https://www.faz.net/-gum-9gjxu

Maria H. im Interview : „Ich habe nie daran gedacht, was ich meiner Mutter antue“

  • -Aktualisiert am

Marias Mutter ließ das Namensschild an der Zimmertür ihrer Tochter auch nach ihrem Verschwinden hängen. Bild: dpa

Maria H. ist 13 Jahre alt, als sie mit dem 40 Jahre älteren Bernhard H. ausreißt. Fünf Jahre nach ihrem Verschwinden kehrt Maria zurück. Nun erzählt sie, was in den letzten Jahren wirklich geschah.

          Das Verschwinden der damals 13 Jahre alten Maria H. machte 2013 deutschlandweit Schlagzeilen. Zusammen mit dem 40 Jahre älteren Bernhard H. riss die Schülerin aus Freiburg von Zuhause aus. Angeblich ging sie freiwillig mit ihm. Die Polizei suchte seitdem wegen Kindesentzugs und sexuellen Missbrauchs mit internationalem Haftbefehl nach dem ungleichen Paar – ohne Erfolg. Erst fünf Jahre später traut sie sich wieder nach Hause zu ihren Eltern.

          Maria und Bernhard H. hatten sich über das Internet kennengelernt. Zu diesem Zeitpunkt ist Maria gerade einmal elf Jahre alt. Sie war in der Pubertät, fühlte sich von der Internetbekanntschaft verstanden, als sie es Zuhause nicht tat. Als Bernhard H. ihr dann als Lösung für ihre Probleme vorschlug, gemeinsam wegzugehen, willigte sie ein. „Er hat wohl etwas anderes in mir gesehen als ich in ihm“, gesteht sich die heute 18 Jahre alte Maria im Interview mit RTL. Auch die Konsequenzen für ihre Familie blendete sie aus: „Ich habe nie daran gedacht, was ich meiner Mutter antue.“

          Er manipulierte sie mit seinen Worten

          Mit Sätzen wie: „Das Alter ist nur eine Zahl“ und „Für mich bist du wie eine Erwachsene“, lockte der damals 53 Jahre alte Mann die Schülerin. In der Zeit, die die Ausreißerin danach mit ihm verbrachte, behandelte Bernhard H. sie allerdings nie so, als wäre sie erwachsen. Er erklärte ihr, dass sie nicht nach Hause zurückkehren könne, bevor sie 18 sei. Andernfalls würde er für 15 Jahre ins Gefängnis müssen und Maria käme in ein Heim. „Was er gesagt hat, war für mich die Wahrheit“, sagt Maria nun im Interview. Heute weiß sie, dass das gelogen war.

          Unter ärmlichen Bedingungen verbrachte das Paar die letzten Jahre in einem kleinen Dorf im Süden Siziliens. Ihren Lebensunterhalt finanzierten sie sich aus Spenden und durch Schwarzarbeit. Auch von wohlwollenden Nachbarn, die sie beim Betteln vor dem Supermarkt sahen, wurden sie unterstützt. Skeptisch wurden die Anwohner jedoch nie. Sie hielten die beiden für Vater und Tochter. Anzeichen für ein Liebesverhältnis der beiden hätte es nicht gegeben.

          Mit 18 Jahren traute sich Maria dann endlich zu fliehen. Sie nahm den Bus nach Mailand, als Bernhard H. unterwegs war, um zu arbeiten. Von Mailand aus kontaktierte sie ihren Vater und wurde abgeholt. Der 57 Jahre alte Bernhard H. konnte Anfang September in Sizilien aufgespürt und verhaftet werden. Der Verdacht gegen ihn lautet auf schweren sexuellen Missbrauch. Zu den Vorwürfen äußerte er sich bisher nicht.

          Maria will nun wieder zur Schule gehen und ein ganz normales Leben führen. Ihre Mutter ist erleichtert, ihre Tochter wieder bei sich zu haben. Dass Maria sich in der Zeit ohne ihre Familie weiterentwickelt hat, war für sie zunächst schwierig zu begreifen: „Ich musste erst lernen, das da jetzt eine erwachsene Frau steht.“ Heute fühlt sich Maria als Opfer. Ihre Probleme seien durch das Ausreißen nur größer geworden. Und überhaupt kommen ihr die Probleme, die sie als 13 Jahre alte Schülerin damals hatte, nun ziemlich klein vor.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.