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Gesprengte Bankautomaten : Geldabheben ohne Geheimzahl

  • -Aktualisiert am

220.000 Euro wurden insgesamt durch die Beihilfe von Mohamed A. entwendet. Bild: dpa

Das Sprengen von Geldautomaten hat sich zu einem lukrativen Geschäft für Banden entwickelt. Nun hat ein Gericht in Düsseldorf einen Täter verurteilt. Die Spur führt ins Ausland.

          Mohamed A., ein 25 Jahre alter Mann aus Utrecht in den Niederlanden, bestritt bis zuletzt jede Tatbeteiligung. Die Anklage hatte A. vorgeworfen, gemeinsam mit anderen Tätern im vergangenen Jahr Geldautomaten in Alsdorf bei Aachen und in Flörsheim am Main mit Hilfe von Gas gesprengt und insgesamt mehr als 220.000 Euro erbeutet zu haben.

          Reiner Burger

          Politischer Korrespondent in Nordrhein-Westfalen.

          Beide Taten ereigneten sich jeweils in den frühen Morgenstunden, jeweils waren die Täter nach der Sprengung in dunklen Limousinen davongebraust. Viel sprach dafür, dass es sich um zwei Sprengattacken der sogenannten Audi-Bande handelt.

          Am Mittwoch forderte die Staatsanwaltschaft sieben Jahre Haft, die Verteidigung plädierte auf Freispruch, weil die Beweise gegen den jungen Mann mit nordafrikanischen Wurzeln für eine Verurteilung nicht ausreichend seien.

          Ausreichende Beweise nur für Beihilfe zum Diebstahl

          Für eine direkte Tatbeteiligung von Mohamed A. sah das Landgericht Aachen in seinem Urteil tatsächlich keine ausreichenden Hinweise. Ebenso wenig ließ sich in dem Verfahren beweisen, dass der junge Mann zu einer der Banden gehört, die seit Monaten in vielen westdeutschen Regionen Geldautomaten sprengen - allein in Nordrhein-Westfalen ließen Täter 87 Automaten vor allem in Bankfilialen im ländlichen Raum in die Luft gehen.

          Ausreichende Beweise sahen die Richter aber dafür, dass sich der junge Niederländer der Beihilfe zum schweren Diebstahl und des Herbeiführens von Sprengstoffexplosionen in ebenfalls zwei Fällen schuldig gemacht hat. Dafür soll A. vier Jahre und drei Monate ins Gefängnis.

          Gesprengter Geldautomat in Alsdorf bei Aachen

          Nach Überzeugung des Landgerichts hatte A. für die Tat in Alsdorf im vergangenen Sommer einen schnellen Audi als Fluchtauto gestohlen. Für die Sprengattacke in Flörsheim am Main im November habe er für seine unbekannten Mittäter einen Rückzugsort organisieren und anschließend das erste Fluchtfahrzeug - abermals einen PS-starken Audi - wegschaffen sollen. Dabei war A. dann festgenommen worden.

          Audi-Bande gilt als skrupellos

          Das Landeskriminalamt Nordrhein-Westfalen hat schon im vergangenen Jahr eine spezielle Ermittlungsgruppe eingerichtet, um den Automaten-Sprengern das Handwerk zu legen. Die Ermittler haben Hinweise darauf, dass mehrere Banden parallel aktiv sind.

          Als besonders professionell und skrupellos gilt die Audi-Bande, die in wechselnder Besetzung unterwegs sein soll. Die Bande soll sich aus bis zu 250 Niederländern vor allem aus Utrecht und Amsterdam zusammensetzen.

          Bei ihnen soll es sich überwiegend um junge Männer nordafrikanischer Herkunft handeln. Für ihre Überfälle stehlen die Straftäter in der Regel extrem leistungsstarke Audi-Fahrzeuge der Reihe „RS“.

          Im September vor einem Jahr versuchte die Polizei vergeblich, ein mutmaßliches Fluchtfahrzeug in Düsseldorf zu stoppen. Zahlreiche Streifenwagen und ein Hubschrauber waren im Einsatz. Doch der schwere Wagen konnte ungehindert durch das westliche Ruhrgebiet rasen, um dann in den Niederlanden zu verschwinden.

          Wählen die Banden für ihre Überfälle Orte aus, die zu weit von der Grenze entfernt sind, lassen sie Hintermänner entsprechende Immobilien mieten, um Fluchtfahrzeuge und Hilfsmaterial unterzustellen.

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