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Umstrittene Facebookseite : Warum es gefährlich ist, Bilder seiner Kinder online zu stellen

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Drohungen gegen Kritiker

Auf der ursprünglichen Seite „Little Miss & Mister“ machten sich einige Nutzer über die aufgebrachten Mütter lustig – oder sprachen sogar Drohungen aus gegen diejenigen, die sich kritisch zu Wort meldeten – und die Leute auf deren Freundesliste (FL): „Wow (...) du hast aber viele öffentliche Freunde mit Kindern...“ Auch der Administrator schrieb einmal: „Ich hab grad voll keine Zeit dein Geschreibsel zu lesen. Muss deine FL durchforsten.“ Die Rosenheimerin hat inzwischen eine eigene Facebookseite für Betroffene gegründet und viele Nutzer darauf aufmerksam gemacht, dass Bilder von ihren Kindern von „Little Miss & Mister“ veröffentlicht werden.

Das Problem: Einträge, die bei Facebook öffentlich und nicht nur für Freunde sichtbar sind, können problemlos mit einem einzigen Klick immer weiter verbreitet werden. Im Zweifel merken das die Betroffenen nicht einmal. Eine Benachrichtigung gibt es nur beim ersten Teilen – danach nicht mehr. Facebook äußert sich nicht zum konkreten Fall, das Unternehmen weist stattdessen darauf hin, dass Nutzer mit den Privatsphäre-Einstellungen festlegen können, wer ihre Bilder sehen kann. Befinden sich die Einstellungen auf „öffentlich“, sind eben auch die Posts öffentlich. Eine Umstellung auf Sichtbarkeit nur für Freunde kann das Problem beheben. Außerdem können Betroffene Verletzungen von Persönlichkeitsrechten bei Facebook melden, wie das Unternehmen betont.

Die 33-Jährige aus Rosenheim glaubt nicht an ehrenhafte Motive und sagt über die Seite: „Das ist für mich eine perfide Masche, Bilder – da sind auch leicht bekleidete Kinder dabei – Pädophilen zugänglich zu machen.“ Und sie ist nicht die einzige mit diesem Verdacht. Die Seite sei „ein Sammelbecken für Bilder, die pädophilen Menschen gefallen“, meint eine Facebook-Nutzerin. „Pädokeule hatten wir heute auch erst 1000 mal..“, lautet darauf die schlichte Antwort des Administrators.

„Sharenting“ ist die Wurzel des Übels

Der Cyberkriminologe Thomas-Gabriel Rüdiger von der Fachhochschule der Polizei des Landes Brandenburg sieht in dem Trend zum „Sharenting“, einem Kunstwort aus „share“ (teilen) und „parenting“ (Kindererziehung), die Wurzel des Übels. Wenn Eltern keine Bilder von ihren Kindern öffentlich machten, gäbe es auch eine solche Seite nicht. „Bilder von erkennbaren Kindern haben im Netz prinzipiell nichts verloren“, sagt Rüdiger. Die Polizei Hagen machte bereits im Jahr 2015 Schlagzeilen mit dem Aufruf „Hören Sie bitte auf, Fotos Ihrer Kinder für jedermann sichtbar bei Facebook und Co zu posten! - Auch Ihre Kinder haben eine Privatsphäre!“ Diesen Aufruf hat auch die Seite „Little Miss & Mister“ gepostet.

Einer amerikanischen Studie zufolge sind inzwischen 90 Prozent der Unter-Zwei-Jährigen schon im Netz präsent. Für Rüdiger ist dies eine Auswirkung des „digitalen Narzissmus“ der Eltern. „Viele zeigen diese Bilder ja nicht, weil sie damit ihren Kindern etwas Gutes tun möchten, sondern weil sie hoffen, mit den Bildern Anerkennung zum Beispiel in Form von Likes und Kommentaren zu bekommen.“ Sein Grundsatz: „Man sollte Bilder nur denen zur Verfügung stellen, denen man auch sein Kind anvertrauen würde. Und das trifft ja in den seltensten Fällen auf 300 Facebook- oder Instagramfreunde zu.“

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