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Verbrechen : Verdächtiger gesteht Doppelmord an Felix und Levke

  • Aktualisiert am

Ermordert: Felix M., 8 Jahre Bild: AP

Ist die Polizei in Cuxhaven einem Serienmörder auf der Spur? Bei der Kinderleiche, die am Freitag gefunden wurde, handelt es sich um den gesuchten Felix. Er wurde von demselben Mann getötet wie die kleine Levke.

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          Der geständige Mörder der achtjährigen Levke aus Cuxhaven-Altenwalde hat nach eigener Aussage auch den gleichaltrigen Felix aus Neu Ebersdorf (Niedersachsen) umgebracht. Das habe er gegenüber seinem Rechtsanwalt zugegeben, teilten Polizei und Staatsanwaltschaft am Samstag in Cuxhaven mit. Bei der am Vortag bei Schiffdorf-Bramel im Kreis Cuxhaven im Fluß Geeste gefundenen Leiche handele es sich um den seit Ende Oktober vermißten Jungen.

          „Die rechtsmedizinischen Untersuchungen führten zu der Gewißheit: Es ist der vermißte achtjährige Felix“, sagte die Leiterin der Sonderkommission, Petra Guderian. Ein DNA-Gutachten gebe es noch nicht. „Nach menschlichem Ermessen sind wir aber der Überzeugung, daß es sich bei der vorgefundenen Leiche um Felix handelt.“ Todesursache sei mit hoher Wahrscheinlichkeit Ersticken.

          „Haben es mit demselben Täter zu tun“

          „Es hat den Anschein, dass wir es in beiden Fällen mit demselben Täter zu tun haben“, sagte Guderian. Oberstaatsanwalt Burkhard Vonnahme berichtete, daß die Verteidiger des inhaftierten mutmaßlichen Mörders von Levke und die Staatsanwaltschaft am Freitag einen Gesprächstermin hatten. Kurz davor habe einer der Anwälte seinen Mandanten noch in der Justizvollzugsanstalt gesprochen. „Er hat dann erklärt, sein Mandant würde gegenüber der Staatsanwaltschaft Stade einräumen, Felix getötet zu haben.“ Dies sei ein „Knaller“ gewesen. Der Inhaftierte habe auch den Ort genannt, an dem er die Leiche von einer Brücke aus in der Geeste „versenkt“ habe.

          Weiteres Opfer von Marc H.: Levke (8) aus Altenwalde

          Der Mann ist 31 Jahre alt. Er hat selbst zwei Töchter im Alter von zwei und zehn Jahren. Der arbeitslose Installateur lebte zuletzt in Bremerhaven. Die Staatsanwaltschaft hat ihn laut Vonnahme auch nach weiteren Vermißtenfällen befragt. Er habe jedoch über seine Anwälte erklärt, von seiner Seite gebe es im Moment nicht mehr zu sagen. „Das heißt, wir haben uns damit begnügen müssen, daß er uns gegenüber über seinen Verteidiger eingeräumt hat: Ja, ich habe Felix getötet.“

          Für weitere Fälle verantwortlich?

          Die Polizei kündigte an, daß sie jetzt die Vergangenheit des mutmaßlichen Doppelmörders genau dahingehend untersuchen will, ob er für weitere Verbrechen an Kindern in Frage kommt. Sie wolle „ein in die Vergangenheit gerichtetes Bewegungsbild“ erstellen, sagte der Leiter der Sonderkommission Levke, Karsten Bettels. Nach den bisherigen Erkenntnissen seien die Taten des Mannes ausschließlich auf Mädchen bezogen gewesen. Nach dem Geständnis im Fall Felix bekomme die Ermittlungsarbeit „eine neue Dimension“, meinte Bettels. „Wir werden jetzt auch die Fälle von verschwundenen und getöteten Jungen einbeziehen.“ Es gebe sehr gute Kontakte zu verschiedenen Sonderkommissionen in Deutschland.

          Felix war am Nachmittag des 30. Oktober nach dem Spielen mit einem Freund im Nachbarort Hipstedt nicht nach Hause gekommen. Mehrere große Suchaktionen der Polizei in der waldreichen Gegend blieben erfolglos. Anfang November durchkämmten bei einer der größten Aktionen dieser Art in der Geschichte der Bundesrepublik mehr als 7000 Jäger, Feuerwehrleute und andere Freiwillige die Region. Eine Woche vor Weihnachten verteilte die Polizei bundesweit 40.000 Plakate und bat mögliche Zeugen um Hilfe. Für Hinweise auf den Verbleib des Jungen war eine Belohnung von 5000 Euro ausgesetzt.

          Felix' Leiche in der Geeste geborgen

          Nach dem Hinweis des mutmaßlichen Mörders hatten Polizeitaucher am Freitag die Leiche von Felix in der Geeste geborgen. Sie war nach Angaben der Polizei in Bettlaken und Müllsäcke eingewickelt. Das Bündel war mit Steinen beschwert und lag auf dem Grund des drei bis vier Meter tiefen Flusses. Die tote Levke war am 23. August von einem Pilzsammler in einem Wald bei Olpe in Nordrhein-Westfalen entdeckt worden. Am 8. Dezember nahm die Polizei den mutmaßlichen Mörder fest. Er legte ein Geständnis ab.

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