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Ein nicht datiertes Bild zeigt Lucero Guadalupe Sánchez, die angibt, eine Affäre mit El Chapo gehabt zu haben Bild: AP

Das Liebesleben des El Chapo : Atemlos durch den Schacht

  • -Aktualisiert am

Herzförmige Stempel auf Marihuana-Päckchen, Kosenamen und gemeinsame Nächte: im Prozess gegen El Chapo sagt dessen Geliebte aus. Sogar gemeinsam durch einen Tunnel sind sie geflohen – El Chapo war dabei splitternackt.

          Der mexikanische Drogenbaron Joaquin Guzmán, besser bekannt als El Chapo, scheint auch auf der Flucht ein abwechslungsreiches Liebesleben geführt zu haben. Während seine Ehefrau Emma Coronel Aispuro am Donnerstag im Zuschauerraum des Bundesbezirksgerichts in Brooklyn nervös mit ihren Haaren spielte, berichtete seine frühere Geliebte Lucero Guadalupe Sánchez im Zeugenstand von herzförmigen Stempeln auf Marihuana-Päckchen, Kosenamen und gemeinsamen Nächten. An den 17. Februar 2014 erinnerte sich die 29 Jahre alte ehemalige Lokalpolitikerin unter Tränen. Als sie damals in Culiacán die Nacht mit Guzmán verbrachte, standen plötzlich Soldaten vor der Tür. Der Führer des Sinaloa-Kartells lief nackt ins Bad, öffnete neben der Wanne eine Geheimtür und verschwand mit Sánchez sowie zwei Angestellten durch einen Tunnel in die Kanalisation der Stadt. Fünf Tage später spürte das mexikanische Militär El Chapo auf – mehr als 200 Kilometer südlich im Küstenort Mazatlán und in Begleitung seiner Ehefrau Coronel.

          Der Einundsechzigjährige, der seit November wegen mutmaßlichen Drogenhandels, Mordes und weiterer Straftaten in New York vor Gericht steht, hatte den Justizbehörden seiner Heimat immer wieder Rätsel aufgegeben. Die Schilderungen seiner ehemaligen Geliebten boten jetzt erstmals Einblicke in Guzmáns ausgefeiltes Netzwerk von Verstecken und Tunneln. Zuvor hatte ein Beamter der amerikanischen Bundespolizei (FBI) bereits ausgesagt, wie El Chapo seine Ehefrau und mehrere Liebhaberinnen durch manipulierte Smartphones bespitzelte. Er hatte einem Techniker aufgetragen, die Geräte mit Spähprogrammen auszustatten und ihre Mikrofone zu aktivieren. Als das FBI Guzmáns Telefonspezialisten als Informant gewann, erhielt es Zugang zu vielen seiner Daten. Der Drogenbaron soll sich mit Ehefrau und Freundinnen neben romantischen Treffen auch über Vertriebskanäle und Drogenlieferungen ausgetauscht haben.

          Nach zwei spektakulären Gefängnisausbrüchen war El Chapo Anfang 2016 abermals in Mexiko verhaftet worden. Als Führer des Sinaloa-Kartells soll er fast 30 Jahre lang mehrere Hundert Tonnen Rauschgift in die Vereinigten Staaten geschmuggelt haben. Im Januar 2017 lieferte die mexikanische Regierung Guzmán kurz nach Donald Trumps Einzug in das Weiße Haus aus. Bei einem Schuldspruch erwartet El Chapo eine lebenslange Haftstrafe.

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