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Betrugsmasche „Love Scam“ : Naiv, verliebt, betrogen

„Vor Weihnachten bekomme ich immer besonders viele Anfragen“

So häufig wird inzwischen „gescammt“, dass eine britische Wissenschaftlerin schon darüber geforscht hat. „Man sollte Opfern sagen: Wenn die Person dich nicht in den ersten vier Wochen sehen will, such dir jemand anderen. Und gib nie jemandem Geld“, fasst Monica Whitty, Professorin für Zeitgenössische Medien an der Uni Leicester, ihre Untersuchungen über den Love Scam zusammen.

Whitty hat mit Hilfe einer britischen Stelle zur Ermittlung im Bereich Internetbetrug errechnet, dass in Großbritannien zwischen April 2010 und April 2011 592 Männer und Frauen Opfer von Love Scammern geworden sind. 203 Opfer überwiesen ihrem jeweiligen Scammer mehr als 5000 Pfund, Frauen verloren dabei insgesamt gesehen mehr Geld als Männer. Whitty schätzt, dass es unter Einbezug der Dunkelziffer in Großbritannien bis zu 230 000 Opfer geben könnte, und vieles deutet darauf hin, dass es hierzulande nicht weniger sind.

Monika Brandes, die Opfern dabei hilft, herauszufinden, wie ihr Scammer wirklich heißt, hat innerhalb der letzten sechs Jahre mehrere tausend Fälle bearbeitet und mehr als 60.000 Mails gespeichert. „Vor Weihnachten bekomme ich immer besonders viele Anfragen von abgezockten Frauen“, sagt Brandes, die aus Angst vor den Scammern ihren wirklichen Namen nicht veröffentlichen will.

Nach drei bis sechs Wochen wird das Verfahren eingestellt

Besonders gut erinnert sie sich an einen Fall aus Baden-Württemberg. Eine Frau Mitte Vierzig, verheiratet mit einem Arzt und Mutter von zwei Kindern, war einem Scammer auf den Leim gegangen und hatte ihm bereits 50 000 Euro vom Familienkonto überwiesen, als ihr Ehemann sich an Brandes wandte. Brandes riet ihm, alle Konten für seine Ehefrau zu sperren und ihr nur noch Bargeld auszuhändigen. Der Arzt hielt sich aber nicht daran. Vor einem Jahr erfuhr Brandes dann, dass die Frau weitere 200.000 Euro an den Scammer überwiesen und der Arzt die Scheidung eingereicht hatte. „Das Geld hat der Mann nie wiedergesehen.“

Brandes indes ist sogar schon angeboten worden, sich als Handlangerin zu verdingen und so selbst Kasse zu machen. „Ein Scammer, der wusste, dass ich mich gegen seinesgleichen einsetze, fragte mich, ob ich nicht für ihn Gelder eintreiben wolle, und er würde mir dann einen Teil davon abgeben“, erzählt sie. Natürlich habe sie abgelehnt. Aber wenn sie sich anschaut, wie die Ermittler so mit dem Delikt Love Scam umgehen, dann ahnt sie, dass ihre Tugendhaftigkeit hier auch nicht weiterhilft: „Wenn die Frauen einen Scammer anzeigen, wird das Verfahren nach drei bis sechs Wochen eingestellt.“

Allen Alarmsignalen zum Trotz

In Internetforen wie „romancescambaiter.de“ oder „gofeminin.de“ gibt es Dutzende Berichte von geschröpften und frustrierten Frauen. Eine von ihnen ist „Misch74“, eine Schweizerin. Sie schreibt, sie habe in einer kostenfreien Online-Partnerbörse einen vierzig Jahre alten Ingenieur kennengelernt, der siebzehn Jahre auf einer Bohrinsel gearbeitet habe und sich dann im Ölanlagenbau selbständig gemacht habe. Der Mann sei unheimlich attraktiv gewesen, sie habe sich „gewundert, dass er Single ist bzw. geschieden“, aber er habe ihr erklärt, „seine Ex-Frau hätte ihn betrogen und er habe einen neunjährigen Sohn namens Daniel“. Er schrieb, er müsse demnächst nach Malaysia, aber danach wolle er sie unbedingt kennenlernen. „Ich dachte mir, naja, wieso nicht - obwohl mir es schon komisch vorkam, dass er an mir Interesse zeigte. Er schrieb dann, dass er keine extrem schlanke Frau mehr möchte sondern eine mit Herz und Verstand. Hat mich eingelullt mit Liebesschwüren und ich doofe Kuh fiel darauf rein. Trotz diverser Signale, die mich extrem stutzig machten.“

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