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Verdächtiger von Trier : Vor der Amokfahrt hauste er im Geländewagen

Menschen in der Innenstadt Trier bei einer Schweigeminute zum Gedenken der Opfer nach der Amokfahrt. Bild: dpa

Der mutmaßliche Amokfahrer von Trier soll eine Ausbildung zum Elektriker gemacht und als Schichtleiter gearbeitet haben – bis er dann arbeitslos wurde. Im Sommer soll er noch einen festen Wohnsitz gehabt haben.

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          Mit einer Schweigeminute haben am Donnerstag viele Menschen in Trier der Opfer der Amokfahrt gedacht. Um 13.46 Uhr hielten sie in der Innenstadt inne, viele an jenen mit Kerzen und Blumen versehenen Orten, an denen zwei Tage zuvor um die selbe Zeit Menschen getötet oder verletzt worden waren. Die Kirchenglocken läuteten. Am Dienstagmittag war ein Geländewagen im Zickzackkurs durch die Innenstadt gerast, fünf Menschen wurden getötet, 18 weitere zum Teil schwer verletzt.

          Julian Staib
          Politischer Korrespondent für Hessen, Rheinland-Pfalz und das Saarland mit Sitz in Wiesbaden.

          Der mutmaßliche Täter Bernd W. wird von der Staatsanwaltschaft beschuldigt, „wahllos und gezielt auf Passanten zugefahren zu sein“, um „so viele Menschen wie möglich zu töten oder zumindest zu verletzen“. Gegen ihn wurde am Mittwoch Haftbefehl wegen des dringenden Tatverdachts des fünffachen Mordes sowie des versuchten Mordes und der gefährlichen Körperverletzung in 18 weiteren Fällen erlassen.

          Bernd W. wurde 1969 in Trier geboren und wuchs in Zewen auf, dem südwestlichsten Stadtteil Triers, an der Mosel gelegen und unweit der luxemburgischen Grenze. W. ist Deutscher, er soll laut Presseberichten eine Ausbildung zum Elektriker gemacht und als Schichtleiter gearbeitet haben – bis er dann arbeitslos wurde. Er habe W. öfter tagsüber an der örtlichen Dönerbude stehen sehen, wo er mit anderen getrunken habe, zitieren regionale Medien den Ortsvorsteher von Zewen. Weiter heißt es in den Berichten, auf W.s Facebookseite seien Bilder geteilt worden, auf einem davon heiße es: „Auf meinem Grabstein sollte stehen: Spart euch die Tränen, wo wart ihr, als ich noch lebte?“ Der „Bild“-Zeitung zufolge starb die Mutter von W. 2010, von Erbstreitigkeiten wird berichtet.

          Nach dem Verlust seiner Arbeitsstelle soll W. seinen Geländewagen, mit dem er nun die Morde begangen haben soll, an einen Freund überschrieben haben – und ihn dann aber weiter genutzt haben. Das deckt sich mit Angaben der Polizei, von der es am Dienstag hieß, der Wagen sei seit längerem geliehen gewesen. Bis zum Sommer soll W. einen festen Wohnsitz in einem der benachbarten Landkreise gehabt haben. Wo er sich danach aufhielt, ist noch unklar. Vor der Tat soll er in dem Geländewagen gehaust haben. Für wie lange, ist nicht bekannt. Vorbestraft ist er laut Staatsanwaltschaft nicht.

          Weder Motiv noch Einzelheiten zum Tathergang bekannt

          Das genaue Motiv des Beschuldigten blieb auch am Donnerstag unklar. Der Mann werde wiederholt befragt, sagte ein Sprecher der Polizei, bisher gebe es jedoch keine neuen Erkenntnisse. Ein Bekennerschreiben liegt nicht vor, auch gibt es keine Hinweise auf einen terroristischen oder politischen Hintergrund für die Tat. Der Beschuldigte habe in den Vernehmungen „wechselnde und in Teilen nicht nachvollziehbare Angaben“ gemacht, aus denen sich bisher weder ein nachvollziehbares Motiv für die Tat noch Einzelheiten zum Tathergang herleiten ließen, hatten Polizei und Staatsanwaltschaft am Mittwoch bekanntgegeben. Bei und nach der Festnahme soll er „psychische Auffälligkeiten“ gezeigt haben, für einen vollständigen Ausschluss der Schuldfähigkeit bestehen jedoch nach Angaben von Polizei und Staatsanwaltschaft bisher keine konkreten Anhaltspunkte, ein psychiatrischer Sachverständiger soll nun ein Gutachten erstellen.

          Die rheinland-pfälzische Polizei wird vom Wochenende an ihre Präsenz in den Innenstädten verstärken. Auch zivile Einsatzkräfte würden eingesetzt, um frühzeitig mögliche Gefahrensituationen oder geplante Straftaten zu erkennen, sagte Landesinnenminister Roger Lewentz (SPD) am Donnerstag. Der Schutz der Innenstädte habe oberste Priorität. „Wir dürfen nicht zulassen, dass die Menschen nach solch einer Tat ihren ohnehin schon durch die Corona-Pandemie bestimmten Alltag weiter einschränken“, so Lewentz. Konkrete Hinweise auf Gefährdungslagen lägen jedoch nicht vor.

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