https://www.faz.net/-gum-a3sws

43 verschwundene Studenten : Mexikos Präsident verkündet Haftbefehle gegen Soldaten

  • Aktualisiert am

Angehörige und Unterstützer tragen 2016 bei einem Protest in Mexiko-Stadt Bilder der 43 vermissten Studenten. Bild: Rebecca Blackwell/AP/dpa

Vor sechs Jahren verschwanden 43 Studenten – und wurden wahrscheinlich ermordet. Bislang hieß es, korrupte Polizisten hätten dahinter gesteckt. Nun nimmt Mexikos Justiz Militärs ins Visier.

          1 Min.

          Sechs Jahre nach der mutmaßlichen Ermordung von 43 Studenten hat die mexikanische Justiz Haftbefehle gegen Soldaten ausgestellt, die am Verschwinden der jungen Leute beteiligt gewesen sein sollen. Mexikos Präsident Andrés Manuel López Obrador gab die richterliche Anordnung zur Verhaftung der Militärangehörigen am Samstag bei der Vorstellung eines Berichts zum Stand der Ermittlungen bekannt. Daran nahmen auch Eltern der Studenten teil, die schon seit Jahren eine Beteiligung von Soldaten vermuten.

          Die 43 Studenten eines linksgerichteten Lehrerseminars im südmexikanischen Ayotzinapa waren vor genau sechs Jahren, in der Nacht vom 26. auf den 27. September 2014, nahe der Stadt Iguala im Bundesstaat Guerrero verschwunden, als sie zu einer Demonstration in der Hauptstadt Mexiko-Stadt reisen wollten.

          Zweifel an offizieller Version

          Nach Auffassung der mexikanischen Justiz wurde die Gruppe von korrupten Polizisten verschleppt und an die Drogenbande Guerreros Unidos ausgeliefert. Bandenmitglieder sollen sie für Angehörige eines verfeindeten Kartells gehalten, auf einer Müllkippe ermordet und verbrannt haben.

          Die Familien der Studenten und unabhängige Experten der Interamerikanischen Kommission für Menschenrechte zweifelten die offiziellen Ergebnisse der Ermittlungen aber an. Die Regierung des damaligen Präsidenten Enrique Peña Nieto wurde wegen der schleppenden Aufarbeitung des Falls international kritisiert.

          Neue Untersuchungen

          Die Kontroversen um den Fall veranlassten seinen Nachfolger López Obrador zur Gründung einer Wahrheitskommission, die bei den Ermittlungen wieder „bei Null anfangen“ sollte. Der Präsident der Wahrheitskommission, Alejandro Encinas, sagte am Samstag, das Verteidigungsministerium habe nun Informationen über eine vor sechs Jahren in der Region stationierte Militäreinheit vorgelegt.

          Die Online-Flatrate: F+
          FAZ.NET komplett

          Sichern Sie sich alle aktuellen Informationen und Hintergründe zur Präsidentenwahl

          Jetzt F+ für nur 1€/Woche lesen

          „Wann werden sie die Soldaten verhaften?“, fragte eine Sprecherin der Opfer-Familien, María Martínez Zeferino. „Wir hatten uns heute etwas anderes erhofft. Es ist sechs Jahre her und wir haben nichts.“

          Weitere Themen

          Tunesien verurteilt Attentat in Nizza

          Ermittlungen eingeleitet : Tunesien verurteilt Attentat in Nizza

          Die tunesische Regierung hat zum Messerangriff in Nizza klar Stellung bezogen. Man stelle sich solidarisch an die Seite Frankreichs, heißt es. Die Justiz in Tunis leitet Ermittlungen gegen den mutmaßlichen Attentäter ein.

          Topmeldungen

          Warnschild in Ludwigsburg

          Debatte im Bundestag : Wer der Feind ist

          Kritik ist berechtigt und nötig. Eine „Corona-Diktatur“ ist Deutschland aber nicht. Auch die Opposition sollte in diesen Zeiten nicht überreagieren.
          Der Umsatz mit den iPhones verfehlt die Erwartungen. Tim Cook ist trotzdem optimistisch.

          Amazon, Apple & Co. : Den Tech-Konzernen geht es glänzend

          Amazon schafft einen weiteren Rekordgewinn, und Facebook beschleunigt sein Wachstum. Apple muss auf das nächste Quartal vertrösten – hat aber guten Grund zum Optimismus.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.