https://www.faz.net/-gum-9fw8j

Tagung gegen Menschenhandel : „In vielen EU-Ländern werden Mittäter des Menschenhandels nicht belangt“

  • -Aktualisiert am

Die Bundespolizei geht im April 2018 in Baden-Württemberg gegen eine Bande vor, die Thailänderinnen zur Prostitution gezwungen haben soll. (Archivbild) Bild: dpa

Die Europäische Union fordert ein strengeres Vorgehen gegen Menschenhandel in Deutschland. Wie das aussehen soll, stellte die EU-Koordinatorin für die Bekämpfung des Menschenhandels auf einer Fachtagung in Berlin vor.

          Die Europäische Union (EU) verlangt ein strengeres Vorgehen gegen den Menschenhandel in Deutschland. Die EU-Koordinatorin für die Bekämpfung des Menschenhandels, Myria Vassiliadou, forderte auf einer Fachtagung des „Bundesweiten Koordinierungskreises gegen Menschenhandel“ (KOK) in Berlin, dass mehr Menschenhändler strafrechtlich verfolgt und verurteilt werden sollten. Auch wenn bereits viel getan werde, herrsche nach wie vor eine Kultur der Straflosigkeit gegenüber Händlern und Mittelsmännern.

          In mehr als der Hälfte der EU-Mitgliedsstaaten würden Mittäter nicht belangt, sagte Vassiliadou. Ziel sei es, das „Geschäftsmodell“ des Menschenhandels unprofitabel zu machen, indem man alle, die am Gewinn beteiligt seien, zur Verantwortung ziehe. Es sei noch viel zu tun bei der Umsetzung der EU-Richtlinie auf nationaler Ebene. Laut einem Bericht des amerikanischen Außenministeriums aus dem Jahr 2017 verbüßen nur 26 Prozent der verurteilten Menschenhändler in Deutschland eine Haftstrafe.

          Ein Bericht des Bundeskriminalamts aus diesem Jahr zeigt, dass sowohl sexuelle Ausbeutung, als auch Arbeitsausbeutung in Deutschland zunehmen. Menschenhandel ist jedoch nicht nur durch Migration aus Entwicklungs- und Krisenländern bedingt. 70 Prozent der Täter und Opfer in der EU seien EU-Bürger, so ein Europol-Bericht aus dem Jahr 2017. Caren Marks (SPD), Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesfamilienministerium sagte, Deutschland stehe zwei Jahre nach der Angleichung des deutschen Rechts an das EU-Recht noch ganz am Anfang. Um dem Gesetz Geltung zu verschaffen, bedürfe es einer stärkeren Zusammenarbeit zwischen Bund, Ländern und der Zivilgesellschaft. Letztere spiele vor allem eine wichtige Rolle dabei, Opfer von Menschenhandel und Ausbeutung zu erreichen und diesen zu helfen. Sophia Wirsching, die Geschäftsführerin des KOK, sagte, die Vorbeugung von Menschenhandel und der Schutz der Opfer müssten einen höheren Stellenwert in Deutschland haben.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Münchner Sicherheitskonferenz : Beten könnt ihr später

          Bei der Münchner Sicherheitskonferenz wird deutlich, wie schlecht es um die internationale Zusammenarbeit steht: Dieses Mal werden nicht alte Freundschaften aufgewärmt, sondern Vereisungen sichtbar.
          Stimmt nicht mit Trumps Entscheidung zum Truppenabzug aus Syrien überein: General Joseph Votel

          Truppenabzug aus Syrien : Ranghoher General widerspricht Trump

          Die Terrormiliz IS sei noch lange nicht besiegt, sagt der Kommandeur der amerikanischen Streitkräfte im Mittleren Osten in einem Interview. Auch ein einflussreicher Parteikollege Trumps warnt in München vor den Folgen des Truppenabzugs aus Syrien.
          Das Logo der Jungen Alternative auf einem Bundeskongress.

          FAZ Plus Artikel: F.A.Z. exklusiv : Chats belegen Extremismus in AfD-Parteijugend

          Der F.A.Z. liegen Chatverläufe vor, die verfassungswidrige Positionen von Landesvorstandsmitgliedern der „Jungen Alternative“ in Hessen belegen. Laut dem Landesvorstand der AfD-Parteijugend handelt es sich um „authentische Beweisstücke“.
          Wie hat es seine Nichte unter die besten Fünf geschafft? Außenminister Mevlüt Çavusoglu neben Präsident Erdogan im November in Paris

          Brief aus Istanbul : Die letzte Tomate gehört dem türkischen Volk

          Mit Gott und günstigem Gemüse wirbt die AKP vor den Kommunalwahlen um Stimmen. Zugleich versucht sie mit allen Mitteln Nachrichten zu unterdrücken, die an der Parteibasis für Unruhe sorgen könnten.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.