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Steuerhinterziehung : Schlecht sieht’s aus für Werner Mauss

In geheimer Mission? Auf dem Weg in den Gerichtssaal verdeckt Werner Mauss am Donnerstag sein Gesicht. Bild: dpa

Der legendäre Privatagent der Bonner Republik muss sich abermals wegen Steuerhinterziehung vor dem Landgericht Bochum verantworten. Seine Anwälte scheinen wenig im Köcher zu haben.

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          Als die Fotografen am Donnerstagmorgen Saal 10 des Landgerichts Bochum verlassen haben, begrüßt Werner Mauss die beiden Staatsanwälte wie alte Bekannte mit Handschlag und breitem Lachen. Tatsächlich ist es ein Déjà-vu. Die beiden Strafverfolger hätten den älteren Herrn im schwarzen Anzug, der nun so locker mit ihnen plaudert, vor genau zwei Jahren wegen Steuerhinterziehung in Millionenhöhe gerne für sehr lange Zeit hinter Gitter geschickt. Das wollen sie noch immer, und ihre Chancen sind gut, weshalb die demonstrative Fröhlichkeit des Neunundsiebzigjährigen seltsam wirkt. Anfang des Jahres hob der Bundesgerichtshof (BGH) das Urteil auf, mit dem eine andere Kammer des Bochumer Landgerichts den früheren Top-Privatagenten der Bonner Republik im Oktober 2017 zu lediglich zwei Jahren Haft auf Bewährung verurteilt hatte.

          Reiner Burger

          Politischer Korrespondent in Nordrhein-Westfalen.

          Das Urteil war der skurrile Endpunkt einer der skurrilsten Hauptverhandlungen der jüngsten Zeit. Von Herbst 2016 bis 2017 musste sich Mauss, der von den Medien einst wahlweise als Deutschlands „größter“ oder „einzig wahrer“ Geheimagent bezeichnet wurde, das erste Mal in Bochum verantworten, weil er den Fiskus auf spektakuläre Weise um 13 Millionen Euro geprellt haben soll. Nach Erkenntnissen der Ermittler nutzte Mauss mehrere seiner Tarnidentitäten dazu, zunächst in Südamerika und dann in Luxemburg ein kunstvolles Geflecht von Nummernkonten, Stiftungen und Lebensversicherungen aufzubauen. Mauss dagegen versichert, bei dem Fonds handele es sich nicht um sein eigenes Vermögen, sondern um ein Konstrukt, das 1985 von einem Geheimbund namens „Westliche Sicherheitsbehörden“ eingerichtet worden sei, um seine Aktionen im Kampf gegen das Böse weltweit zu finanzieren. Weil es sich also nicht um sein steuerpflichtiges Privatvermögen handle, habe er auch keine Steuern hinterziehen können und sei somit unschuldig.

          „Er hat immer versucht, das Verbrechen zu bekämpfen, und nicht, Verbrechen zu begehen“

          In der ersten Hauptverhandlung versuchte Mauss, seine Version mit wechselnden Einlassungen und mit Hilfe illustrer Zeugen zu untermauern. Das funktionierte nicht. Gegen die Geschichte vom Geheimfonds sprach schon der Umstand, dass Mauss detailliert anhand mehrstufiger „Erbersatzregelungen“ verfügt hatte, welcher Angehörige im Todesfall in den Genuss der vielen Millionen kommen soll, die ihm angeblich gar nicht gehören.

          Was dem sagenumwobenen Privatagenten und seinen renommierten Strafverteidigern die langen Monate der Hauptverhandlung über nicht gelang, schaffte dann überraschenderweise das Gericht. Mit seinem Urteil gab es dem Verfahren eine spektakuläre Wende: zwei Jahre auf Bewährung für das Hinterziehen von Steuern in Höhe von mehr als 13 Millionen Euro!

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