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Da war er noch gebrechlich und benutzte die Gehhilfe, kurze Zeit später wurde er agil beim Einkaufen beobachtet: Gefallener Filmmogul Weinstein. Bild: AFP

Weinstein vor Gericht : „Er nutzte Geld, Macht und Stellung“

  • -Aktualisiert am

An diesem Montag beginnt in New York der Prozess gegen den mutmaßlichen Sexualstraftäter und einstigen Filmmogul Harvey Weinstein. Doch auch seinen mutmaßlichen Opfern droht ein Spießrutenlauf.

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          Die Rolle des Opfers spielt Harvey Weinstein inzwischen perfekt. Als der gefallene Hollywood-Mogul im Dezember zu einer Kautionsanhörung vor einem New Yorker Gericht erschien, stützte er sich mit schmerzverzerrtem Gesicht auf eine Gehhilfe. Einige Tage später lancierten seine Krisenmanager ein Foto, das den Siebenundsechzigjährigen verloren auf einem Sofa des Presbyterian/Weill Cornell Medical Center zeigte – an Schläuchen und mit einem Beutel voller Blut, den Rollator in sicherer Nähe. Weinsteins Anwältin Donna Rotunno wartete mit der Anekdote von einer Rückenverletzung nach einem Autounfall auf: „Der Schmerz wurde immer schlimmer. Verschiedene Therapieversuche schlugen fehl. Deshalb muss er Stock und Gehhilfe bemühen.“ Spekulationen, der Filmproduzent täusche Schmerzen vor, um für den bevorstehenden Vergewaltigungsprozess gegen ihn Sympathiepunkte zu sammeln, wies Rotunno zurück. „Das ist bösartig und falsch.“ Dass ihr Mandant wenig später agil und ohne Gehhilfe beim Einkaufen gesehen wurde, ließ die Anwältin unkommentiert.

          Jetzt erwartet Weinstein das nächste Schaulaufen. Mehr als zwei Jahre nach den ersten öffentlichen Missbrauchsvorwürfen in „New York Times“ und „New Yorker“ muss sich der Gründer der Filmgesellschaften Miramax und The Weinstein Company (TWC) von diesem Montag an vor dem Obersten Gerichtshof des Bundesstaats New York verantworten. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Produzenten vor, im Jahr 2013 eine Frau in einem Hotelzimmer in Manhattan vergewaltigt zu haben. Sieben Jahre zuvor soll Weinstein bei einem Treffen in seiner Wohnung in Manhattan schon die Produktionsassistentin Mimi Haleyi oral missbraucht haben. Haleyi erinnerte sich im Herbst 2017 unter Tränen an die Nacht, als der Familienvater sich in einem Kinderzimmer auf sie warf. Sie gehörte damals zu den Ersten, die den Hollywood-Mogul beschuldigten. Auch Schauspielerinnen wie Rose McGowan, Ashley Judd und Angelina Jolie warfen dem Produzenten Missbrauch oder Vergewaltigung vor. Gwyneth Paltrow, der Star seines Films „Shakespeare in Love“, ließ die Öffentlichkeit an erzwungenen Massagen und einer Einladung in Weinsteins Schlafzimmer teilhaben. Wie sich später zeigte, hatte die Oscar-Preisträgerin auch die Recherchen von „New York Times“ und „New Yorker“ gegen ihren einstigen Förderer unterstützt.

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