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Weiterer grausiger Fund : „Friedhof des Verbrechens“ in Mexiko entdeckt

Mitglieder des Suchtrupps am Dienstag auf einem Feld in Veracruz. Zwei Tage später machten sie einen grausigen Fund. Bild: dpa

Auf der Suche nach ihren verschleppten Angehörigen ist eine Gruppe im mexikanischen Veracruz auf ein Massengrab gestoßen. In dem Bundesstaat bekämpfen sich mehrere Kartelle blutig.

          Eine Selbsthilfegruppe von Angehörigen vermisster Personen hat im südostmexikanischen Bundesstaat Veracruz ein Massengrab mit mindestens 60 Leichen entdeckt. Die Toten seien nahe der Ortschaft Colinas de Santa Fe nördlich der Hauptstadt Veracruz gefunden worden, sagte die Sprecherin der Gruppe „Colectivo Solecito“, Lucía de los Ángeles Díaz. Mitglieder der Gruppe suchen seit Jahren auf eigene Faust nach sterblichen Überresten, weil sie sich bei der Suche nach ihren vermissten Angehörigen von den Behörden im Stich gelassen fühlen.

          Matthias Rüb

          Politischer Korrespondent für Italien, den Vatikan, Albanien und Malta mit Sitz in Rom.

          Die Vermissten wurden mutmaßlich von Mitgliedern der in Veracruz operierenden Drogenkartelle verschleppt und getötet. Auch die örtlichen Sicherheitskräfte, die oft von den Kartellen unterwandert sind, werden für das Verschwinden zahlreicher Menschen verantwortlich gemacht.

          Veracruz gilt derzeit als einer der gefährlichsten Bundesstaaten Mexikos, weil sich dort mehrere Kartelle einen blutigen Verteilungskrieg um Schmuggelrouten liefern. Als besonders brutal gilt das aufstrebende Kartell Jalisco Nueva Generación, das sich mit dem Sinaloa-Kartell und auch dem Kartell Los Zetas einen offenen Krieg liefert. Die Drogenbanden entführen und erpressen Mexikaner sowie vor allem auch illegale Zuwanderer aus Zentralamerika und verscharren ihre Opfer in Massengräbern. Das Feld, auf dem nun das jüngste Massengrab entdeckt wurde, sei „ein großer Friedhof des Verbrechens“, sagte Lucia de los Angeles Díaz vor mexikanischen Journalisten.

          Unwahrscheinlich, dass die Behörden nichts wussten

          Die sterblichen Überreste werden von den meist weiblichen Aktivisten der Gruppe exhumiert und der forensischen Behörde von Veracruz übergeben. „Wir hoffen, dass wir die Identität der Opfer in etwa drei Monaten kennen“ sagte Díaz. Sie halte es für unwahrscheinlich, dass „diese Dinge ohne die Komplizenschaft der Behörden geschehen“ seien. Der Generalstaatsanwalt von Veracruz, Luis Ángel Bravo, bestätigte am Mittwoch, dass es sich bei den gefundenen Knochen „allem Anschein nach“ um sterbliche Überreste von Menschen handelt.

          Nach wie vor ungeklärt ist auch der Fall der Entführung von 43 Lehramtsstudenten vom Kolleg Ayotzinapa nahe der Stadt Iguala im südwestmexikanischen Bundesstaat Guerrero. Nach Angaben der Regierung in Mexiko-Stadt wurden die 43 jungen Männer von einem Drogenkartell entführt und ermordet. Bei der Suche nach den Vermissten in der Umgebung von Iguala wurden zwar mehrere Massengräber entdeckt, doch die dort gefundenen menschlichen Überreste stammten gemäß DNA-Analysen definitiv nicht von den vermissten Studenten.

          Präsident Enrique Peña Nieto hatte nach seinem Machtantritt vom Dezember 2012 versprochen, er werde die Macht der Kartelle brechen und der Gewaltwelle ein Ende bereiten. Seit die mexikanische Regierung unter Peña Nietos Amtsvorgänger Felipe Calderón Ende 2006 eine Offensive gegen die Kartelle begann, wurden nach offiziellen Angaben mehr als 166.000 Menschen getötet.

          Mehr als 27.000 weitere Personen gelten als vermisst. Nach einem Rückgang der Gewalt in den ersten beiden Amtsjahren von Peña Nieto bis etwa Ende 2014 nahm die Zahl der Tötungsdelikte seit 2015 wieder deutlich zu.

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