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Verbrechensbekämpfung : Mit Netzwerkanalysen gegen die Mafia

Für ihre Studie haben die Forscher die persönlichen Treffen (links) und Telefonate (rechts) von Cosa-Nostra-Mitgliedern grafisch aufbereitet. Bild: Cavallaro et al, 2020

Kriminelle Organisationen wie Mafiaclans sind nur schwer zu zerschlagen. Eine datenanalytische Studie zeigt, wie die Netzwerke gezielt geschwächt werden können.

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          Um zu verhindern, dass sie von der Polizei abgehört werden, setzen kriminelle Organisationen nicht nur auf moderne Verschlüsselung, sondern auch auf kurze Wege. Informationen, etwa zu illegalen Geschäften, werden ohne viele Zwischenstationen möglichst direkt weitergegeben. Wie man diesen Informationsfluss effektiv stören und eine kriminelle Organisation damit handlungsunfähig machen kann, hat ein Team um Lucia Cavallaro von der britischen Universität Derby anhand von Netzwerkanalysen untersucht.

          David Klaubert

          Redakteur im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          Für ihre Studie mit dem Titel „Disrupting resilient criminal networks through data analysis: The case of Sicilian Mafia“, die im Fachmagazin „Plos One“ erschienen ist, werteten die Forscher Haftbefehle aus, die 2007 gegen Mitglieder der Cosa-Nostra-Familien Mistretta und Batanesi ausgestellt worden waren. Dank umfangreicher Telefonüberwachungen und Beschattungen konnten die sizilianischen Ermittler damals unter anderem zeigen, dass die Mafiosi die regionale Bauwirtschaft unterwandert hatten.

          Die Forscher fassten die Mafiaclans nun als soziale Netzwerke mit unterschiedlich einflussreichen Mitgliedern auf – oder netzwerktechnisch formuliert: Knoten. Sie analysierten die von der Polizei dokumentierten Telefonate und Treffen, um herauszufinden, wie sich die zentralen Knoten eines kriminellen Netzwerks am besten identifizieren lassen.

          Als bester Ansatz erwies sich dabei die sogenannte Zwischenzentralität: Sie gibt an, über welche Knoten in einem Netzwerk die meisten Informationen vermittelt werden, welche Mitglieder eines Mafiaclans also die meiste interne Kommunikation übernehmen. Würden jene fünf Prozent Akteure mit der höchsten Zwischenzentralität identifiziert und ausgeschaltet, könnten 70 Prozent der Kommunikation unterbunden werden, schreiben die Forscher. Durch gezielte Ermittlungen und Festnahmen könnten so kriminelle, aber auch terroristische Organisationen empfindlich geschwächt werden.

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