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Geständnis nicht verwendbar : Darum ist der Verdächtige im Fall Peggy K. wieder frei

Das abgesperrte Waldstück, in dem die Polizei 2016 Knochen von Peggy fand. Bild: dpa

Das widerrufene Teilgeständnis kann nicht mehr gegen den Verdächtigen im Fall Peggy K. verwendet werden. Seine Vernehmung hätte laut Ermittlungsrichter nicht ohne Verteidiger stattfinden dürfen.

          Es schien der endgültige Durchbruch im Fall Peggy K. zu sein: Am 10. Dezember wurde gegen einen Tatverdächtigen Haftbefehl wegen Mordes erlassen – zwei Jahre, nachdem die sterblichen Überreste des Kindes in einem Wald in Thüringen gefunden worden waren und 17 Jahre, nachdem die damals Neunjährige spurlos im oberfränkischen Lichtenberg verschwunden war. Doch am 24. Dezember verneinte das Amtsgericht Bayreuth nach der Haftbeschwerde des Manns vom 20. Dezember den dringenden Tatverdacht: Der 41 Jahre alte Mann aus dem Landkreis Wunsiedel, der schon seit Monaten im Fokus der Ermittler ist, wurde aus der Untersuchungshaft entlassen, der Haftbefehl aufgehoben.

          Karin Truscheit

          Redakteurin im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          Nach Ansicht des Amtsgerichts kann das widerrufene Teilgeständnis nicht mehr gegen den Mann verwendet werden, wie die Staatsanwaltschaft Bayreuth mitteilte. Zwar begründet laut Amtsgericht das „Spurenbild am Ablageort“ den Verdacht, dass er den Leichnam im Wald bei Rodacherbrunn abgelegt habe, etwa 20 Kilometer von Lichtenberg entfernt. Die Spuren begründeten jedoch nicht ein „vorausgegangenes Tötungsdelikt“. Ebenso wenig untermauern demnach weitere Ermittlungsergebnisse, etwa Zeugenaussagen, den dringenden Tatverdacht für eine Sexualstraftat oder ein Tötungsdelikt.

          Die Staatsanwaltschaft Bayreuth, die in dem Fall Peggy K. zur Zeit keine Verfahren gegen weitere Beschuldigte führt, prüft nun, ob sie gegen den Beschluss des Amtsgerichts Beschwerde einlegen wird. Untersucht wird demzufolge auch die Frage, ob die Vernehmung des Tatverdächtigen „entgegen der Rechtsmeinung des Ermittlungsrichters“ im September ohne Verteidiger erfolgen durfte.

          „Umfassend“ über seine Rechte belehrt?

          Der Mann hatte im September angegeben, dass er im Mai 2001 den leblosen Körper des Kindes in den Wald in Thüringen gebracht habe. Er will das leblose Kind von einem anderen Mann, zu dessen Identität die Staatsanwaltschaft keine Angaben macht, an einer Bushaltestelle übernommen haben. Angeblich habe er noch versucht, das Kind wiederzubeleben. Dann habe er das Mädchen jedoch in eine Decke gepackt, in den Kofferraum seines Autos gelegt und in den Wald gebracht.

          Bei den Vernehmungen am 12. September wurde der Beschuldigte laut Staatsanwaltschaft nicht durch einen Anwalt vertreten. Er sei jedoch zuvor „umfassend“ über seine Rechte belehrt worden. Ebenso darüber, dass die Vernehmung, die mit Pausen von 8.40 Uhr bis 18.32 Uhr dauerte, auf Video aufgezeichnet werde. „Dabei wurde dem Beschuldigten durchgehend die Möglichkeit eingeräumt, einen Verteidiger zu kontaktieren.“ Danach hatte die Polizei seine Angaben überprüft sowie weitere Beweismittel ausgewertet. „Wesentliche Angaben des Beschuldigten“ sowie der von ihm geschilderte Ablauf konnten jedoch laut Polizei nicht mit den Ermittlungsergebnissen in Einklang gebracht werden. Darauf begründete die Polizei den dringenden Tatverdacht: Es stehe im Raum, dass mit der Tötung des Kindes, das am 7. Mai 2001 auf dem Heimweg von der Schule verschwand, eine zuvor begangene Straftat verdeckt werden sollte.

          Polizei und Staatsanwaltschaft gehen von einem Mord an Peggy K. „im unmittelbaren zeitlichen Zusammenhang mit ihrem Verschwinden“ aus. Auf den Beschuldigten wiesen unter anderem die Spuren vom Fundort der sterblichen Überreste: Bei der Auswertung hatte eine forensische Palynologin Pollen festgestellt, die als Bestandteil von Torf identifiziert wurden. Dies deckte sich mit der Erkenntnis der Polizei, dass der Mann am Tattag „Pflanzarbeiten“ vorgenommen hatte.

          Laut Staatsanwaltschaft hatte der Mann nach seiner Festnahme und vor dem Ermittlungsrichter keine weiteren Angaben gemacht.

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