https://www.faz.net/-gum-9zcqj

Hängen geblieben wegen Corona : Deutscher lebte knapp zwei Monate auf indischem Flughafen

  • Aktualisiert am

Abflugterminal am Flughafen in Neu Delhi: Ein Mann harrte hier zwei Monate aus. (Archivbild) Bild: AFP

Ein Deutscher wollte vor zwei Monaten von Neu Delhi nach Istanbul fliegen. Doch sein Weiterflug wurde wegen der Corona-Maßnahmen gestrichen. Einen Rückholflug nach Deutschland lehnte der Mann ab.

          1 Min.

          Ein Deutscher hat knapp zwei Monate im Transitbereich des Flughafens der indischen Hauptstadt Neu Delhi gelebt. Eigentlich wollte der 41-Jährige schon Ende März von Hanoi über Neu Delhi nach Istanbul fliegen, wie ein Mitarbeiter der Flughafenpolizei der Deutschen Presse-Agentur sagte. Sein Weiterflug sei aber wegen Indiens Corona-Maßnahmen gestrichen worden. Die deutsche Botschaft informierte ihn anschließend mehrfach über Rückreisemöglichkeiten nach Deutschland, wie es aus dem Auswärtigen Amt heißt. Aber nach Deutschland habe der Mann nicht gewollt.

          Er habe aber auch keinen Antrag auf ein indisches Visum gestellt, sagte ein Mitarbeiter der Flughafensicherheit. Dieses hätte er demnach aber auch nicht erhalten, weil er indischen Behörden von kriminellen Vorstrafen erzählt habe: „Er sagte uns, dass er in Deutschland eine strafrechtliche Verfolgung befürchtet und dass er über die Türkei nach Saudi-Arabien reisen möchte.“ Das Auswärtige Amt, das Bundeskriminalamt und das Bundesjustizministerium wollten sich zu einer möglichen kriminellen Vergangenheit des Flughafendauergasts nicht äußern. Deutsche Behörden seien jedoch wegen des Mannes in Kontakt mit indischen Behörden gewesen.

          Per W-Lan mit Familie und Freunden telefoniert

          So saß der Mann wochenlang im Flughafen. Er habe meist das Flughafen-W-Lan benutzt, mit Familie und Freunden telefoniert sowie Magazine und Zeitungen gelesen, sagte der Mitarbeiter der Flughafensicherheit. Indische Behörden hätten ihm Essen, Getränke, Zahnpasta und frische Kleider gebracht. Geschlafen habe er auf Sitzen oder am Boden. Während dieser Zeit fanden lediglich Rückholflüge verschiedener Staaten statt. Am frühen Dienstagmorgen habe der Mann den Flughafen schließlich mit einer KLM-Rückholmaschine in Richtung Amsterdam verlassen, wie der Flughafensprecher sagte.

          Deutschland und Indien haben ein Abkommen, das das Ausliefern Krimineller ermöglicht. Allerdings sind dies langwierige Verfahren, die gewöhnlich nur bei besonders schweren Fällen angewendet werden. Außerdem hätte Indien den Mann abschieben können.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Mateusz Morawiecki und Ursula von der Leyen am Donnerstag in Brüssel

          EU-Gipfel in Brüssel : Fast alle gegen Polen

          Der Streit über die Rechtsstaatlichkeit in Polen geht auch auf dem EU-Gipfel weiter. Ministerpräsident Morawiecki will nicht nachgeben. Sein Land werde nicht „unter dem Druck von Erpressung“ handeln.
          Wegen der Cum-Ex-Aktiendeals musste Olaf Scholz im April vor einem Untersuchungsausschuss in der Hamburger Bürgerschaft aussagen.

          „Cum-Cum“ : 140 Milliarden Euro Beute durch Steuertricksereien

          Die „Cum-Ex“-Deals sind inzwischen bekannt. Doch auch mithilfe anderer Modelle sollen Banken dem Fiskus Geld aus der Tasche gezogen haben – weit mehr als bisher gedacht. Möglicherweise dauert das auch immer noch an.
          In sieben Wochen Kanzler? Kurz nach Nikolaus will sich Olaf Scholz vom Bundestag wählen lassen.

          Ampel-Koalition : So wollen SPD, Grüne und FDP verhandeln

          300 Unterhändler machen für SPD, Grüne und FDP die Einzelheiten des Koalitionsvertrags aus. In 22 Arbeitsgruppen ringen sie um Kompromisse. Doch die harten Nüsse müssen die Parteichefs selbst knacken.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.