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Umstrittene Facebookseite : Warum es gefährlich ist, Bilder seiner Kinder online zu stellen

  • Aktualisiert am

Aufruf der Polizei Hagen aus dem Jahr 2015. Bild: dpa

90 Prozent der Unter-Zweijährigen sind im Netz präsent. Eine Facebookseite sammelt Kinderbilder, die Eltern öffentlich posten. Ist das eine perfide Masche, Pädophile mit Material zu versorgen, oder der legitime Versuch, vor Gefahren im Netz zu warnen?

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          Eine Facebookseite beunruhigt Eltern mit gesammelten Bildern von Kindern. Die Seite „Little Miss & Mister“ durchforstet Nutzerprofile nach öffentlich sichtbaren Kinderfotos und verbreitet diese. Seit Ende Dezember waren dort bis zu dieser Woche unzählige Fotos von Kindern zusammengekommen, darunter Bilder von Babys und Kleinkindern – zum Teil nahezu nackt, in der Badewanne, in Unterwäsche oder in Badebekleidung am Strand. Das Profilbild der Seite, die rund 660 Menschen abonniert hatten, zeigt ein Kind, das sich mit Lippenstift schminkt. Nachdem die Seite kurzzeitig nicht mehr zu erreichen war, hat sie nun einen Neustart hingelegt – mit am Donnerstag zunächst rund 35 Abonnenten.

          „Auch ihr Kind kann der Star von morgen werden“, heißt es in den Informationen. Wer dahinter steckt, bleibt im Unklaren. Die Betreiber der Facebookseite geben sich den offensichtlich ironisch gemeinten Namen „SAsha TIschREin“, ein Buchstabenspiele mit dem Begriff „Satire“. Mails an die auf der ursprünglichen Seite angegebene belgische E-Mail-Adresse kommen als unzustellbar zurück, Anrufe bei einer angegebenen Nummer führen zu Personen, die anscheinend nichts mit der Seite zu tun haben.

          Auf eine Anfrage via Facebook-Nachricht antwortet ein Administrator: „Viele FB Nutzer schmeißen ihre Informationen durchs www wie Konfetti. Genau das wollen wir aufzeigen. Besonders liegt uns der Schutz von Kinderbildern am Herzen. Das www ist voll von üblen Menschen, die diese Bilder für ihre Zwecke missbrauchen und dem wollen wir entgegen wirken.“ Warum sie nicht offenlegen, wer sie sind? „Wir schützen uns und unsere Familien. Mit den „Wutmuttis“ ist nicht zu Spaßen.“ Gleichzeitig schicken die Betreiber Screenshots von wüsten Beschimpfungen und Drohungen betroffener Eltern.

          „Eine Straftat lässt sich daraus nicht ableiten“

          Die Seite hackt keine Profile, sie teilt lediglich die Bilder von Kindern, die für alle öffentlich sichtbar sind - und macht deutlich, wie man die Privatsphäre-Einstellungen ändern kann. Für einige Mütter ist es dennoch ein Schock, Bilder ihrer Kinder auf der Seite zu entdecken. „Es wurde ein Bild gepostet von meiner Tochter ohne mein Einverständnis ich möchte bitte das das Foto von ihr gelöscht wird denn wird es nicht getan fühle ich mich gezwungen es zur Anzeige bei der Polizei zu bringen“ (Fehler im Original), schrieb eine Facebook-Nutzerin noch auf der ersten Seite.

          „Das Phänomen ist in unserem Fachdezernat Cybercrime bekannt“, sagt ein Sprecher des Bayerischen Landeskriminalamtes. „Eine Straftat lässt sich daraus nicht ableiten, da die Eltern in der Regel diese Bilder posten und entsprechend freigeben.“ Somit sei der Zugriff auf die jeweiligen Bilder erlaubt.

          Eine Mutter aus Rosenheim hat ein zehn Jahre altes Foto ihres Sohnes auf der Facebookseite entdeckt. Sie sei zunächst über einen Eintrag in einem Fan-Forum für eine Drogerie-Kette auf die Seite gestoßen, sagt sie der Deutschen Presse-Agentur. „Ich habe mir die Seite angeschaut und mich hat der Schlag getroffen. Da konnte ich nicht an mich halten, habe geschrieben, was ich davon halte – und so schnell konnte ich gar nicht gucken, da war ich selber Opfer.“ In Windeseile hatte jemand ein Bild ihres damals sechsjährigen Sohnes auf ihrer Seite gefunden und geteilt.

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