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Volkmarsen : Die Stille nach dem Knall

Gemeinsamer Gottestdienst vor der St. Marien Kirche in Volkmarsen Bild: Lucas Bäuml

Eigentlich ist die Kleinstadt Volkmarsen eine Karnevalshochburg. Doch am Tag nachdem ein Auto in den Rosenmontagszug fuhr, ist niemandem zum Feiern zumute. Der Verdächtige sitzt in Untersuchungshaft.

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          Am Ortseingang von Volkmarsen steht ein Schild: „Närrisches Hoheitsgebiet“. Am Tag nachdem ein Mann sein Auto wohl absichtlich in einen Umzug lenkte, ist vom Karneval nicht mehr viel übrig geblieben. An einigen Türen hängen Luftballons, in manchen Fenstern bunter Schmuck, und an Kneipen und Wirtshäusern sind Banner angebracht. „Schurri, Schurri, Schurri“, steht darauf. Schurri, das ist in Volkmarsen das, was in Köln „Alaaf“ und in Düsseldorf „Helau“ ist. Ein Wort der Freude, das seit Montagnachmittag nirgends mehr zu hören war.

          Ein Auto raste in die Menschenmenge der Feiernden, fast 60 Menschen wurden dabei verletzt, 35 sind derzeit noch in Krankenhäusern untergebracht, wie ein Sprecher des Polizeipräsidiums Nordhessen am Dienstag sagte. 18 der Verletzten sind Kinder, das jüngste ist drei Jahre alt. Am Steuer des Wagens saß ein 29 Jahre alter Mann, der selbst aus Volkmarsen kommt und nach der Tat festgenommen wurde. Die Ermittler haben einen zweiten Mann im Visier, er soll die Tat gefilmt haben. Ein Sprecher der Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt sagte, dieser sei wegen „Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereichs durch Filmaufnahmen“ festgenommen worden.

          Innehalten: In Gedanken bei den vielen Verletzten von Volkmarsen

          Im Fall des 29 Jahre alten Mannes, der das Auto lenkte, ermittelt die Generalstaatsanwaltschaft wegen eines versuchten Tötungsdelikts. Der mutmaßliche Täter sei nicht alkoholisiert gewesen, hieß es und ob er unter Drogeneinfluss stand, sei noch nicht geklärt. Gegen ihn ist am Dienstagabend Untersuchungshaft angeordnet worden. Zum Motiv gibt es bisher wenige Erkenntnisse, bisher deutete nichts auf ein terroristisches oder politisches Motiv hin, wie aus Ermittlerkreisen zu hören war. Hessens Innenminister Peter Beuth (CDU) sagte, es gebe keinen Zusammenhang zwischen der Tat in Hanau, bei der ein 43 Jahre alter Mann in einer Shi sha-Bar und einem Kiosk um sich schoss, und Volkmarsen. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hatte schon am Dienstagmorgen erklärt, er sei tief erschüttert. „Meine Gedanken sind bei den Opfern und ihren Angehörigen. Ich wünsche den Verletzten von Herzen eine vollständige Genesung.“

          „Warum haben sie keine Betonpfeiler hier hin gemacht?“

          In einer Bäckerei in der Nähe des Stadtzentrums von Volkmarsen, einer Kleinstadt in Nordhessen mit etwa 7000 Einwohnern, gibt es am Dienstag nur ein Thema: was am Rosenmontag geschehen ist. Die meisten Menschen, die die Bäckerei betreten, reden leise, fast übertönt die Hintergrundmusik ihre Stimmen. Doch zwischendurch fallen Sätze wie: „Ich höre das Kinderschreien von gestern“ oder „Ich habe gestern bis acht Uhr nicht funktioniert“ und „Mein Blutdruck war so hoch“. Viele waren beim Umzug dabei, oder sie kennen jemanden, der dabei war. Volkmarsen ist kein Dorf, aber trotzdem noch so klein, das die Einwohner sich untereinander gut kennen.

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