https://www.faz.net/-gum-97ma6

Polizei schweigt zunächst : Vergewaltigung auf Bochumer Friedhof

  • Aktualisiert am

Der Haupteingang des Friedhofs an der Harpener Straße in Bochum, auf dem am 18. Februar eine Frau vergewaltigt wurde. Bild: dpa

Vor mehr als einer Woche wurde eine Frau auf einem Friedhof in Bochum vergewaltigt. Erst heute bestätigte die Polizei das Verbrechen – und steht dafür nun in der Kritik.

          Nach der Vergewaltigung einer Frau auf einem Friedhof in Bochum ist die Polizei in die Kritik geraten, weil sie über den Fall zunächst nicht berichtet hatte. Ein Polizeisprecher bestätigte am Mittwoch das Verbrechen vom 18. Februar. Um das schwer mitgenommene Opfer zu schützen, habe man sich damals bewusst dagegen entschieden, den Fall zu veröffentlichen.

          Laut einer Pressemitteilung der Polizei Bochum wurde das Opfer gegen 7 Uhr von einem unbekannten Täter mit einem Stein bewusstlos geschlagen. Das Opfer habe den 30 Jahre alten Mann zuvor in Tatortnähe zufällig getroffen und sei mit ihm gemeinsam über den Friedhof gelaufen. Während der Ohnmacht der Frau sei es zu massiven sexuellen Handlungen gekommen. Teilweise unbekleidet sei die Frau erst erwacht, als sich der Täter entfernte und in ein Taxi stieg.

          Ein Opfer werde durch die mediale Berichterstattung abermals mit der Tat konfrontiert, begründete die Polizei Bochum ihr Vorgehen. „Wir wissen von Psychologen, dass dies für die Opfer oft sehr belastend ist.“ Dennoch sei es aus heutiger Sicht ein Fehler gewesen, die Festnahme des einschlägig vorbestraften Bochumers nicht mitzuteilen.

          Kritik auch von NRW-Innenminister Reul

          Zunächst sei es aber auch darum gegangen, den Ermittlungserfolg nicht zu gefährden. Der mutmaßliche Vergewaltiger, ein Deutscher, sitze seit 23. Februar hinter Gittern. Den Ermittlern sei es gelungen, den Taxifahrer ausfindig zu machen und dann auch den Fahrgast. Bei dem 30 Jahre alten Verdächtigen handele es sich um einen vorbestraften Sexualverbrecher. Wie die „Westdeutsche Allgemeine Zeitung“ berichtete, hatte der Mann bereits 2009 eine Frau in Dortmund vergewaltigt.

          „Die Pressearbeit in dem Bochumer Fall entspricht nicht meinem Verständnis von Transparenz“, sagte NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU). „Ich erwarte von allen Polizeibehörden im Land, dass in Zukunft in vergleichbaren Fällen transparent und offensiv kommuniziert wird.“

          Täter war rückfallgefährdet

          In Nordrhein-Westfalen stehen derzeit 1056 Sexualstraftäter unter Aufsicht von Polizei und Justiz, sagte ein Sprecher des Landeskriminalamts (LKA) am Mittwoch der Deutschen Presseagentur. Für Sexualstraftäter, die ihre Strafe verbüßt haben, wurde 2010 das Programm „Kurs“ („Konzeption zum Umgang mit rückfallgefährdeten Sexualstraftätern“) geschaffen. Die Rückfallquote im Kurs-Programm liegt nach Angaben des LKA bei drei Prozent, während Wissenschaftler für diese Tätergruppe normalerweise von 20 bis 24 Prozent ausgehen.

          Auch der mutmaßliche Vergewaltiger aus Bochum war Teil dieses Programms. In seinem Fall sei die Sozialprognose gut gewesen, teilte die Bochumer Polizei mit: Er habe eine feste Partnerin gehabt, feste Arbeit und habe Therapieangebote wahrgenommen.

          Weitere Themen

          Little Joe groß machen

          Filmproduzent Philippe Bober : Little Joe groß machen

          Was macht eigentlich ein Produzent? Philippe Bober stellt in Cannes seinen neuen Film vor. Dabei rennt er über das Festivalgelände, führt zahllose Gespräche und bangt, dass kein Kritiker vorzeitig das Kino verlässt.

          Topmeldungen

          Österreichs Regierung am Boden : Von der Musterehe zum Rosenkrieg

          Aus den Rissen in der türkis-blauen Koalition wurden durch die Ibiza-Affäre in beeindruckender Geschwindigkeit Gräben. Die Neuwahl ist für Sebastian Kurz eine Chance, mehr Stimmen für die ÖVP zu gewinnen – aber sie birgt auch ein großes Risiko.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.