ansetzen

  • -Aktualisiert am

Vermeintliche Notrufe, um Menschen durch ein SWAT-Team der Polizei unter Druck zu setzen, werden in den Vereinigten Staaten immer wieder abgesetzt. (Symbolbild) Bild: AP

Weil sich ein Mann in Amerika weigerte, seinen Nutzernamen bei Twitter freizugeben, hetzten ihm zwei Täter mit einem falschen Notruf ein SWAT-Team auf den Hals. Das Opfer erlitt einen Herzinfarkt.

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          Die letzten Stunden des Amerikaners Mark Herring begannen mit einem Anruf der Nachbarn. „Sie sagten ihm, dass sein Haus von Polizisten umstellt sei. Ein Mann habe eine Frau getötet und sich auf dem Grundstück versteckt“, erinnerte sich Herrings Tochter Corinna Fitch an den Tag im April 2020.

          Ihr Vater, ein 60 Jahre alter Programmierer aus dem Bezirk Sumner in Tennessee, nahm seine Pistole und trat vor die Tür. „Er wollte den Unbekannten stellen, der angeblich auf seinem Grundstück war. Plötzlich sah er die vielen Polizisten um sich herum“, sagte Fitch dem Fernsehsender WKRN. Die Beamten fragten, ob er Mark Herring sei, und forderten ihn auf, die Hände in die Höhe zu strecken. „Mein Vater hat die Waffe weggeworfen, um zu zeigen, dass er keine Bedrohung darstellt. Dann nahm er die Hände hoch.“ Ein paar Sekunden später sackte Herring zusammen und starb wenig später im Krankenhaus. „Er erlitt einen Herzinfarkt. Mein Vater hat sich zu Tode erschreckt.“

          Erst einige Monate später erfuhren Fitch und ihre Familie, was es mit dem tödlichen Einsatz auf sich hatte. Shane Sonderman, ein damals Achtzehnjähriger aus Tennessee, und ein Jugendlicher aus Großbritannien hatten die Polizei angerufen, um einen angeblichen Mord in Herrings Haus zu melden. Vor Haustür und Hintereingang, behaupteten die Täter, habe der Sechzigjährige Rohrbomben platziert. Wie bei ähnlichen Verbrechen üblich, rückte eine schwerbewaffnete SWAT-Sondereinheit („special weapons and tactics“) aus. In den Tagen zuvor hatten Sonderman und sein Komplize Herring schon mit ungebetenen Pizzalieferungen und Mails belästigt.

          Der Programmierer hatte 2006 bei Twitter den Nutzernamen @Tennessee, eine Hommage an das Footballteam der Universität von Tennessee, eintragen lassen. Sonderman und sein Mittäter wollten Herring wie mindestens fünf weitere mutmaßliche Opfer dazu bewegen, den begehrten Nutzernamen freizugeben. Sie hofften, das „Handle“ für 3000 bis 4000 Dollar verkaufen zu können. Als Herring sich weigerte, den Nutzernamen freizugeben, entschlossen sich Sonderman und sein Komplize zum Swatting.

          Nicht der erste Tote

          Vermeintliche Notrufe, um Menschen durch ein SWAT-Team der Polizei unter Druck zu setzen, werden in den Vereinigten Staaten immer wieder abgesetzt. Den Anfang machten vor fast zehn Jahren eine Gruppe von Jugendlichen, die Prominenten wie Miley Cyrus, Justin Bieber und Ashton Kutcher Sondereinsatzgruppen des Los Angeles Police Department nach Hause schickten. Vor zwei Jahren traf es auch den damaligen „Fortnite“-Champion Kyle „Bugha“ Giersdorf in Pennsylvania, einige Wochen später die Autorin Ijeoma Oluo im Bundesstaat Washington. Beide überstanden den Einsatz der SWAT-Teams mit Hunden, schusssicheren Westen und Sturmgewehren unverletzt.

          Der vermeintliche Streich des kalifornischen Gamers Tyler Barriss, der einem Widersacher in Kansas 2017 die Polizei nach Hause schicken wollte, nahm dagegen wie bei Herring ein tödliches Ende. Als Barriss angab, seinen Vater erschossen zu haben und die übrigen Familienmitglieder in einem Haus als Geiseln festzuhalten, wurden die schwerbewaffneten Beamten bei einem Unbekannten unter der von Barriss genannten Adresse vorstellig. Ein Achtundzwanzigjähriger starb bei dem Einsatz durch eine Polizeikugel.

          Wegen Totschlags wurde Barriss zu 20 Jahren Haft verurteilt. Auch Sonderman, der Programmierer Herring ein SWAT-Team schickte, verbringt die kommenden Jahre hinter Gittern. Ein Gericht in Tennessee verurteilte ihn jetzt zu fünf Jahren Gefängnis. Sein britischer Komplize ging derweil straffrei aus. Da er minderjährig ist, konnte er nicht in die Vereinigten Staaten ausgeliefert werden.

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