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Betrugsmasche „Love Scam“ : Naiv, verliebt, betrogen

Auch die Täterprofile hat Whitty untersucht. Männliche Scammer, so weiß sie, kämen oft aus Afrika, und sie gäben sich als wohlhabende, alleinerziehende Witwer aus. Typische Berufe seien General, Geschäftsmann oder Firmeninhaber. Weibliche Scammer kämen häufig aus Russland oder Osteuropa und behaupteten, sie seien jung und verletzlich, typische Berufe seien Krankenschwester oder Lehrerin. In Wirklichkeit aber stammen die Täter aus dem Dunstkreis der seit Mitte der achtziger Jahre in Deutschland tätigen sogenannten „Nigeria Connection“, heißt es bei der Polizeilichen Kriminalprävention der Länder und des Bundes. Die „Nigeria Connection“ forderte ihre Opfer seinerzeit mit Faxen und Briefen dazu auf, gegen Provision beim Transfer von Millionenbeträgen behilflich zu sein.

Strafanzeige wegen des Verdachts der Geldwäsche

Love Scam ist allerdings noch viel perfider, weil hier zum finanziellen Verlust das gebrochene Herz dazu kommt. Und das schmerzt weit mehr als das verlorene Geld, wie auch Maria Flick erfahren musste. Nachdem sie ihrem James das Geld für das Übergepäck geschickt hatte, wurde er, noch bevor er sie endlich besuchen konnte, in einen Verkehrsunfall verwickelt. Aus der Klinik rief er sie an und flehte sie an, er brauche Geld, um die Ärzte zu bezahlen. Da hatte sie ihren Dispokredit schon ganz ausgereizt. Arthur verlangte, sie solle ihre Freunde anpumpen, ein Kredit bei einer anderen Bank aufnehmen. Er werde sich umbringen, wenn sie ihm nicht helfe. Da endlich vertraute sich Flick einer Freundin an. „Bist du eigentlich bescheuert?“, fragte die.

Im April - nach acht Monaten und mehr als 2000 Mails - wurde Flick dann von der Kriminalpolizei vorgeladen. Ihre Bank hatte Strafanzeige gegen sie wegen des Verdachts der Geldwäsche gestellt. Da waren bereits fast 20.000 Euro an Arthur geflossen. Flick sagte aus, dass sie keine Geldwäscherin sei, und die Polizei glaubte ihr.

Heute, ein halbes Jahr später, sucht sie immer noch nach einer Schulter zum Anlehnen. Und sie wird immer noch mindestens einmal im Monat von alleinerziehenden Witwern angeschrieben, die nur gebrochen Deutsch sprechen. Vor kurzem hat sich ihr jemand in fast identischen Worten vorgestellt wie seinerzeit James Arthur. Sie schrieb zurück, dass sie diese Masche kenne. Daraufhin meldet der Mann sein Profil bei Facebook ab.

Die Anzeige gegen Geldwäsche wurde kürzlich fallengelassen. Maria Flick hofft, dass sie auch ihr Geld zurückbekommt. Ansonsten muss sie jetzt sechs Jahre lang ihren Bankkredit in Höhe von 10.000 Euro abzahlen. „Ich fühl mich beschissen“, sagt sie. „Er hat so viel kaputtgemacht.“

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