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Vor Gericht : Prinz Ernst August will alten Fall neu aufrollen

  • -Aktualisiert am

Wegen schwerer Körperverletzung zu 445.000 Euro Strafe verurteilt. Bild: dpa

Vor dem Landgericht Hildesheim geht es um den Vorwurf der schweren Körperverletzung. Und Ernst August Prinz von Hannover geht es um seinen Ruf. Er will nun neue Beweise vorlegen, die den Fall in einem anderen Licht erscheinen lassen sollen.

          Es geht darum, ob der Angeklagte vor neun Jahren auf der kenianischen Ferieninsel Lamu einem deutschen Diskothekenbesitzer „nur“ Ohrfeigen verpasst oder auch einen Schlagring eingesetzt hat und ob er dabei betrunken war - beides bestreitet der Angeklagte Ernst August Prinz von Hannover. Zum erstenmal lacht er eine halbe Stunde nach Verfahrensbeginn, als Richter Andreas Schlüter sagt, mit dem Jahreseinkommen von 170 000 Mark aus Land- und Forstwirtschaft, der dem Strafmaß im früheren Urteil zugrunde lag, könne der Prinz sich kaum die Leibwächter leisten - zwei begleiten ihn im Gerichtsaal in Hildesheim- und Autos „der Luxusklasse“ und Urlaube in Salzburg. Noch einmal ein leises Lächeln, als der Richter sagt, eine Einigung auf einen zu niedrigen Tagessatz wäre für den Prinzen „ruf- und kreditschädigend“. Ernst August Prinz von Hannover hat hinreichend Erfahrungen mit Gerichten.

          Im „Kenia-Fall“ erschien er am Montag zum ersten Mal selbst vor Gericht - bislang hatte er sich stets von Anwälten vertreten lassen. Nicht immer mit Erfolg: Gegen den Anwalt, der ihn in der ersten Runde des Falls vertrat, hat der Chef des Welfenhauses Strafanzeige erstattet und ihn auf Schadensersatz verklagt, weil er ihn „regelrecht hintergangen“ habe - er habe ein Geständnis vorgelegt von Dingen, die Ernst August nie getan habe, um ein niedrigeres Strafmaß zu erreichen.

          Ernst August bestätigte mit einem „Ja“

          Noch einmal kommt der Vorsitzende Richter der Strafkammer am Montag auf das Einkommen des Angeklagten zu sprechen. Darüber müsse man möglicherweise Beweis erheben, um zu einem angemessenen Tagessatz zu kommen. Denn dass der „Prinz von Hannover“ - die Anredeform, auf die sich das Gericht festlegte - zumindest wegen einfacher Körperverletzung verurteilt werde, sei gewiss, auch nach der 17 Seiten umfassenden Erklärung des Angeklagten, die dessen Frankfurter Anwalt Hans Wolfgang Euler zum Beginn des Verfahrens verlas. Außer einem klaren Ja, mit dem Ernst August bestätigte, die vorgetragene Erklärung sei seine Aussage, wird er vor Gericht schweigen und vermutlich auch nicht mehr dort erscheinen. Seine Frau Caroline Prinzessin von Hannover und Monaco ist für Ende Juli als Zeugin vorgesehen - bis dahin sind ein halbes Dutzend Verhandlungstermine angesetzt.

          Der Prinz von Hannover hofft, dass neue Zeugenaussagen ihn entlasten.

          Der Prinz wirkt vor Gericht gelassen. Anzug, Hemd, Krawatte und Einstecktuch - alles in abgestuftem Blau und hellen Tupfen. Mit seinen drei Anwälten, einem aus Kenia, spricht er leise auf Englisch. So kommen die etwa 50 Fernseh- und Fotokameras vor und im Gerichtssaal auch an ihn nicht direkt heran - wohl aber an einen Doppelgänger, der sich als „authentisches Double“ ausgibt und Karten verteilt. Mit Ernst August, der nach eigenem Bekunden seit 30 Jahren nicht mehr in Deutschland lebt, auch wegen ihn bedrängender Paparazzi, hat er auch diesmal nicht gesprochen. Karten verteilt auch der Nebenkläger vor Verfahrensbeginn - diese weisen Josef Brunlehner aus als Inhaber und Leiter von sieben Hotels und Restaurants in Kenia. Er freut sich über die Aufmerksamkeit und behauptet, der Prinz habe noch nie nur mit den Händen geschlagen, sondern stets Instrumente benutzt, Regenschirme oder in seinem Fall eben einen Schlagring. Ernst August hält in seiner Erklärung dagegen, Brunlehner gelte in Kenia als deutscher Steuerflüchtling, der „in zweifelhafte Immobiliengeschäfte verwickelt“ sei.

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