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Prozess um Unternehmer : Kronzeuge belastet Falk schwer

Der Unternehmer muss sich seit Ende August vor dem Frankfurter Landgericht verantworten. Bild: EPA

Hat Alexander Falk einen Anschlag auf einen Frankfurter Rechtsanwalt in Auftrag gegeben? Der Kronzeuge erhebt am Dienstag vor Gericht schwere Vorwürfe gegen den Hamburger Unternehmer.

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          Endlich ist er da, der Tag des Kronzeugen, um den sich in diesem Prozess alles dreht. Auftritt eines Mannes, der so dubios scheint wie viele Personen, die in dem Wirrwarr um die Geschichte von Alexander Falk und die Schüsse auf einen Frankfurter Rechtsanwalt Anfang 2010 vorkommen. Etem E. aus Hamburg, 47 Jahre alt, den ein Beamter des Landeskriminalamtes (LKA) als „Handlanger im Drogenhandel-Milieu“ bezeichnet hat und der offensichtlich in äußerst zwielichtigen Kreisen verkehrt, soll endlich aussagen.

          Anna-Sophia Lang

          Freie Autorin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Vor zwei Wochen noch hat ein anderer Zeuge, E.s Onkel, ihn in schlechtem Licht dastehen lassen. Er hatte angegeben, von ihm mit massivem Druck zu einer Aussage bei der Polizei gedrängt worden zu sein, die mit E.s Aussage übereinstimmte und Falk schwer belastete, aber gelogen war. Auch die Staatsanwaltschaften Hamburg und Frankfurt befassen sich aktuell mit E. wegen der Erpressung Falks und einer Tatbeteiligung an dem Schuss. Doch E. bleibt bei seiner Geschichte.

          „Hass auf jemanden“

          Eines Tages – laut Staatsanwaltschaft im September 2009 – habe ihn ein Bekannter angerufen und zu einem Steakhaus in Hamburg gebeten. Dort sei Falk dazugekommen, „aufgeregt und böse“, habe einen Briefumschlag über den Tisch geschoben und gesagt, man solle noch warten, bis er „weggeflogen“ sei. „Ich habe gemerkt, dass er Hass auf jemanden hat“, sagt E.

          Tage später habe er zusammen mit dem Bekannten in einem Restaurant „die Täter“ getroffen, „Leute“ des Bekannten. Letzterer habe ihnen 50.000 Euro in 500-Euro-Scheinen übergeben. Den Rest, 150.000 Euro, sollten sie laut E. bekommen, wenn die Tat erledigt sei. „Und irgendwann haben sie es dann geschafft, auf den Anwalt zu schießen.“ Doch Falk habe nicht bezahlen wollen, sagt E. und will dies mit einer angeblichen Nachricht an den Bekannten belegen. „Deine Jungs taugen nichts“, habe Falk geschrieben, denn der Anwalt sei nur angeschossen und nicht getötet worden.

          Falk bestreitet „Schadenfreude“ nicht

          Klar ist: Im Februar 2010 lauerte dem Juristen einer Großkanzlei morgens vor dessen Haus in Frankfurt ein Mann auf, der auf ihn schoss. Der Jurist wurde getroffen, kam mit einem Durchschuss im Oberschenkel ins Krankenhaus. Noch im Rettungswagen sagte das Opfer, er bereite eine millionenschwere Zivilklage gegen den Hamburger Unternehmer Alexander Falk vor und halte ihn für den Drahtzieher. Klar ist auch: Der Bekannte, von dem der Kronzeuge E. spricht, ist der Bruder eines Mannes, den Falk während seiner Haft in Hamburg kennenlernte, die er nach einer Verurteilung wegen versuchten Betrugs absaß. Mit den Brüdern, Niyazi und Ciko B., schloss er sich danach zusammen, um an Daten des Anwaltes zu kommen, in denen er entlastendes Material vermutete. Die drei begannen zudem gemeinsame Geschäfte.

          Doch im Lauf der Jahre, so erzählt es E., habe die Beziehung der drei gelitten. So sehr, dass die Brüder schließlich eine heimliche Tonbandaufnahme von Falk bei einem Treffen in Istanbul machten. Darauf ist zu hören, wie Falk sich über den Schuss auf den Anwalt freut. Wenngleich ein Gutachten ergeben hat, dass die Aufnahme manipuliert ist, bestreitet Falk die „Schadenfreude“ nicht.

          „In die Türkei locken und irgendwo begraben“

          Die Aufnahme, so stellt es E. dar, hätten die Brüder genutzt, um auf Falk Druck auszuüben. Weil er, E., sie in Falks Briefkasten werfen sollte, habe er davon erfahren und sie heimlich kopiert. Doch als die drei das mitbekamen, hätten sie ihn unter massiven Druck gesetzt und bedroht. Falk habe ihn „wegmachen“ wollen, sagt E., und von den Brüdern gewollt, dass sie ihn „in die Türkei locken und irgendwo begraben“. Schließlich habe er Angst um sein Leben gehabt und sich an die Polizei gewandt. Irgendwann, sagt E., sei er mit der Auftragsmord-Geschichte herausgerückt. Dafür hat er inzwischen die Belohnung erhalten, die zwei Kanzleien ausgelobt hatten: 100.000 Euro. Dass es ihm um Geld ging, bestreitet er, jedoch hatte ein LKA-Beamter ausgesagt, E. habe von Beginn an Geld für Hinweise haben wollen.

          Was wahr ist und was nicht, ist in diesem Prozess fast unmöglich zu durchblicken. Das Dickicht der kriminellen Vorgeschichten und Verflechtungen ist eng. Das betrifft auch eine weitere Geschichte, die E. an diesem Tag erzählt: Ein Hamburger Anwalt und alter Freund von Falk sei auf den Anwalt seines Onkels zugekommen, der Falk vor zwei Wochen entlastet hatte. Vor dessen Aussage vor Gericht habe es Verhandlungen darüber gegeben, ob dieser für eine Falschaussage in dem Prozess vier bis fünf Millionen Euro bekomme. E. will zwei Zeugen benennen, die das vor Gericht bestätigen können. Ob das der Wahrheit entspricht? Das Gericht wird es herausfinden müssen. Die Aufgabe wird für die Kammer mit keinem Prozesstag leichter.

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