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Urteil nach Vergewaltigung : In allen Punkten schuldig

  • -Aktualisiert am

Hatte vor dem Gewaltexzess Kondome verteilt: Brandon Vandenburg Bild: AP

Er ermunterte Kommilitonen, seine bewusstlose Freundin zu vergewaltigen. Nun drohen dem ehemaligen Vanderbilt-Studenten Brandon Vandenburg 15 Jahre Haft. Die Universität soll nichts unternommen haben.

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          Die Jury brauchte nur knapp fünf Stunden, um ein Urteil über Brandon Vandenburg, einen früheren Studenten und Footballspieler der amerikanischen Vanderbilt University, zu sprechen. Drei Jahre nach der Gruppenvergewaltigung einer damals 21 Jahre alten Studentin sprachen die Geschworenen den Dreiundzwanzigjährigen am Samstag in allen Anklagepunkten schuldig.

          Ein Video, das Vandenburg im Sommer 2013 in einem Studentenwohnheim auf dem Campus der renommierten Universität in Nashville (Tennessee) aufnahm, hatte der Jury die Entscheidung erleichtert. Es zeigte, wie der Kalifornier drei Kommilitonen ermunterte, seine bewusstlose Freundin zu vergewaltigen. Vor dem halbstündigen Gewaltexzess hatte der Sportler Kondome verteilt. Zum Abschluss erlaubte er einem Mittäter, auf dem nackten Opfer zu urinieren. „Er hat die Frau drei Fremden angeboten. Aus welchem Grund er das tat, ist egal. Er hat es einfach getan“, fasste die stellvertretende Bezirksstaatsanwältin Jan Norman in ihrem Schlussplädoyer zusammen.

          Universität soll anfangs auf Bestrafung verzichtet haben

          Der Prozess hatte in den Vereinigten Staaten nicht nur wegen der Brutalität der sexuellen Übergriffe Empörung hervorgerufen. Er befeuerte zudem die Debatte über Vergewaltigungen an amerikanischen Universitäten, die vor drei Jahren auch das amerikanische Justizministerium auf den Plan gerufen hatte. Da viele Bildungseinrichtungen des Landes sexuelle Übergriffe mit Rücksicht auf den eigenen Ruf jahrzehntelang unter den Teppich kehrten, wird nun gegen Universitäten ermittelt, die nicht gegen mutmaßliche Täter vorgehen.

          Auch die Vanderbilt-Universität soll nach der Gruppenvergewaltigung anfangs auf eine Bestrafung verzichtet haben. Wie der „Tennessean“ damals berichtete, waren bei Universitäts-internen Ermittlungen angeblich keine Beweise für „unfreiwilligen Geschlechtsverkehr“ gefunden worden. Im vergangenen Sommer machte sich abermals der Eindruck breit, Vandenburgs Übergriffe könnten ohne juristische Folgen bleiben. Trotz eines Schuldspruchs im Januar 2015 erklärte das Gericht den Prozess damals unerwartet für gescheitert. Wie Vandenburgs Anwälte vortrugen, hatte ein Geschworener eine Jugendliebe mit einem Mann verheimlicht – nach Tennessees Gesetzen Unzucht mit Minderjährigen.

          Nach dem zweiten Schuldspruch wegen schwerer Vergewaltigung erwarten Vandenburg bei der für Juli geplanten Strafmaßverkündung mindestens 15 Jahren Haft ohne die Möglichkeit einer vorzeitigen Entlassung. Seinem Mittäter Cory Batey, der bereits im April schuldig gesprochen wurde, drohen ebenfalls bis zu 25 Jahren Gefängnis. Die voraussichtlich langen Haftstrafen in Tennessee heizten derweil den Streit über ein mildes Urteil in Kalifornien weiter an. Dort hatte das Oberste Gericht des Bezirks Santa Clara vor drei Wochen einen früheren Studenten und Schwimmer der Stanford University nach der Vergewaltigung einer ebenfalls bewusstlosen Frau überraschend mit nur sechs Monaten Haft bestraft. Bei guter Führung darf der 20 Jahre alte Brock Turner das Gefängnis schon nach drei Monaten wieder verlassen.

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