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Wegen Tötung zweier Neugeborener : Mutter zu achteinhalb Jahren Haft verurteilt

  • Aktualisiert am

Die 26 Jahre Angeklagte erschien mit verhülltem Gesicht vor Gericht Bild: ddp

Das Landgericht Halle hat eine 28 Jahre alte Frau wegen der Tötung ihrer zwei neugeborenen Kinder zu achteinhalb Jahren Haft verurteilt. Die Richter sprachen die Frau des Totschlags schuldig. Sie berücksichtigten dabei ihr Geständnis und ihre Persönlichkeitsstruktur.

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          Weil sie ihre zwei neugeborenen Mädchen direkt nach der Geburt getötet hat, muss eine 28-Jährige aus Großkugel (Saalekreis) achteinhalb Jahre ins Gefängnis. Das Landgericht Halle verurteilte sie am Montag wegen Totschlags. Die Staatsanwaltschaft hatte neun Jahre Haft, die Verteidigung sechs Jahre gefordert. Die Frau hatte die beiden Taten aus den Jahren 2007 und 2008 zugegeben. „Dieser Fall ist etwas Besonderes. Die beiden Kinder hatten nicht mal die Chance, einen Tag zu leben, nicht mal einen Namen. Das ist das ganz Schlimme“, sagte der Vorsitzende Richter, Jan Stengel.

          Die Frau nahm das Urteil mit gesenktem Kopf entgegen. Zuvor sagte sie: „Die Taten kann ich nicht rechtfertigen, es tut mir leid.“ Zum Motiv für die beiden Verbrechen machte sie keine Angaben. Sie gab zu, eines der Mädchen im Oktober 2008 nach der Geburt in ihrer Wohnung erstickt und in der Waschmaschine versteckt zu haben. Ein Jahr zuvor hatte sie ein Mädchen nach der heimlichen Geburt erwürgt, auf dem Balkon versteckt und einen Tag später im Nachbarort auf einem verlassenen Grundstück vergraben.

          Vater der beiden Mädchen und eines heute zweieinhalbjährigen Jungen ist nach Angaben der Frau ihr Lebensgefährte. Das Paar lebte seit mehreren Jahren zusammen. Die Frau kümmerte sich zu Hause um den Sohn, der Mann ging arbeiten. Nach der Geburt ihres Sohnes hatte sie nach eigener Aussage nicht mehr verhütet.

          Verdrängung durch Computerspiele

          Mit Blick auf andere Kindstötungen in Deutschland sagte der Richter: „Es wird erschreckend leichtfertig mit dem Leben dieser Neugeborenen umgegangen.“ Die Frau habe die Fähigkeit entwickelt, die Taten zu verdrängen: „Sie ist mit einem Kind spielen gegangen, dabei wissend, es gibt da eigentlich noch zwei Schwestern“, sagte Stengel. Zur Verdrängung hat laut einem psychiatrischen Gutachter ständiges Computerspielen beigetragen: Die Frau hatte ausgesagt, sich am Computer bis zu acht Stunden am Tag und auch nächtelang in eine andere Rolle, in eine Scheinwelt, begeben zu haben. Der Gutachter beschrieb die gelernte Bürokauffrau als extrem unsicheren Menschen mit einem niedrigen Selbstwertgefühl.

          Das Gericht berücksichtigte bei dem Urteil diese Persönlichkeitsstruktur und das Geständnis, ansonsten hätte die Frau mit einer lebenslangen Haftstrafe rechnen müssen. Staatsanwaltschaft und Verteidigung ließen zunächst offen, ob sie Revision einlegen werden.

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