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Getötete Joggerin Carolin G. : Lkw-Maut-Daten führten zum Mordverdächtigen

Polizisten 2016 in Weinbergen bei Endingen während der Suche nach der verschwundenen 27 Jahre alten Joggerin. Bild: dpa

Spur 4334 war ein Treffer: Sieben Monate nach dem Mord an einer Joggerin in Endingen ist ein Fernfahrer festgenommen worden. Wie gelang es den Ermittlern, den aufsehenerregenden Fall zu lösen?

          Ende vergangenen Jahres beunruhigte die Bürger Freiburgs und Südbadens eine schreckliche Vermutung: Sollte der Flüchtling, der mutmaßlich den Mord an der Studentin Maria L. aus Freiburg am 16. Oktober begangen hatte, auch für die Ermordung Carolin G.s aus dem benachbarten Endingen am 6. November verantwortlich sein? Zunächst arbeiteten die beiden Sonderkommissionen „Dreisam“ und „Erle“ eng zusammen, doch relativ schnell wurde klar, dass es sich um zwei verschiedene Täter gehandelt haben musste.

          Rüdiger Soldt

          Politischer Korrespondent in Baden-Württemberg.

          Anfang Dezember konnte der afghanische Flüchtling Hussein K. als mutmaßlicher Mörder der Freiburger Medizinstudentin gefasst werden. An diesem Freitagnachmittag konnte die „Soko Erle“ nun auch den Endinger Fall nahezu vollständig aufklären: Ein 40 Jahre alter, aus Rumänien stammender Fernfahrer, der in Südbaden lebt, soll Carolin G. in den Endinger Weinbergen sexuell missbraucht und getötet haben. „Es war die Spur 4334“, sagte der Freiburger Polizeipräsident Bernhard Rotzinger am Samstag auf einer Pressekonferenz und Bürgerversammlung in Endingen, „die uns zum Täter geführt hat.“

          Zunächst „extrem schlechte Spurenlage“

          Sehr groß war der Ermittlungsaufwand der Polizei, zwei zeitweise parallel agierende Sonderkommissionen in Freiburg und Endingen setzten das Polizeipräsidium Freiburg unter hohen Stress. Mehr als hundert Beamte waren allein mit diesen beiden Fällen befasst. 1500 DNA-Analysen, der Einsatz von Hubschraubern und Hundestaffeln, zahlreiche operative Fallanalysen, die Auswertung von mehr als 4000 Hinweisen, die Analyse von 50.000 Einbuchungsdaten des österreichischen Mautsystems, die Überprüfung von hunderten Speditionen und Lkw waren nötig, um den mutmaßlichen Täter aufzuspüren. Der Mann wurde am Freitagnachmittag  verhaftet und sitzt in Untersuchungshaft, ihm werden Mord und schwere Vergewaltigung zur Last gelegt. In ersten Vernehmungen bestritt er nach Auskunft des Freiburger Staatsanwalts Dieter Inhofer die Tat.

          Kerzen und Gedenkbriefe nach dem Mord an einer 27-jährigen Joggerin in Endingen auf dem Stadtbrunnen.

          Wie gelang es den Ermittlern, den aufsehenerregenden Fall, der nicht nur die Bürger am Kaiserstuhl, sondern auch in Freiburg und Süddeutschland stark verunsicherte, zu lösen? Wegen der Nähe des Tatorts zur Autobahn konzentrierten die Kriminalpolizisten ihre Arbeit früh auf Fernfahrer. Trotz der „extrem schlechten Spurenlage“ – in Endingen hatte es kurz nach der Tat sehr stark geregnet – gelang es den Kriminaltechnikern im Stuttgarter Landeskriminalamt, „täterrelevante DNA-Spuren“ zu extrahieren und für einen Abgleich in DNA-Datenbanken nutzbar zu machen.

          Anfang Januar stieß die Polizei dann auf einen ähnlichen Fall, der sich im Januar 2014 im österreichischen Grenzort Kufstein ereignet hat, nicht weit entfernt von der Inntal-Autobahn, die jährlich von 2,5 Millionen Lkw-Fahrern genutzt wird. Die aus Frankreich stammende Wirtschaftsstudentin Lucile K. war in der Nacht vom 11. auf den 12. Januar 2014 in Kufstein ermordet worden. Der mutmaßliche Täter soll sie laut Polizei „geringfügig sexuell missbraucht“, ihre Handtasche gestohlen und sie brutal ermordet haben. Im Inn fanden die Ermittler eine Lkw-Hubstange, die damals als Tatwerkzeug diente.

          Sein Privatauto konnte identifiziert werden

          Die baden-württembergischen Ermittler konnten dann dank dieser Hubstange sowie mit den Daten des Mauterfassungssystems die Spedition und den Fahrzeugtyp auf etwa 4000 Nutzer eingrenzen. „Wir hatten die Lkw-Spur, die Hubstange, Täterspuren an der Leiche, und beide Morde fanden in der Nähe von Autobahnen statt“, sagte Richard Kerber, der Leiter der Sonderkommission „Erle“. Auch fanden die Ermittler heraus, dass der mutmaßliche Täter mit seinem Handy in der Funkzelle zwischen Endingen und Bahlingen zur Tatzeit eingebucht war. Zudem konnte sein Privatauto identifiziert werden.

          „Konkret hatten wir die Spur dann am Mittwoch, nachdem wir verschiedene Speditionen angeschrieben hatten und man uns die Personalien einiger  Personen mitgeteilt hatte“, sagte Kerber. Zunächst handelte es sich noch um Indizien. Nachdem der Mann festgenommen war, entnahmen die Ermittler eine Speichelprobe. Die Analyse im kriminaltechnischen Labor des Landeskriminalamtes Stuttgart, der Vergleich von DNA-Spuren aus dem österreichischen und dem südbadischen Fall ergaben am Freitag um 13.40 Uhr, dass es sich um ein und dieselbe Person handelte.

          Für den drei Jahre zurückliegenden Fall muss der mutmaßliche Täter nach einem Auslieferungsverfahren in Österreich angeklagt werden. „Ich hoffe, dass wir durch die Lösung des Falls das verletzte Sicherheitsgefühl wieder heilen können“, sagte Rotzinger am Samstag in der Endinger Stadthalle, in die auch viele Bürger gekommen waren.

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