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Verletzte in Volkmarsen : Vernehmung des mutmaßlichen Täters steht noch aus

  • Aktualisiert am

Inzwischen wurde der Tatort in Volkmarsen wieder freigegeben. Bild: Lucas Bäuml

Zum Motiv des Mannes, der in Volkmarsen in eine Menschenmenge fuhr, gibt es weiterhin nur wenig Erkenntnisse. Bislang deutet Ermittlerkreisen zufolge nichts auf eine politische Motivation hin. Unter den mehr als 50 Verletzten ist auch ein drei Jahre altes Kind.

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          Nach dem Vorfall im nordhessischen Volkmarsen mit mehr als 50 Verletzten steht die Vernehmung des mutmaßlichen Täters noch aus. Er war am Montagabend nicht vernehmungsfähig gewesen. „Die Vernehmung wird noch stattfinden“, sagte ein Sprecher des Polizeipräsidiums Nordhessen am Dienstagvormittag in Volkmarsen. „Es wird in alle Richtungen ermittelt.“ Das Fahrzeug, ein silberner Mercedes, sei auf den mutmaßlichen Täter zugelassen.

          Zum Motiv gibt es weiterhin nur wenig Erkenntnisse. Wie aus Ermittlerkreisen zu hören war, deutet derzeit nichts auf ein terroristisches oder politisch motiviertes Motiv hin. Auch die in der Wohnung des Mannes sichergestellten Datenträger, Schriftstücke und weiteren Unterlagen haben dem Vernehmen nach keine aufschlussreichen Erkenntnisse erbracht. Alkoholisiert war der mutmaßliche Täter demnach nicht. Allerdings stehe ein detailliertes Ergebnis des Drogentests noch aus. Einen Anschlag hatte das hessische Innenministerium am Montagabend nicht ausgeschlossen. 

          Am Montag war ein Auto beim Rosenmontagszug in eine Menschenmenge gefahren. Am Steuer saß ein 29 Jahre alter Mann, der aus Volkmarsen kommt. Er wurde festgenommen. Die Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt ermittelt wegen eines versuchten Tötungsdelikts. Insgesamt wurden bei der Tat mehr als 50 Menschen verletzt, darunter 18 Kinder. Das Jüngste ist nach Polizeiangaben drei Jahre alt. Bezüglich der Schwerverletzten sagte der Sprecher in Volkmarsen, dass sich deren Situation nicht verschlechtert habe. 35 Menschen wurden am Dienstagvormittag noch stationär im Krankenhaus behandelt.

          Die Zahl der Verletzten war nach der Tat mehrfach gestiegen, da sich bei der Polizei noch immer verletzte Menschen melden. Das Polizeipräsidium bat alle Menschen, die Verletzungen davongetragen haben – „auch wenn keine ärztliche Behandlung notwendig war“ –, sowie alle Personen, die Hinweise zum Täter und dem Tathergang machen könnten, sich unter der Rufnummer 0800/1103333 zu melden. 

          Beuth: Keine Hinweise auf Zusammenhang mit Hanau

          Inzwischen wurde auch der Tatort in Volkmarsen gereinigt und freigegeben. Kolonnen von Polizeifahrzeugen rollten am Dienstagvormittag durch den Ort. Einsatzkräfte schirmten auch die beiden Häuser ab, bei denen es am Abend zuvor Einsätze von Spezialkräften gegeben hatte.

          Am Vormittag sollten in Volkmarsen die Vorbereitungen für einen ökumenischen Gottesdienst beginnen, wie der katholische Pfarrer Martin Fischer sagte. „Die Volkmarser haben einen sehr guten Zusammenhalt. Ich denke, dass dieser Zusammenhalt nicht durch die Tat beschädigt wird.“ Die Einwohner gingen unterschiedlich mit dem Erlebten um. Die einen wollten darüber sprechen, die anderen ziehen demnach sich zurück. Der ökumenische Gottesdienst soll um 18 Uhr in der katholischen Kirche St. Marien beginnen.

          Es ist die zweite Tat in Hessen innerhalb weniger Tage, die Deutschland erschüttert. Am Donnerstag hatte ein 43 Jahre alter Deutscher in Hanau neun Menschen mit ausländischen Wurzeln erschossen. Der Sportschütze soll auch seine 72 Jahre alte Mutter und dann sich selbst getötet haben. Nach bisherigen Erkenntnissen hatte der mutmaßliche Täter eine rassistische Gesinnung und war psychisch krank. „Es gibt zum jetzigen Zeitpunkt keinerlei Hinweise, dass die beiden Taten in Zusammenhang stehen“, sagte Innenminister Peter Beuth im Gespräch mit der F.A.Z. 

          In beiden Fällen würden die Ermittlungen mit Hochdruck geführt. Zwei so gravierende Taten innerhalb weniger Tage verunsicherten viele Menschen. „Diese Taten dürfen aber nicht dazu führen, dass sie uns diktieren, wie wir zu leben haben. Hessen ist und bleibt ein weltoffenes und freiheitsliebendes Land.“ Die große Mehrheit der Bürger teile dieselben Werte und Vorstellungen zu ihrem Zusammenleben. „All jenen, die diese Grundüberzeugungen, aus welchem Motiv auch immer, angreifen oder sie gewaltsam verändern wollen, werden wir mit allen Mitteln des Rechtsstaats bekämpfen“, so Beuth.

          Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat sich „tief erschüttert“ gezeigt. „Meine Gedanken sind bei den Opfern und ihren Angehörigen. Ich wünsche den Verletzten von Herzen eine vollständige Genesung“, sagte er laut einer Mitteilung vom Dienstag auf Facebook. Steinmeier dankte zudem den Helfern: „Mein Dank gilt den Einsatzkräften vor Ort.“

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