https://www.faz.net/-gum-9t4le

Bergisch Gladbach : Weitere Täter im Missbrauchsfall wohl noch aktiv

  • Aktualisiert am

Bergisch Gladbach: Ein Mitarbeiter der Kölner Polizei streamt die Pressekonferenz mit zwei Mobiltelefonen ins Internet. Bild: dpa

Mehrere Männer sollen ihre eigenen Kinder missbraucht haben. Mindestens zwei der Verdächtigen sollen die Opfer untereinander getauscht haben. Die Polizei vermutet, dass noch unbekannte Täter unvermindert weitermachen.

          2 Min.

          Der Missbrauchsfall von Bergisch Gladbach zieht immer weitere Kreise: Die Polizei befürchtet, dass noch unbekannte Täter nach wie vor aktiv sind. Mehr als 150 Ermittler arbeiten mit Hochdruck an der Auswertung der sichergestellten Daten, „um schnellstmöglich noch andauernden Kindesmissbrauch zu unterbinden“, wie die federführende Kölner Polizei am Freitag erklärte.

          Die Dimension des Falls ist demnach noch nicht abzuschätzen. Aber es sei zu erwarten, dass die Ermittlungen sich auf andere Bundesländer und möglicherweise bis ins Ausland ausweiten. Deshalb sollten am Freitag das Bundeskriminalamt (BKA) und alle Landeskriminalämter (LKA) in Telefonkonferenzen auf den aktuellen Stand gebracht werden.

          Bisher sind sechs Männer festgenommen worden. Die bislang bekannten neun Opfer sind zwischen unter einem und zehn Jahren alt – es handelt sich überwiegend um Kinder oder Stiefkinder der Verdächtigen. Der Kölner Polizeipräsident Uwe Jacob hatte am Mittwoch gesagt, dass es wahrscheinlich noch mehr Opfer und Täter gebe. Denn die Verdächtigen hätten in Chat-Gruppen mit bis zu 1800 Mitgliedern kinderpornografische Fotos ausgetauscht.

          Mehrere der Festgenommenen sollen auch ihre Opfer untereinander getauscht haben. Es gebe „sehr deutliche Hinweise“ darauf, „dass sich mindestens zwei der beschuldigten Männer die eigenen Kinder gegenseitig zugeführt haben“, sagte der Kölner Oberstaatsanwalt Ulrich Bremer dem „Spiegel“. Nach einem Bericht des „Kölner Stadt-Anzeigers“ geht dies aus der Aussage eines Verdächtigen aus Krefeld hervor.

          Weiterer Fall im Ruhrgebiet

          Ausgangspunkt für die umfangreichen Ermittlungen waren große Datenmengen mit kinderpornografischem Inhalt, die Ende Oktober bei der Durchsuchung einer Wohnung in Bergisch Gladbach gefunden wurden. Die Bilder auf dem Smartphone des Familienvaters zeigen laut Polizei schweren sexuellen Missbrauch. Durch Auswertung seines Handys kamen die Ermittler fünf weiteren Verdächtigen auf die Spur, vier stammen aus NRW, einer aus dem Raum Wiesbaden.

          Die mittlerweile sichergestellten riesigen Datenmengen werden nun zentral im Düsseldorfer LKA eingelesen. Eine spezielle Software prüft sie auf strafbaren Inhalt und gleicht etwa Bilder miteinander ab, wie ein Sprecher des Innenministeriums erläuterte. Die vorsortierten Daten würden dann den ermittelnden Polizeibehörden zur Verfügung gestellt.

          Die Sichtung der schrecklichen Fotos und Videos sei auch für die Ermittler psychisch sehr belastend. Deshalb hat die Kölner Polizei eine spezielle Betreuungsstelle für sie eingerichtet.

          Auf einen der mutmaßlichen Täter aus dem Großraum Wesel soll es nach einem Bericht der „Rheinischen Post“ schon vor einigen Monaten Hinweise gegeben haben. Entsprechende Akten habe die Polizei der Staatsanwaltschaft Kleve bereits am 10. Juni übergeben, festgenommen wurde der Soldat aber erst am 25. Oktober. Eine Hausdurchsuchung habe es in der Zwischenzeit bei dem Verdächtigen nicht gegeben. Die Staatsanwaltschaft Kleve wollte sich am Freitag nicht dazu äußern.

          Auch im Ruhrgebiet sorgt ein Fall von Kindesmissbrauch für Entsetzen, der jedoch nicht im Zusammenhang mit den anderen Taten stehen soll. Ein 47-jähriger Essener soll seine Tochter missbraucht und kinderpornografische Fotos in Internet hochgeladen haben. Via Chat soll ihm eine Bekannte aus Gelsenkirchen ihre eigene Tochter für Missbrauchshandlungen angeboten haben. Die beiden Erwachsenen wurden verhaftet.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Abwärtstrend der Union : Die verlorene Heimat

          Für viele in der Union war Schwarz-Grün mal eine moderne Idee. Jetzt wächst die Angst, dass die Grünen übermächtig werden – und sie selbst als Juniorpartner enden.
          Unser Sprinter-Autor: Oliver Georgi

          F.A.Z.-Sprinter : Wer kann SPD-Vorsitz?

          Während es bei der SPD zum nächsten Duell um den Vorsitz kommt, läuft es bei den Grünen prächtig. Es steht sogar die Frage nach der Kanzlerkandidatur im Raum. Was sonst noch wichtig wird, der F.A.Z.-Sprinter.
          Ein gepanzerter Polizeiwagen versucht in der Nacht eine Barrikade zu durchbrechen und wird von den Protestlern an der Polytechnischen Universität in Brand gesteckt.

          Krise in Hongkong : Unter Belagerung

          Hunderte Hongkonger Aktivisten harren auf dem Campus der Polytechnischen Universität aus. Die Polizei hat das Gelände umstellt – und droht mit dem Einsatz scharfer Munition.

          DFB-Team vor EM 2020 : Der Zauber lässt sich nicht zurückholen

          Vor der EM 2020 sollen bei der DFB-Elf die Kräfte von 2010 reanimiert werden. Die Analogie liegt auf der Hand. Wie damals wurde die Auswahl verjüngt, Hierarchien wurden aufgebrochen. Doch so leicht ist das nicht.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.