https://www.faz.net/-gum-9kt8d

Todesstrafe in Amerika : In Kalifornien sollen keine Menschen mehr hingerichtet werden

  • Aktualisiert am

Im Staatsgefängnis in San Quentin, Kalifornien, bekommen Häftlinge in diesem Raum die tödliche Injektion. Bild: AP

Nirgendwo sonst in den Vereinigten Staaten warten so viele Häftlinge auf ihre Hinrichtung wie in Kalifornien. Der zuständige Gouverneur setzt die Todesstrafe nun aus. Er nennt das Konzept der Strafe diskriminierend.

          Der amerikanische Bundesstaat Kalifornien will in Zukunft keine Hinrichtungen mehr vollstrecken. Gouverneur Gavin Newsom verhängte am Mittwoch ein entsprechendes Moratorium. Es betrifft rund 740 Häftlinge, die in den Todeszellen von Kalifornien einsitzen. Nirgendwo sonst in den Vereinigten Staaten warten so viele Menschen auf ihre Hinrichtungen wie in diesem amerikanischen Bundesstaat.

          Das Konzept der Todesstrafe von Kalifornien sei gescheitert, begründete Newsom seinen Schritt. Es diskriminiere „schwarze und braune Angeklagte“, psychisch Kranke und Menschen, die sich „keinen teuren Anwalt leisten können“. Die Todesstrafe habe die Sicherheit der Bürger von Kalifornien nicht verbessert und dem Steuerzahler Milliarden Dollar gekostet. Der 51-jährige demokratische Politiker Newsom ist seit Januar im Amt.

          Letzte Hinrichtung in Kalifornien 2006

          Der Menschenrechtsverband „Human Rights Watch“ lobte Newsom. Der Gouverneur habe „großen Mut“ gezeigt. Ein Sprecher der konservativen Stiftung „Criminal Justice Legal Foundation“ warf Newsom jedoch in der „Los Angeles Times“ Machtmissbrauch vor. Kaliforniens Wähler haben sich bei Volksentscheiden 2012 und 2016 gegen die Abschaffung der Todesstrafe ausgesprochen. Newsom ist seit Jahren als Todesstrafengegner bekannt. Ein Nachfolger als Gouverneur könnte Newsoms Moratorium wieder aufheben.

          Seit Wiedereinführung der Todesstrafe in den Vereinigten Staaten im Jahr 1976 sind in Kalifornien 13 Menschen hingerichtet worden. Die letzte Hinrichtung wurde 2006 vollstreckt. Berufungsanträge von Inhaftierten und Streitigkeiten um dem Hinrichtungsprozess haben weitere Exekutionen gestoppt. Nach Medienberichten drohte dem Staat jedoch eine Hinrichtungswelle. Mehr als 20 zum Tode Verurteilte hätten alle Berufungsmöglichkeiten ausgeschöpft.

          Nach Angaben des Todesstrafen-Informationszentrums in Washington ist in 30 der 50 Bundesstaaten die Todesstrafe bei bestimmten besonders schweren Verbrechen vorgesehen. In vier Todesstrafstaaten gelte jedoch ein Exekutionsmoratorium, in Oregon seit 2011, in Colorado seit 2013, in Pennsylvania seit 2015 und nun auch in Kalifornien. 2019 sind in den Vereinigten Staaten bisher drei Todesurteile vollstreckt worden. 2018 wurden 25 Menschen hingerichtet, 13 davon in Texas.

          Weitere Themen

          Einmal fand er sogar  einen Schrumpfkopf

          Zolldeklarant : Einmal fand er sogar einen Schrumpfkopf

          Getrocknetes Affenfleisch, geschmuggelte Brillen und ein Römerhelm - erstaunlich, auf was der Schweizer Zolldeklarant Roger Zeiter so alles stößt.

          Topmeldungen

          Die aufgewendete Energie ist enorm, der Ertrag mager: Geförderte Humboldt-Universität in Berlin.

          Exzellenz-Förderung : Noch so ein Sieg

          Ein Wettbewerb, in dem es nur Sieger gibt, ist eigentlich keiner: Welche Universitäten über die Exzellenzinitiative gefördert werden und welche nicht, sagt so gut wie nichts aus.

          Persischer Golf : Vermisst irgendjemand eine Drohne?

          Ein weiterer Zwischenfall im Golf schafft Verwirrung. Iran dementiert amerikanische Angaben über einen Drohnenabschuss. Zugleich macht Teheran ein neues Gesprächsangebot.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.