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Waffenverbotszone in Wiesbaden : Die Gefahr in der Tasche

  • -Aktualisiert am

Die Wiesbadener Polizei hat erstmals in der neu eingerichteten Waffenverbotszone kontrolliert. In zwei Nächten wurden insgesamt fünf Messer beschlagnahmt.

          Freitag Abend, 22.30 Uhr, es ist kalt und nass. Vor dem Revier der Wiesbadener Stadtpolizei versammeln sich 30 Beamte. Sie bereiten sich auf eine lange Nacht vor. Sie sollen kontrollieren, ob das in Teilen der Innenstadt seit Jahresbeginn geltende Waffenverbot eingehalten wird. In mehreren Teams ziehen die Polizisten los. Eines davon startet am Mauritiusplatz.

          Hier wurde im Sommer 2017 ein Neunzehnjähriger von einem 25 Jahre alten Studenten niedergestochen und getötet. Zwei weitere Personen wurden verletzt. Auch ein Polizeianwärter war damals in den Vorfall verwickelt. Die Tat war für viele in Wiesbaden ein Schock. Ist die Innenstadt doch eher für ihre schmucken Bauten und vielen Geschäfte als für Gewalt und Verbrechen bekannt. Der Fall löste in der Bevölkerung und unter Politikern eine intensive Diskussion um die Sicherheit in der Stadt aus. Als Konsequenz wurde beschlossen, in Teilen der Wiesbadener Innenstadt eine Waffenverbotszone einzurichten.

          „Ist auch zu kalt, um draußen herumzusitzen“

          Nichts deutet an diesem Abend am Mauritiusplatz auf Gewalt. Ein paar Passanten laufen durch die Straßen, die Mitarbeiter der „Winterstubb“ schließen ihre Läden, und die bunten Lichter des Riesenrades leuchten. Die Beamten ziehen weiter über die Kirchgasse zum Michelsberg. Vor einer kleinen Seitengasse, die hinter das Parkhaus an der Coulinstraße führt, bleiben sie stehen. Hier würden sich öfters Jugendliche treffen und Alkohol trinken oder Marihuana rauchen, heißt es. Heute ist hier allerdings niemand. „Ist auch zu kalt, um draußen herumzusitzen“, sagt ein Polizist. Die Beamten beratschlagen sich. Es sei ungewöhnlich ruhig für einen Freitagabend, sagen sie. Sie beschließen, zur Wellritzstraße zu gehen. Dort sei eigentlich immer etwas los.

          Die Straße liegt am äußeren Rand der Waffenverbotszone. Neben der Fußgängerzone umfasst sie auch Teile des Inneren Westends bis zur Hellmundstraße. Doch auch hier ist außer ein paar Männern, die vor einigen der Lokale stehen und rauchen, niemand auf der Straße.

          „Eigentlich kann man ja froh sein, wenn alles ruhig ist“, sagt Boris Breitmeyer von der Pressestelle der Landpolizei. Erst am Tag zuvor seien drei Personen bei einem Nachbarschaftsstreit, allerdings außerhalb der Waffenverbotszone, mit einem Messer verletzt worden. Dass sich solche Vorfälle häufen, bestätigt auch Karl-Heinz Brassat, Polizeidirektor der Landespolizei. Viele junge Männer würden mit Messern in der Tasche auf die Straße gehen. Sie seien sich dabei oft nicht im Klaren, dass das Mitführen einer solchen Waffe zwangsläufig die Gefahr erhöhe, dass sie eingesetzt werde, sagt er. Fakt sei jedoch: „Messer machen Mörder.“

          Passanten zeigen sich überrascht

          Viele Passanten zeigen sich am Freitagabend überrascht von dem großen Polizeiaufgebot. Jürgen Endres und seine Ehefrau Doris aus Eltville finden die Kontrollen jedoch gut. In den vergangenen Jahren habe sich in Wiesbaden viel verändert. Der Ton sei aggressiver geworden. Sie hätten sich nicht mehr sicher gefühlt. „Wenn wir spät Abends zum Beispiel aus dem Kino kommen, schauen wir jetzt immer, dass wir schnell zum Parkhaus kommen“, sagt Jürgen Endres.

          Die Studentin Sophia Weichelt hat keine Angst. Die gebürtige Wiesbadenerin hat sich ihren Worten nach in der Innenstadt noch nie unsicher gefühlt. „Betrunkene, die auf der Fußgängerzone unterwegs sind, gab es schon immer“, sagt sie. Die junge Frau ist der Meinung, dass in der Debatte über die Waffenverbotszone oft vernachlässigt worden sei, dass die Kriminalitätsrate in Wiesbaden seit Jahren rückläufig ist. „Die Stadt ist alles andere als eine Gefahrenzone“, sagt sie.

          Zumindest an diesem Abend, in diesem Viertel scheint die Studentin recht zu haben. An der Schwalbacherstraße, kurz nach dem Platz der Deutschen Einheit, treffen die Beamten auf eine siebenköpfige Gruppe jugendlicher Migranten, die auf ihren Bus warten. Auffällig haben sich die jungen Männer nicht verhalten. Sie hatten weder Alkohol dabei, noch sind sie besonders laut gewesen. Größere Gruppen junger Männer gehörten jedoch zur Hauptklientel der Polizei, sagt Boris Breitmeyer.

          Eher ruhige Kontrolle

          Die Jugendlichen lassen die Kontrolle bereitwillig über sich ergehen. Jacke, Hose, Rucksack, alles wird von den Beamten überprüft. Auch ihre Socken müssen sie den Polizisten zeigen. Außer Sonnenblumenkernen und Handys haben die Jungs jedoch nichts in ihren Taschen.

          Die Bilanz von Freitag- und Samstagnacht: Die Einsatzkräfte kontrollierten 190 Personen. Blieb es am Freitagabend eher ruhig, lediglich ein Taschenmesser wurde von einem der Einsatzteams sichergestellt, konnten die Beamten am Samstag vier Messer beschlagnahmen.

          Nach nur einem Wochenende lasse sich noch keine aussagekräftige Bewertung zur Waffenverbotszone treffen, sagt Polizeidirektor Brassat. Ob das Waffenverbot tatsächlich wirke, werde sich wohl erst zeigen, wenn die Temperaturen wieder dazu einladen, nachts in Wiesbaden unterwegs zu sein.

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