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Betrugsmasche „Love Scam“ : Naiv, verliebt, betrogen

Zum Beispiel schrieb der Mann, er habe keinen Laptop bei sich, sondern könne von Malaysia aus nur über den Lobby-Computer skypen, allerdings ohne Kamera, da Skypen in der Öffentlichkeit dort verboten sei. Auch habe er nur ein altes Mobiletelefon ohne Kamera, das nur für Anrufe und SMS tauge. „Es kam mir alles komisch vor“, schreibt Misch74: „Habe ihn auch gegoogelt und im ganzen Internet geforscht. Natürlich kein Ergebnis. Alarmglocken auf Höchststufe. Trotzdem hat er mich so dermaßen einlullen können. Hat mir süße SMS geschrieben, haben jeden Tag geskypt. Er war immer zuckersüß. Und kurz vor Weihnachten ging’s dann los . . .“ Für den 23. Dezember hatte der Mann sein Kommen angekündigt, da dann sein Projekt fertig sei. Doch kurz vorher begannen die Probleme. Er erzählte, er müsse die Malaysier schmieren, und habe nun zu wenig Geld für den Transport der Ölanlageteile. 3000 Euro müsse er auftreiben. „Wiederum stutzig, sagte ich ihm, dass ich so viel Geld nicht auftreiben könnte. Da ging’s ab . . . Er machte mir so ein schlechtes Gewissen. Natürlich machte ich mir Gedanken, da ich Gefühle entwickelte. Und ja, ich Trottel überwies das Geld nach einiger Zeit. Zuerst 1600 Euro und nach unzähligen Gesprächen 2400 Euro.“

Ein gefälschtes Flugticket als Beleg

Danach wollte der Mann noch 6850 Euro für eine Transportversicherung, sein Kommen verzögerte sich um zwei Wochen, und in diesen zwei Wochen drohte er dann noch mit Selbstmord und einer krebskranken Mutter, deren Pflegeheimplatz er nicht bezahlen könne.

Über einen Kollegen, dem sie sich anvertraute, erfuhr Misch74 vom Phänomen Love Scam. Als sie ihrem Scammer die Meinung sagen wollte, kam er nicht mehr online. Sie schreibt: „Nun bin ich finanziell sehr geschädigt. Fühle mich sehr gedemütigt, und es ist mir peinlich, dass mir dies passieren konnte, da ich ein sehr misstrauischer Mensch bin. Habe meinen Gefühlen nicht vertraut - nun habe ich die Quittung.“

Maria Flick zahlte ebenfalls eine fünfstellige Summe an ihren Scammer. Nicht auf einmal, sondern nach und nach. Nachdem sie ihm das Geld für den Anwalt geschickt hatte, wollte Arthur sie besuchen. Doch vom Flughafen in Nordafrika aus rief er sie an, mit einer umgeleiteten Vorwahlnummer. Er habe Übergepäck, sie müsse sofort Geld überweisen.

Er schickte ihr sogar ein Foto von seinem Flugticket - es war gefälscht, wie sie inzwischen weiß. Damals jedoch zahlte sie. Und nicht nur sie allein. Eine Frau, von der Arthur behauptete, sie sei eine ehemalige Nachbarin von ihm, überwies über Flicks Konto ebenfalls Geld an Arthur - weil sie kein Konto bei Western Union hätte, wie Arthur behauptete. Flick schöpfte keinen Verdacht und glaubte den Begründungen Arthurs. Wie sie so naiv sein konnte, ist ihr heute ein Rätsel.

Aus dem Dunstkreis der „Nigeria Connection“

Forscherin Whitty hat die Psyche etlicher Opfer untersucht und herausgefunden, „dass Menschen, die starke romantische Überzeugungen haben, ein größeres Risiko haben, Opfer von Scammern zu werden, vor allem jene Menschen, die zur Idealisierung ihres Partners neigen“. Viele der weiblichen Opfer seien in früheren Beziehungen auch ausgenutzt worden. Nicht bewahrheitet habe sich indes die Annahme, dass Frauen mittleren Alters besonders häufig Opfer von Scammern würden. Vielmehr sei für viele Opfer entscheidend gewesen, dass der Scammer sie bedingungslos angehimmelt habe.

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