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Israelischer Sektenanführer : „Spüren, wie sich die Hölle anfühlt“

Den Ermittlern bot sich bei der Verhaftung des selbsternannten Rabbis Aharon Ramati im Jerusalemer Viertel Geula ein Bild des Elends. Bild: AFP

Jahrelang soll ein selbsternannter Rabbi seine Anhängerinnen in Jerusalem wie Sklavinnen behandelt haben. Es ist nicht das erste Mal, dass er sich dieser Anklage stellen muss.

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          Einige seiner Opfer soll er gezwungen haben, vierzig Tage lang zu fasten, andere mussten ihre Hände in offenes Feuer halte, wenn ihr Benehmen ihm nicht gefiel – um „zu spüren, wie sich die Hölle anfühlt“. Als die israelische Polizei am Montag den selbsternannten Rabbi Aharon Ramati verhaftete, bot sich den Ermittlern im vor allem von Ultraorthodoxen bewohnten Jerusalemer Viertel Geula ein Bild des Elends. In vermüllten und mit Stockbetten vollgestellten Räumen soll Ramati Dutzende Frauen wie Sklaven gehalten haben.

          Jochen Stahnke
          Politischer Korrespondent in Berlin.

          Die Polizei ermittelt darüber hinaus zu möglichem Missbrauch von Kindern, die zwischen fünf und elf Jahre alt sind, und mutmaßlich mit ihren Müttern in den Räumen der ultraorthodoxen Sekte lebten. Die Zeitung „Jerusalem Post“ zitierte Augenzeugen aus dem Nachbargebäude, die sagten, sie hätten „Mädchen auf Matratzen auf dem Dach in der Kälte, manchmal im Regen“ gesehen. Sie anzusprechen sei nicht gelungen. Später sei eine Plane aufgestellt worden, um Einblicke zu verhindern.

          Vor Monaten hatten sich einige der Frauen an ein Zentrum für Sektenopfer gewandt, das schließlich die Polizei benachrichtigte. Rachel Lichtenstein, Direktorin des Zentrums, berichtete von absoluter Kontrolle durch den Rabbi. „Er entschied, wann sie duschen durften“, sagte die Direktorin des Zentrums der Zeitung „Israel Hajom“.

          Immer mehr Opfer trauen sich an die Öffentlichkeit

          Wer sich nicht fügte, sei bestraft worden. Frauen, die sich der Sekte angeschlossen hatten, seien dazu gebracht worden, sich von ihren Familien und Freunden zu lösen, teilte ein Polizeisprecher mit. Ihr Geld mussten sie an Ramati abgeben. Neben dem sechzig Jahre alten Rabbiner nahm die Polizei auch acht Frauen fest, die mit ihm kollaboriert haben sollen.

          Schon vor Jahren war gegen den Rabbiner wegen ähnlicher Vorwürfe ermittelt worden. Nach der Einstellung der Ermittlungen sagte er 2015 im Fernsehen: „Die Mehrheit der Mädchen geht morgens zur Arbeit, und am Nachmittag nehmen sie für ungefähr drei Stunden am Unterricht teil.“ Zu den Vorwürfen hatte Ramati gesagt: „Wenn Mädchen es im Haus nicht mochten, war ich grausam zu ihnen.“ Nach seiner abermaligen Festnahme sagte er in dieser Woche, er sei unschuldig und erwartete eine Freilassung „wie letztes Mal“. Damals hatten einige seiner Anhängerinnen zu seinen Gunsten ausgesagt. Ramatis Anwältin wies die Vorwürfe auch dieses Mal zurück.

          Schon 2011 hatten prominente ultraorthodoxe Rabbiner die Schließung des Ramati-Seminars verlangt. „Die Menschen wussten lange von dem Fall“, sagte die ultraorthodoxe Frauenrechtlerin Avigayil Heilbronn-Karlinsky. Einerseits sind die vielen ultraorthodoxen Gemeinden weitgehend abgeschottet vom Rest der israelischen Gesellschaft, das Bildungswesen etwa ist abgesehen von geringen staatlichen Maßgaben eigenständig organisiert. Andererseits trauen sich mehr und mehr Missbrauchsopfer an die Öffentlichkeit und lösen sich aus Sektenstrukturen, in denen es Missbrauch gibt. Und es sind nicht nur Frauen betroffen: Mehr als die Hälfte der Missbrauchsopfer seien Jungen, schätzt Heilbronn-Karlinsky.

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