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Todesschütze in Villingendorf : Ermittler gehen von „bewusstem Tötungsplan“ aus

  • Aktualisiert am

Blumen liegen nach dem Familiendrama mit drei Toten in Villingendorf vor dem Tatort. Bild: dpa

Vor der Bluttat in Villingendorf hatte ein Gericht ein Annäherungsverbot gegen den mutmaßlichen Täter ausgesprochen: Er war seiner Ex-Frau gegenüber gewalttätig geworden.

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          Der mutmaßliche Dreifachmörder von Villingendorf hat sich nach seiner Festnahme bisher nicht zu den Vorwürfen geäußert. Es sei aber davon auszugehen, dass er bei dem blutigen Verbrechen wenige Stunden nach der Einschulung seines Sohnes nach einem „bewussten Tötungsplan“ vorging, sagte Oberstaatsanwalt Joachim Dittrich am Mittwoch bei einer Pressekonferenz. Der 40-Jährige steht im Verdacht, am Donnerstag vergangener Woche seinen Sohn und zwei Erwachsene erschossen zu haben - mit einer Waffe aus jugoslawischer Produktion. In Haft wird er nach dpa-Informationen isoliert - wegen Fremdgefährdung, wie es hieß.

          Die Behörden gehen davon aus, dass dem mutmaßlichen Todesschützen Mord mit dem Merkmal der Heimtücke zur Last zu legen sei. Er habe die Ahnungs- und Wehrlosigkeit der Opfer ausgenutzt, sagte Dittrich. Der 40-Jährige war am Dienstag in Rottweil auf der Straße festgenommen worden. Zwei Zeugen hatten die Ermittler zuvor über den Gesuchten informiert, wie Ermittlungsleiter Rolf Straub sagte. Sie hatten ihn demnach im Vorbeifahren auf der Straße gesehen.

          Der öffentliche Fahndungsdruck habe zum Ergreifen des Verdächtigen geführt, sagte Straub. Der 40-Jährige habe bei seiner Festnahme ungefragt gesagt: „Ich bin der, den ihr sucht.“ Zum Zeitpunkt des Zugriffs habe er den Streifenbeamten zufolge „platt und erschöpft“ gewirkt. Der Verdächtige habe den Eindruck vermittelt, sich in den vergangenen Tagen im Freien aufgehalten zu haben. Straub zufolge ging er nach der Tat ersten Erkenntnissen zufolge „recht planlos“ vor.

          Die mögliche Tatwaffe wurde sichergestellt

          Bei seiner Festnahme wurde den Behörden zufolge auch die mögliche Tatwaffe sichergestellt worden. Der Mann habe sie in einer von drei Tüten bei sich getragen, sagte Ermittlungsleiter Straub. Es handele sich um einen jugoslawischen Nachbau des deutschen Mehrladekarabiners K98k. Die Waffe sei an Schaft und Lauf abgesägt worden. „Die Patronen vom Tatort passen dazu“, sagte Straub.

          Neben seinem sechsjährigen Sohn soll der 40-Jährige am Donnerstag vergangener Woche bei einer privaten Einschulungsfeier den neuen Partner seiner Ex-Frau und dessen Cousine erschossen haben. Die Mutter des Jungen hatte den Angriff überlebt, ebenso wie ein dreijähriges Mädchen sowie ein weiterer Mann, der zur Tatzeit Getränke holte.

          Die Ex-Frau des mutmaßlichen Dreifachmörders hatte diesen vor der Bluttat mehrere Male bei der Polizei angezeigt. Auch ein Gericht war eingeschaltet, das ein Annäherungsverbot ausgesprochen hatte. „Ein Beschluss vom 31. März 2017 untersagte es dem Verdächtigen, sich der Frau zu nähern“, sagte Vizepolizeipräsident Gerold Sigg vom Polizeipräsidium Rottweil. Der Mann sei seiner Ex-Frau gegenüber gewalttätig geworden. Nach der Tat sei die Frau in eine Klinik gebracht und rund um die Uhr bewacht worden.

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