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Vater festgenommen : Mutter und Kind in Hamburger Innenstadt erstochen

Einsatzfahrzeuge der Feuerwehr stehen am Jungfernstieg vor dem U-Bahnzugang. Bild: dpa

Schreckliches Verbrechen mitten in Hamburg: Ein Kind und seine Mutter werden am Bahnhof Jungfernstieg erstochen. Die Polizei nimmt den Vater und Ex-Mann der Opfer fest. Auch die Tatwaffe ist gefunden.

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          An kaum einem Ort in Hamburg ist mehr los als am Jungfernstieg, im Zentrum der Stadt, mitten am Tag. Hamburger hetzen zu Terminen oder machen mal eine kleine Pause am Wasser. Touristen flanieren mit Einkaufstüten an der Binnenalster entlang oder sitzen im Café. Autos dröhnen vorbei, die besonders teuren manchmal besonders langsam. Unter der Erde liegt einer der wichtigsten Bahnhöfe der Stadt mit mehreren S- und U-Bahn-Linien. Die Gleise sind oft voll, die Gänge lang und verwirrend.

          Matthias Wyssuwa

          Politischer Korrespondent für Norddeutschland und Skandinavien mit Sitz in Hamburg.

          Auch am Donnerstagmorgen ist viel los im Bahnhof, als plötzlich ein Mann eine Frau und ihr kleines Kind angreift – seine ehemalige Frau und die gemeinsame Tochter, wie sich bald herausstellen wird. Der Mann sticht auf sie ein. Um 10.50 Uhr gehen die ersten Notrufe bei der Polizei ein. Schnell sind Polizisten und Feuerwehrleute am Ort – und trotzdem ist es zu spät.

          Auch die Mordkommission ist schnell im Einsatz. Das S-Bahn-Gleis, der Tatort, ist abgesperrt, die S-Bahn-Linie fährt nicht mehr. Dutzende Polizisten sind im Bahnhof, manche streifen durch die Gänge, gehen zu Bäckereien und Kiosken, durchwühlen die Mülleimer. Vor der Treppe zum Tatort haben sie auf der Suche nach der Tatwaffe Müll auf Tüten ausgebreitet. In einem Mülleimer im Bahnhof finden sie das Messer dann auch.

          Oben am Eingang stehen die Polizeiwagen, die Straße ist gesperrt. Auf dem Jungfernstieg sagt Timo Zill, der Sprecher der Hamburger Polizei, wie außergewöhnlich die Tat sei, wie entsetzlich. Selbst in einer Großstadt wie Hamburg erlebe man so etwas nur sehr selten. Die Zeugen hätten berichtet, der Täter habe im Bahnhof massiv und gezielt auf Frau und Kind eingestochen. Das Mädchen war ein Jahr alt. Es starb noch im Bahnhof an seinen schweren Verletzungen. Die Mutter, eine Deutsche, war 34Jahre alt. Sie konnte kurzzeitig wiederbelebt werden und starb doch wenig später im Krankenhaus.

          Der Täter war da schon längst gefasst. Nachdem er von seinen Opfern auf dem Bahnsteig abgelassen hatte, war er zunächst aus dem Bahnhof geflüchtet. Kurz darauf aber rief er selbst den Notruf an und sagte der Polizei, wo sie ihn finde. Bald wurde er an der Mönckebergstraße festgenommen und ins Polizeipräsidium gebracht. Er ist 33 Jahre alt und stammt aus Niger. An diesem Freitag soll er dem Haftrichter vorgeführt werden.

          Die Behörden haben sich der Geschwister des getöteten Kindes angenommen. Er sei erschrocken und traurig über die Tat, sagt am Nachmittag Hamburgs Bürgermeister Peter Tschentscher. „Wir haben tiefes Mitgefühl für alle, die von dieser schlimmen Tat betroffen sind.“

          Es gebe viele Zeugen der Tat, sagt Polizeisprecher Zill am Jungfernstieg. Sie werden befragt und auch betreut. Das Kriseninterventionsteam kümmert sich um sie und um die Einsatzkräfte. Man gehe von einer Beziehungstat aus. Während Zill über all das berichtet, strömen die Menschen wieder über den Jungfernstieg, blicken manchmal kurz auf, wegen der Polizeiautos und Fernsehkameras, und dann geht es weiter.

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