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Berühmter Gangsterboss : Töteten Auftragsmörder James „Whitey“ Bulger?

  • -Aktualisiert am

James „Whitey“ Bulger auf Fahndungsfotos von 1953 Bild: AP

Sein Leben diente als Vorlage für den Film „The Departed“: Jetzt ist der berüchtigte amerikanische Gangsterboss James „Whitey“ Bulger tot. Seine lange vermuteten Kontakte zur Polizei könnten ihm im Gefängnis zum Verhängnis geworden sein.

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          Sein Ende hatte James „Whitey“ Bulger sich immer wieder ausgemalt. Nach einem Aufenthalt in Alcatraz, wo der irisch-amerikanische Gangster in den Sechzigern drei Jahre verbrachte, phantasierte er wiederholt über einen ruhigen Tod in einer Zelle der Gefängnisinsel mit Blick über die San Francisco Bay. Auch Martin Scorseses Vision von einem Ende im Kugelhagel, die der Hollywood-Regisseur vor zwölf Jahren in dem von Bulgers Leben inspirierten Mafia-Thriller „The Departed – Unter Feinden“ entwarf, soll den einstigen Bandenchef beeindruckt haben.

          Am Dienstag nahm Bulgers Leben unerwartet ein weit weniger imposantes Ende. Nach der Mitteilung des Justizministeriums, der Neunundachtzigjährige sei am Morgen in einem Gefängnis in West Virginia verstorben, meldeten amerikanische Medien, „Whitey“ sei in seinem Rollstuhl erschlagen worden. Bulger war erst am Montag aus Florida in die Justizvollzugsanstalt Hazelton in Bruceton Mills verlegt worden.

          Nach ersten Ermittlungen wurde er von drei Mithäftlingen in seinem Rollstuhl in eine Ecke geschoben, die nicht von Überwachungskameras erfasst wurde. Dort sollen die Männer Bulger bewusstlos geschlagen haben. Das Internetportal „TMZ“ berichtete von einem mit Metallteilen gefüllten Strumpf, mit dem einer der Häftlinge auf „Whitey“ einprügelte. Die Angreifer sollen zudem versucht haben, dem einstigen Chef der Winter Hill Gang mit einem selbstgebastelten Werkzeug die Augen auszustechen. Mit der Verstümmlung der Augen, so erste Spekulationen über das Motiv, wollten sich Mitglieder anderer Banden für Bulgers Rolle als Informant der amerikanischen Bundespolizei (FBI) rächen.

          Einer der brutalsten Verbrecher

          Der Bostoner galt jahrzehntelang als einer der brutalsten Verbrecher der Vereinigten Staaten. Als Kopf der berüchtigten Winter Hill Gang orchestrierte er in den siebziger und achtziger Jahren Drogenhandel, Geldwäsche und Erpressungen. Immer wieder wurde „Whitey“, wie er wegen seiner blonden Haare hieß, auch zum Mörder. „Er hat Leute erstochen, mit Baseballschlägern verprügelt, erwürgt, erschossen oder mit dem Auto überfahren. Morden war für ihn eine Art Stressbewältigung“, erinnerte sich Bulgers ehemaliger Komplize Kevin Weeks später.

          James „Whitey“ Bulger auf einem Foto der Polizei 2011
          James „Whitey“ Bulger auf einem Foto der Polizei 2011 : Bild: AFP

          Mitte der Siebziger soll der Gangster zum ersten Mal als Polizeispitzel gegen rivalisierende Banden aktiv geworden sein. Wie man sich in Boston erzählte, warnten ihn Beamte des FBI damals im Gegenzug wiederholt vor bevorstehenden Festnahmen. Auch Ende Dezember 1994 war es wieder so weit. Um einem Prozess zu entgehen, verließ der Sohn einer Irin und eines Neufundländers über Nacht seine Heimatstadt Boston. Mit seiner Lebensgefährtin Catherine Greig flüchtete Bulger nach Kalifornien. Obwohl sein Name nach Usama Bin Ladins Tod auf der Liste der meistgesuchten Verbrecher der Vereinigten Staaten den ersten Platz einnahm, lebte er 16 Jahre lang unbehelligt in dem Küstenort Santa Monica. Fahndungsfotos im Fernsehen brachten die Justizbehörden im Sommer 2011 schließlich doch auf Bulgers Spur. Eine Friseurin hatte auf den Bildern ihre Kundin Greig erkannt. Bei einem aufsehenerregenden Strafverfahren in Boston wurde „Whitey“ vor fünf Jahren zu lebenslanger Haft verurteilt. Den Vorwurf, als Spitzel für das FBI gearbeitet zu haben, hatte er während des Prozesses immer wieder wütend zurückgewiesen.

          Nach Recherchen des „Boston Globe“ sollen Bulger die lange vermuteten Polizeikontakte jetzt dennoch zum Verhängnis geworden sein. Im Bundesgefängnis Hazelton traf er am Montag angeblich auch auf Fotios „Freddy“ Geas, einen Auftragsmörder der Mafia. Der Einundfünfzigjährige verbüßt in West Virginia eine lebenslange Freiheitsstrafe, weil er vor 15 Jahren an der Ermordung des Bandenchefs Adolfo „Big Al“ Bruno in Massachusetts beteiligt war. Nach ersten Ermittlungen soll Geas auch für Bulgers Tod verantwortlich sein. „Freddy hasst Spitzel“, sagte der Privatdetektiv Ted McDonough. „Und Freddy hasst Leute, die Frauen missbrauchen. Whitey war ein Spitzel, der Frauen getötet hat. So einfach ist das.“

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