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Arafat Abou-Chaker verhaftet : Gerichtssaal „mal ohne Lächeln auf den Lippen“ verlassen

  • Aktualisiert am

Bushido und sein damaliger Freund Arafat Abou-Chaker bei der Premiere von „Zeiten ändern dich“ 2010: In dem Film spielt Moritz Bleibtreu den Clanchef. Bild: Picture-Alliance

Dem Berliner Clanchef Arafat Abou-Chaker wird vorgeworfen, dass er die Kinder seines früheren Geschäftspartners Bushido entführen lassen wollte. Auch in einem zweiten Fall geht es um schwere Kindesentziehung.

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          Der Berliner Clanchef Arafat Abou-Chaker ist am Dienstag in Berlin im Amtsgericht verhaftet worden. Das bestätigte die Berliner Staatsanwaltschaft der F.A.Z. Abou-Chaker sei „der Verabredung zu einem Verbrechen“ dringend verdächtig. Dabei handele es sich um die mutmaßliche Entführung Minderjähriger, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft. Abou-Chaker soll Personen gesucht haben, damit sie die Kinder seines früheren Vertrauten und Geschäftspartners Bushido, eines bekannten Rappers, entführen sollten.

          Im November hatte es im Zusammenhang mit den Auseinandersetzungen zwischen den beiden eine Razzia auf dem gemeinsamen Anwesen von Abou-Chaker und Bushido in Kleinmachnow bei Berlin gegeben. Zudem wird Abou-Chaker schwere Körperverletzung gegenüber einem Mitglied der Familie Bushidos vorgeworfen. Der Clanchef und der Musiker hatten jahrelang enge geschäftliche Verbindungen, waren aber im vergangenen Jahr im Streit auseinandergegangen.

          Bushido hatte danach in einem Interview mit dem „Stern“ gesagt: „Falls mir etwas passieren sollte, ist für meine Frau und meine Kinder gesorgt.“ 2013 hatte der „Stern“ die Existenz einer Generalvollmacht enthüllt, die es Abou-Chaker erlaubt haben soll, frei über das Vermögen des Rappers zu verfügen. Die Hälfte seiner Einnahmen soll Bushido an den arabischen Familienclan abgeführt haben, zu dem laut Medienberichten mehrere Schwerkriminelle gehören, gegen die schon wegen Körperverletzung, Zuhälterei, Erpressung und Drogenhandel ermittelt wurde.

          Die Familie hat palästinensische und libanesische Wurzeln. Ein Familienmitglied wurde als Drahtzieher des spektakulären Pokerraubs am Potsdamer Platz verurteilt. In dem im September 2018 veröffentlichten Lied „Mephisto“, das von Arafat Abou-Chaker handelt, ohne dass dessen Name genannt wird, bezeichnete Bushido seinen ehemaligen Freund als „rücksichtsloses Tier“.

          Zweiter Komplex des Haftbefehls

          Nach der Trennung von seinem Geschäftspartner suchte der Rapper Schutz – nicht nur bei der Polizei und durch seinen Gang an die Öffentlichkeit –, sondern auch bei einem anderen Clan, der Familie R. Mehrere Mitglieder dieses Clans stehen in Berlin gerade vor Gericht, weil sie 2017 eine hundert Kilo schwere Goldmünze aus der Ausstellung des Bode-Museums gestohlen haben sollen.

          Jörg Raupach, Chef der Berliner Staatsanwaltschaft, sagte „Spiegel TV“ im September, dass damit zu rechnen sei, „dass das in den körperlichen Bereich geht“, wenn der Streit um das Geschäft zwischen Bushido und Abou-Chaker in der Öffentlichkeit ausgetragen werde. Man sei „eng dran“, um das zu verhindern. Im Juni gab es allerdings schon zwei Schwerverletzte, als Unbekannte 15 Mal auf einen Imbiss schossen, der Abou-Chaker gehört. Berichten zufolge nannte Abou-Chaker der Polizei den neuen Beschützer von Bushido danach als Verdächtigen.

          Am Dienstag war Abou-Chaker im Berliner Amtsgericht erstmals wegen eines anderen Falls verurteilt worden. Er erhielt eine Bewährungsstrafe von zehn Monaten, weil er im März vergangenen Jahres einem Hausmeister mit dem Finger in die Augen gestochen, mit einem Kopfstoß die Nase gebrochen und ihn mit dem Tode bedroht haben soll. Die Staatsanwaltschaft nutzte die Gelegenheit, um den Haftbefehl wegen der mutmaßlich geplanten Kindesentführung zu vollstrecken. 

          Die Staatsanwaltschaft teilte mit, dass Abou-Chaker in einem zweiten Komplex des Haftbefehls die Anstiftung zu einer schweren Kindesentziehung vorgeworfen werde. Laut „Spiegel Online“ hatte sich die Frau seines Bruders wegen eines Streits mit diesem nach Dänemark abgesetzt, von dort seien ihre Kinder nach Deutschland entführt worden.

          Die Gewerkschaft der Polizei sprach angesichts der Verhaftung von einem wichtigen Zeichen des Rechtsstaates. Der Verdächtige verlasse den Gerichtssaal „mal ohne Lächeln auf den Lippen“, teilte Sprecher Benjamin Jendro mit. Laut der „Bild“-Zeitung ist Abou-Chaker seit 1991 bei der Berliner Justiz aktenkundig, vorbestraft ist aber er nicht. Die Staatsanwaltschaft habe in 33 Fällen gegen ihn ermittelt, alle Verfahren seien mangels Beweisen eingestellt worden oder hätten mit einem Freispruch geendet. Oft hätten Belastungszeugen ihre Aussagen zurückgenommen oder sich vor Gericht plötzlich an nichts mehr erinnern können. Nur wegen zweier Verkehrsordnungswidrigkeiten seien Geldbußen gegen den Clanchef verhängt worden. Arafat Abou-Chaker ist 42 Jahre alt und hat die deutsche Staatsbürgerschaft. 

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